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Klöster und Orden

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4919 Frankenau
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Ortskennziffer
63501306009

Zisterzienserkloster Haina

328 m über NN
Gemarkung Haina (Kloster), Gemeinde Haina (Kloster), Landkreis Waldeck-Frankenberg
Basisdaten | Geschichte | Besitz | Ausstattung | Nachweise | Zitierweise | Indizes
Basisdaten

Abstract:

Nach schwierigen Anfangsjahren und mehreren Gründungsversuchen im Umland besteht seit 1214 ein Zisterzienserkloster in Haina, dessen erste Kirchenanlage 1224 feierlich geweiht wird. Diese wird nach zisterziensischem Grundriss als frühgotische dreischiffige Hallenkirche angelegt und mit besonderen Glasfenstern ausgeschmückt, die bis heute erhalten sind. Die Mönche bauen die Abtei zu einem der wichtigsten hessischen Klöster aus. In vielen Städten zwischen Frankfurt und Kassel errichtet das Kloster Stadthöfe. 1527 wird das Kloster durch den hessischen Landgrafen Philipp aufgehoben und 1533 in ein "Hohes Hospital" umgewandelt. Lange Zeit arbeitet und lebt die Künstlerfamilie Tischbein in Haina. Heute existiert in der Klosteranlage eine Klinik des Hessischen Landeswohlfahrtsverbandes.

Orden:

Zisterzienser

Alte Diözesanzugehörigkeit:

Kirchenprovinz Mainz, Erzbistum Mainz, Archidiakonat St.Stephan Mainz, Dekanat Kesterburg

Typ:

Männerkloster

Territorium:

  • 1215: Mainzer Gerichtsbarkeit über das Kloster, Schutzherrschaft durch die Grafen von Battenberg
  • 1417: Landgrafschaft Hessen
  • 1533: Landgrafschaft Hessen-Marburg, Hohes Hospital

Historische Namensformen:

Lagebezug:

13,5 km südöstlich von Frankenberg

Lage:

Das Kloster liegt nahe der Wasserscheide von Rhein und Weser an einer Kreuzung von bedeutenden Handelsstraßen.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3498385, 5654962
WGS84: 51.02818074° N, 8.973313962° O

Geschichte

Geschichte:

Die Gründungsgeschichte umfasst 70 Jahre, in der dreimal versucht wird die Gegend zu kolonisieren, möglicherweise verursacht durch Konflikte um Vogteirechte. Sie beruft sich auf eine nachgewiesene Fälschung in einem 1144 durch den Mainzer Erzbischof beurkundeten Schriftstück. Dieses erwähnt eine Gründung durch den Grafen Poppo von Reichenbach und seiner Frau, die den Aulesberg Benediktinern vermacht hätten. Eine Visitationsurkunde von 1244 durch die Äbte von Altenberg und Bredelar berichtet von Gründungsversuchen durch das Zisterzienserkloster Kamp. In dessen Auftrag besiedeln Mönche die Aulesburg, die Graf Poppo ihnen überlässt. (Verlegung des Klosters von Aulesburg endgültig 121[4] (1216) nach Haina (1221 nach Wigand Gerstenberg). Bis 1255 wechselnd Haina und Aulesburg genannt.)

Der Ort liegt an einer wichtigen Straßenkreuzung, einerseits der Reichsstraße, die aus dem Rhein- und Siegerland kommt und durch Hessen nach Thüringen bis ins östliche Sachsen verläuft und andererseits der Weinstraße, die von Frankfurt kommend über Marburg, Korbach, Paderborn nach Norddeutschland führt. Nach Streitigkeiten mit den Regionalherren, die 1188 endgültig auf alle ihre Eigentums- und Vogteirechte verzichten, wird die Aulesburg durch Mönche des Zisterzienserklosters Altenberg besiedelt. 1201 wird das Dorf Haina gekauft, die Einwohner werden zwangsumgesiedelt, neue Klosteranlagen errichtet.

Das Kloster steht unter dem Schutz des Mainzer Erzbischofs, es sichert sich so gegen die Ansprüche der Grafen von Ziegenhain und der Landgrafen von Thüringen ab; dies wird 1216 durch einen Schutzbrief des Papstes weiter bestätigt. Schirmvögte werden die Grafen von Battenberg, gegen deren Machtansprüche königliche Schutzbriefe an Haina vergeben werden. 1224 weiht der Mainzer Erzbischof die neu errichteten Klosteranlagen ein.

Seit der Mitte des 13.Jahrhunderts betreibt das Kloster eine systematische Grunderwerbspolitik durch Kauf, Tausch, Mitgifterwerb und Schenkungen, was das Güterverzeichnis von 1250 aufzeigt. Zahlreiche Zehntrechte, obwohl deren Ausübung durch die Ordensregeln den Zisterziensern untersagt ist, große Höfe (Köln, Frankfurt, Frankenberg, Wetter, Gelnhausen, Fritzlar, Treysa)) und Häuser werden erworben.

Das Kloster Haina unterhält Stadthöfe in folgenden Städten, die sehr unterschiedliche Funktionen und Bedeutung haben: Fritzlar, Frankfurt, Grünberg, Marburg, Alsfeld, Frankenberg, Wetter, Wildungen, Gelnhausen, Treysa, Ziegenhain, Gemünden, Homberg a.d.Efze, Amöneburg, Friedberg, Rauschenberg, Neustadt.

Der Stadthof ist das Zentrum des Klosters in der Stadt. Hier wird verwaltet, werden Abgaben, Pachteinnahmen, Zinsen eingesammelt, werden Gäste beherbergt, werden besondere Produkte hergestellt, gehandelt und verkauft. Eine Kapelle vervollständigt häufig das Gebäudensemble, zu dem Wohn- und Wirtschaftsgebäude in der Stadt auch an anderen Stellen gehören. Durch die Stadthöfe wird das Kloster Teil der städtischen Wirtschaft und sichert seine Beteiligung am Marktgeschehen. Sehr gezielt werden die Stadthöfe als Stationen an den großen Handels- und Verbindungsstraßen von Frankfurt nach Haina angelegt, ebenso Grangien als Versorgungseinrichtungen.

Neben dem agrarisch genutzten Grundbesitz erwirbt das Kloster große Waldgebiete, die durch das anfallende Bau- und Brennholz, als Weide zur Viehmast aber auch für den Bergbau wichtig sind. 1252 verleiht König Wilhelm von Holland Schürfrechte für alle Metalle .

Der gotische Ausbau der Klosterkirche wird entsprechend der Zisterziensischen Ordensregel überwiegend in Eigenarbeit der Mönche und Konversen geleistet. Dies belegen Baumeisternamen in Urkunden, auch ein Namenszug „Lupuldus frater“ in einem Hochchormaßwerkfenster. Seit der Mitte des 13.Jahrhunderts besteht ein Hospital im Kloster. Zahlreiche Schenkungen vergrößern weiter den Grundbesitz und damit die Bedeutung des Klosters, im 14.Jahrhundert liegt der Schwerpunkt der Einnahmen auf Seelgerätstiftungen. Mit materiellen Zuwendungen wird häufig die Zugehörigkeit zur Hainaer Bruderschaft von Laien erkauft, die Klostermitglieder selbst sichern ihr Seelenheil durch Gebetsbruderschaften mit anderen Klöstern ab. Den Grafen von Ziegenhain dient das Kloster als Grablege.

Regionalkonflikte, wie der Sternerkrieg zwischen den Grafen von Ziegenhain, den Landgrafen von Hessen und Thüringen und dem Erzbischof von Mainz, beeinträchtigen das Kloster und führen im 15.Jahrhundert zu einer enormen Verschuldung und langdauernden wirtschaftlichen Krise. Misswirtschaft und Mängel in der Klosterdisziplin veranlassen Landgraf Wilhelm von Hessen die Bursfelder Reformen in Haina mit Hilfe der Äbte von Altenberg durchzusetzen (Reformen 1492, 1497, 1508).

In der Reformationszeit lässt Landgraf Philipp 1525 ein Verzeichnis der Schätze, Ausstattung und Einkünfte des Klosters anfertigen. Zur Finanzierung des Bauernkrieges muss Kloster Haina daraufhin Gold- und Silbergefäße an den Landesherren abliefern. Nach dem Reichstag in Speyer, 1526, beginnt die Auflösung des Klosters mit dem erzwungenen Austritt der Mönche gegen eine Abfindungszahlung. Viele flüchten in die Stadthäuser nach Köln, Frankfurt, ins Mutterkloster Altenberg und in die Wetterau und versuchen mit Hilfe des Kaisers Karl. V. und dem Mainzer Erzbischof die alten Klosterrechte wiederherzustellen. Abt Ditmar klagt (+ 1529) gegen Hessen erfolglos beim Reichskammergericht. 1531 wandelt Landgraf Philipp das Kloster in ein "Hohes Hospital" für die arme Bevölkerung des Umlandes um, das ehemalige Mönche betreiben. 1540 erhält die Universität Marburg die Einkünfte von Haina, wie auch seine Höfe in Singlis, Treysa, Alsfeld und Fritzlar. Mehrere Mönche werden in der Umgebung als evangelische Pfarrer tätig. Ein Restitutionsversuch 1548 scheitert, mit dem Tod des letzten nominellen Abtes, Hermann Engel, der 1574 im Hainer Hof zu Frankfurt stirbt, verlöschen auch die Rechtseinsprüche.

Das Hospital bleibt bestehen und wird in der preußischen Zeit weiter ausgebaut. Kleine Häuser für die Familien des Personals und eine Isolierstation werden 1895 errichtet.

Bis heute existiert das Hospital in Haina, ist heute ein Zentrum für Soziale Psychiatrie in der Trägerschaft des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen.

Gründungsjahr:

1214

Organisation:

Die Mitglieder des Klosters (Äbte, Mönche, Laienbrüder) stammen überwiegend aus der engeren Region. Vermutlich gehören bis zu 60 Personen zum Konvent (Anzahl der Sitze im Chorgestühl); der Auflösungsbericht 1527 benennt 46 Personen.

Pfarrrechte:

Es existieren Kirchenpatronatsrechte des Klosters in Winterscheid, Lendorf, Herbelhausen, Grüsen und Löhlbach.

Patrozinien:

Maria

Archivgeschichte:

Aktueller Stand bei Arnd Friedrich, Artikel Haina

Der Stand von 1940 bei Dersch, Klosterbuch, S. 65-68

Bibliotheksgeschichte:

Aktueller Stand bei Arnd Friedrich, Artikel Haina S.932 f.

Der Stand von 1940 bei Dersch, Klosterbuch, S. 65-68

Besitz

Besitz:

Recherche im Ortslexikon

Der Grundbesitz des Klosters reicht von Kassel im Norden bis nach Frankfurt im Süden.

Arnd Friedrich, Artikel Haina, S. 909-918: Güterverzeichnis und Übersicht über die wirtschaftlichen Verhältnisse (im Folgenden sind nur größere Besitzungen aufgeführt):

Albshausen, Amönau, Amöneburg, Bauerbach, Bellersheim, Bellnhausen, Bernsdorf, Betziesdorf, Boppenhausen, Bracht, Brunbishop, Brungershausen, Dimendorf, Elbringhausen, Ettingshausen, Gonterskirchen, Grünberg, Haina (Kloster), Harbshausen, Herzhausen, Hindernau, Holzhausen am Hahn, Lang-Göns, Laubach, Lauter, Marburg, Mühlsachsen, Ober-Bessingen, Ober-Laubach, Queckborn, Rauschenberg, Ruttershausen, Schmittlotheim, Selbach, Sickels, Stadtallendorf, Trais-Horloff, Utphe, Weitershain

Niederlassungen:

Kloster Haina legt systematisch zwischen Frankfurt und Kassel Stadthöfe an, die größten liegen in:

  1. Alsfeld
  2. Frankenberg
  3. Frankfurt a. M.
  4. Bergen (Stadt Frankfurt)
  5. Friedberg
  6. Fritzlar
  7. Gelnhausen
  8. Grünberg
  9. Marburg
  10. Niederwildungen
  11. Ransbach (Landkreis Hersfeld-Rotenburg)
  12. Rommershausen (Schwalm-Eder-Kreis), (1535)
  13. Roth (Kreis Marburg-Biedenkopf),
  14. Singlis
  15. Treysa
  16. Wetter

Abhängigkeitsverhältnis:

Die Zisterzienserabtei Altenberg (Gemeinde Odenthal, Bergisches Land) visitiert Kloster Haina in den Jahren 1470, 1492 und 1529.

Ausstattung

Gebäude:

Zur Ausstattung mit mittelalterlichen Glasfenstern vgl. Haina, ehemaliges Zisterzienserkloster

Denkmaltopographie:

DenkXweb Kulturdenkmäler in Hessen (Sachgesamtheit Landeshospital Haina)

Nachweise

Arcinsys Hessen:

Quellen:

Gedruckte Quellen:

Literatur:

Germania Sacra-ID:

30173

GND-Nummer:

4194249-8

Zitierweise
„Zisterzienserkloster Haina, Gemeinde Haina (Kloster)“, in: Klöster <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/kl/id/7730> (Stand: 6.4.2021)
Indizes

Personen:

Konrad von Hörnsheim tritt 1221 in den Aulesburger Konvent ein; er arbeitet als Klosterkellner und organisiert den großen Grunderwerb Hainas. Nach dem Rücktritt von seinem Amt lebt er als einfacher Mönch bis zu seinem Tode im Kloster (1270). Er wird bereits von den Zeitgenossen als Heiliger verehrt. GND #1147219478

Konrad Fleck aus Treysa ist der letzte Küchenmeister des Klosters (1516-1527); er studiert nach der Auflösung des Klosters evangelische Theologie in Marburg, wird anschließend der erste Pfarrer des Hospitals (1538-1555) und arbeitet als Weinschenk und Kleiderverteiler.

Sachbegriffe:

 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde