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Herzogtum Nassau 1819 – 51. Rüdesheim
Ortskennziffer
43900402003

Benediktinerkloster Johannisberg

180 m über NN
Gemarkung Johannisberg, Gemeinde Geisenheim, Rheingau-Taunus-Kreis
Basisdaten | Geschichte | Besitz | Ausstattung | Nachweise | Zitierweise | Indizes
Basisdaten

Abstract:

Das heutige für seinen Wein berühmte Schloss Johannisberg geht auf ein altes Benediktinerkloster zurück. Es wird im 12. Jahrhundert gegründet und liegt auf einer Anhöhe im Rheingau, wo die Mönche seit dem Mittelalter Weinbau betreiben. Im 16. Jahrhundert wird das Kloster aufgehoben, aber als Wirtschaftsbetrieb fortgeführt. Seit 1815 ist es im Besitz der Familie von Metternich.

Orden:

Benediktiner

Alte Diözesanzugehörigkeit:

Kirchenprovinz Mainz, Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Mauritius in Mainz, Rheingau

Typ:

Männerkloster

Territorium:

  • Erzstift Mainz, später Kurfürstentum Mainz vgl. Entwicklung in Johannisberg

Historische Namensformen:

  • ecclesie sancti Albani montem quendam in Rinegowe, qui vocatur Biscoffesberc (1130) [UB Mainz 1, S. 478-480, Nr. 565 und Faksimileabdruck in Struck, Johannisberg im Rheingau, S. 17, Tafel IV]
  • monasterium deo et sancto Johanni in Bisscofesberc (1131) [Nassauisches Urkundenbuch, S.116-117, Nr. 184]
  • monasterium in monte sancti Johannis (1240)

Lagebezug:

4,5 km nordöstlich von Rüdesheim am Rhein

Lage:

Das heutige Schloss und ehemalige Kloster liegt am 50. Breitengrad, etwa 2 km vom Rhein entfernt auf einer Höhe von 180 m in einer klimatisch begünstigten Region im Rheingau

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3427157, 5540891
UTM: 32 U 427111 5539115
WGS84: 49.99989548° N, 7.982943639° O OpenLayers

Geschichte

Geschichte:

Der Mainzer Erzbischof Ruthard von Mainz (1089-1109) übergibt den sog. Bischofsberg im Rheingau dem Albanskloster in Mainz zur Errichtung eines Benediktinerkonvents; das genaue Gründungsjahr ist umstritten. Mehrere bedeutende Urkundenfälschungen, viele aus dem 19. Jahrhundert, verzerren die historischen Ereignisse und erschweren die korrekte Darstellung.

Das Ansehen der Bendediktinerabtei wächst beständig; sie versorgt den Ort seelsorgerisch. Ein Nonnenkloster (clusa) entsteht in seiner Nähe und bleibt von ihm abhängig. Reiche Schenkungen der Rheingrafenfamilie und der Erzbischöfe verbunden mit der Vogtfreiheit und dem Recht der Abtswahl (Mainzer Freiheit) sichern die Selbständigkeit des Eigenklosters der Mainzer Erzbischöfe. Auf dem Wormser Reichstag 1140 bestätigt König Konrad III. die Rechte des Klosters und unterstellt es seinem Schutz.

Ab dem Ende des 13.Jahrhunderts verschlechtert sich die Situation des Klosters verbunden mit einem Niedergang des Klosterlebens. 1383 sieht sich der Mainzer Erzbischof Adolf I. von Nassau gezwungen, die wirtschaftliche Misere durch eigene Verwalter zu bekämpfen. 1452 wird die Abtei im Sinne der Bursfelder Kongregation erfolgreich reformiert; das Klosterleben wird neu geordnet und Schulden werden abgebaut. Möglich wird dies auch durch die Übernahme des Besitzes des nahe gelegenen Benediktinerinnenkloster St. Georg Johannisberg. Durch die Reformierung des Klosterlebens gewinnt der Ort verstärkte religiöse Attraktivität, die sich in vermehrten Seelgerätstiftungen nieder schlägt. In dieser Blütezeit wird Abt Konrad von Rodenberg (1468-86) vom Generalkapitel des Ordens verstärkt mit Visitationen anderer Klöster beauftragt. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wird der Kreuzgang neu errichtet.

Im Bauernkrieg 1525 wird das Kloster schwer beschädigt und es gerät in eine wirtschaftliche Krise. 1563 hebt der Mainzer Erzbischof das Kloster auf und lässt die Anlage durch einen erzbischöflichen Ökonomen verwalten. Die Bursfelder Kongregation bemüht sich vergeblich Jahrzehntelang um eine Aufhebung der Schließung der Abtei. 1716 wird sie an die Benediktinerabtei Fulda verkauft. Bei der Säkularisation 1803 fällt der Besitz an Nassau-Oranien. 1807 wird er von Napoleon dem französischen Marschall Kellermann, Herzog von Valmy, geschenkt. 1816 verleiht der österreichische Kaiser den Johannisberg, den er 1815 durch den Wiener Kongress mit allen Souveränitätsrechten erhalten hat, seinem Staatskanzler, dem Fürsten Clemens von Metternich, dessen Familie sich noch heute im Besitz des Schlosses und Weingutes befindet.

Ersterwähnung:

1130

Gründungsjahr:

1106 -1108

Gründer:

Erzbischof Ruthard von Mainz (1089-1109)

Aufhebungsjahr:

1563

Pfarrrechte:

Johannisberg; Treffelsheim (Dribelsheim)

Patrozinien:

St. Nikolaus (bis 1130); Johannes der Täufer

Besitz

Besitz:

Nach einem Register der Einkünfte von 1502 hat das Kloster Besitz in folgenden Orten:

Appenheim, Assmannshausen, Bingen, Büdesheim, Eibingen, Eltville, Erbenheim, Essenheim in Rheinhessen, Gau-Algesheim, Gaulsheim, Geinsheim, Geisenheim, Hallgarten, Hattenheim, Hattersheim, Heimbach, Johannisberg, Kempten, Langenlonsheim südlich Bingen, Lorch, Mechtildshausen, Mittelheim, Oestrich, Okriftel, Rauenthal, Reichardshausen, Rüdesheim, Rüsselsheim, Sindlingen, Treffelsheim (Dribelsheim) bei Bingen, Weinheim, Winkel

Daneben besitzt das Kloster mehrere Mühlen.

Abhängigkeitsverhältnis:

Das Benediktinerinnenkloster St. Georg Johannisberg ist von der Abtei abhängig.

Ausstattung

Sonstiges:

Die Klosterbibliothek schenkt der Mainzer Erzbischof 1621 dem von ihm gegründeten Kapuzinerkloster Nothgottes. Bei dessen Säkularisation 1813 werden die Bücher vom Herzogtum Nassau für seine Bibliotheken übernommen.

Nachweise

Arcinsys Hessen:

Quellen:

Gedruckte Quellen:

Literatur:

Germania Sacra-ID:

3375

GND-Nummer:

1148353011

GND-Nummer Bauwerk:

4653965-7

Zitierweise
„Benediktinerkloster Johannisberg, Gemeinde Geisenheim“, in: Klöster <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/kl/id/13005> (Stand: 7.1.2020)
Indizes

Personen:

Konrad von Rodenberg, starb 1486 nach achtzehnjährigem Abbatiat

Johannes Butzbach, Benediktinermönch um 1500: Verfasser einer Darstellung des Klosterlebens seiner Zeit und einer der frühesten Beschreibungen des Rheingaus

Sachbegriffe:

  • Bauernkrieg
  • Benediktiner
  • Bursfelder Kongregation
  • Mainzer Erzbischof
  • Weinbau
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde