Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Topografie des Nationalsozialismus in Hessen

Übersichtskarte Hessen

Weitere Informationen

Rockenberg, Zuchthaus Marienschloß

Rockenberg, Gemeinde Rockenberg, Wetteraukreis
Klassifikation | Nutzungsgeschichte | Indizes | Nachweise | Abbildungen | Zitierweise
Klassifikation

Kategorie:

Justiz

Subkategorie:

Strafanstalt

Nutzungsgeschichte

Beschreibung:

Im Zuchthaus Rockenberg, später als Jugendstrafanstalt genutzt, hatten politische Häftlinge der Nationalsozialisten ihre Strafe zu verbüßen.Unter anderem wurde hier der ehemalige hessische Innenminister Wilhelm Leuschner 1933 für vier Monate in Einzelhaft genommen. Auch Wilhelm Hammann, der spätere Landrat des Kreises Groß-Gerau, saß zwischen 1935 und 1938 in dem Zuchthaus als politischer Gegner in Einzelhaft ein. Von hier aus wurde er nach Buchenwald gebracht. Zunächst wurden die Gefangenen noch einem katholischen Geistlichen seelsorgerisch betreut; aber bereits 1934 verwies die Gestapo Darmstadt dem Geistlichen dieses Amtes und entzog es ihm letztlich im September 1942 ganz.

Nutzungsanfang (früheste Erwähnung):

1933

Nutzungsende (späteste Erwähnung):

1945

Nutzung vor NS-Zeit:

Die Geschichte des ehemaligen Klosters reicht bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zurück. Das Zisterzienserinnenkloster Marienschloß wurde 1338 gestiftet. Seitdem diente es bis zum Reichsdeputationshaupt als wichtige geistliches Haus vor Ort und in der Region, dessen Bedeutung nicht zuletzt auch in der stetigen Erweiterung des Klosters über die Jahrhunderte sichtbar wurde. Im Zuge der Säkularisierung wurde das Kloster aufgelöst und befindet sich fortan im Besitz des Landgrafen von Hessen, bzw. in des Besitz des Großherzogtum Hessen. 1804 wird das Kloster in ein "Zucht- und Correctionshaus" umgewandelt. Da diese neue Nutzung des Gebäudes zahlreiche Umbaumaßnahmen am ehemaligen Kloster erforderlich machte, konnten die ersten Gefangenen erst 1811 aufgenommen werden. In den nächsten Jahrzehnten wurde die Anlage wiederholt erweitert. 1855 erhielt die Anlage den Status "Großherzogliches Landeszuchthaus". Der 1907 fertiggestellte Kuppelbau der Anstalt ermöglicht nun auch die Einzelhaft in der Anstalt. 1936 wurde das Gefängnis von den Nationalsozialisten in ein Zuchthaus umgewandelt und 1939 wurde es als Jugendgefängnis genutzt; allerdings wurden hier wohl nicht nur Jugendliche inhaftiert.

Nutzung nach NS-Zeit:

Kurz nach Kriegsende diente das Marienschloß der Unterbringung polnischer Kriegsgefangener, die auf ihre Heimreise warteten. Seit 1946 wurde das ehemalige Kloster wieder als Jugendgefägnis genutzt, nun im Besitz des neugegründeten Bundesland Hessen. Wieder wurde das Kloster um neue Gebäude erweitert.

Indizes

Orte:

Rockenberg

Sachbegriffe:

Strafanstalt · Justiz · Verfolgung

Nachweise

Literatur:

Weblinks:

Marienschloß

Zitierweise
„Rockenberg, Zuchthaus Marienschloß“, in: Topographie des Nationalsozialismus in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/nstopo/id/1632> (Stand: 14.2.2011)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde