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5518 Butzbach
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Ortskennziffer
44000502008

Kugelhaus der Brüder vom gemeinsamen Leben in Butzbach

197 m über NN
Gemarkung Butzbach, Gemeinde Butzbach, Wetteraukreis
Basisdaten | Geschichte | Besitz | Ausstattung | Nachweise | Zitierweise | Indizes
Basisdaten

Abstract:

An der Pfarrkirche St. Markus der Stadt Butzbach wird durch die Stadtherren 1468 ein Kollegiatsstift der Brüder vom Gemeinsamen Leben, die wegen ihres Spitzhutes, der cuculla, „Kugelherren“ genannt werden, gegründet und mit umfangreichem Besitz ausgestattet. Hier lebt der berühmteste Kugelherr Butzbachs, Gabriel Biel, der spätere Mitbegründer der Universität Tübingen. Mit der Reformation und der Aufhebung des Stiftes 1555 wird das gesamte Einkommen in einen Fonds überführt. Er dient zur Bezahlung von Sach- und Personalkosten der Kirchengemeinde und des Schulwesens in Butzbach bis heute.

Orden:

Brüder vom gemeinsamen Leben - Kugelherren

Ordensprovinz:

Oberdeutsche Kanoniker

Alte Diözesanzugehörigkeit:

Kirchenprovinz Mainz, Erzbistum Mainz, Archidiakonat Mainz, St. Maria ad gradus, Dekanat Friedberg

Typ:

Kollegiatstift

Territorium:

  • 1468: Grafschaft Eppstein-Königstein später Landgrafschaft Hessen (vgl. Butzbach)

Historische Namensformen:

Lage:

Durch Schenkungen und Immobilienankäufe entsteht rund um die Markuskirche ein geschlossener Komplex, der nach Norden und Osten durch die Stadtmauer abgeschlossen wird, Kirchplatz 12.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3476944, 5588845
UTM: 32 U 476794 5587133
WGS84: 50.43576008° N, 8.673228412° O OpenLayers

Geschichte

Geschichte:

1470 wird durch Graf Eberhard III. von Eppstein - Königstein zusammen mit seinen Mitstadtherren und päpstlicher Genehmigung die Markuskirche zur Kollegiatskirche umgewandelt und für die vorhandenen 14 Pfarrer und Altaristen ein Stift der Brüder vom gemeinsamen Leben, den Kugelherren, eingerichtet. Mit Zustimmung des Papstes werden alle Pfründe der Stadtkirche dem Stift übertragen. Die Gründung beruht vermutlich auf einem vorhandenen Halbstift an der Stadtkirche, dessen Priester gemeinschaftlich lebten und gottesdienstliche Aufgaben gemeinsam ausführten. Das Stift übernimmt die Pfarrseelsorge, den Chordienst und die Schule in der Stadt.

Meist leben acht bis zehn Personen in dem Kugelhaus, Geistliche und Laien, die, ohne ein Gelübde abzulegen, ihr Leben dem Gebet, Studien und der Arbeit widmen. Ziel ist, das einfache Leben Jesu und seiner Jünger nachzuahmen. Zwölf Jahre wirkt Gabriel Biel, einer der Mitgründer der Universität Tübingen, in Butzbach und prägt entscheidend das Leben im Stift. Die Stadt spendet der Ordensgemeinschaft Immobilien in der Griedeler Straße, weitere umfangreiche Stiftungen Butzbacher Bürger vergrößern den Besitz. So vermacht 1473 z.B. Wendelin Steinbach, der aus einer bedeutenden Wollunternehmer- und Schöffenfamilie stammt, sein gesamtes Vermögen dem Markusstift und tritt selbst in das Kollegium ein. Zum Stiftskomplex gehören Konvikt, Kapitelhaus, Küche, Schlafhaus, Bibliothek, Badestube, Siechenhaus, Gasthaus, Kreuzgang, Holzhaus, Backhaus, Brauhaus, weitere Wirtschaftsräume und ein Schulhaus. 1480 legt die Stadt fest, dass die Kugelherren für ihre durch Schenkung oder Kauf erworbenen Güter die ursprünglichen Steuern weiter zahlen sollen. Geld erwirtschaftet die Gemeinschaft durch Schreiben von Büchern.

Die Ausbreitung reformatorischer Ideen versucht das Stift zu verhindern, indem es dem aus Butzbach stammenden Caspar Wenix, Pfarrer in Rockenberg, der seit 1525 im evangelischen Sinne predigt, den Zugang zu Stift und Kirchenräumen versperrt. Landgraf Philipp von Hessen drängt seit 1528 auf die Einsetzung eines evangelischen Pfarrers an der Stadtkirche St. Markus. Bis 1539 sterben bis auf einen die Stiftsherren, dieser Letzte verwaltet im Auftrag der Stadt den Besitz der Niederlassung. Nach seinem Tod werden alle Einkünfte aus dem Stiftsgut in einen Fonds überführt (1555), aus dem der Pfarrer, Lehrer und vier Stipendien für Butzbacher Studenten bezahlt werden sollen. Dieser Kugelhausfonds existiert bis heute.

Gründungsjahr:

1468

Gründer:

Graf Otto von Solms, Eberhard III. von Eppstein, Philipp von Eppstein, Brüder Gottfried X. und Johann

Aufhebungsjahr:

1555

Patrozinien:

Marcus

Bibliotheksgeschichte:

Die umfangreiche Bibliothek findet sich zum Teil beim 1. ev. Pfarramt in Butzbach (Katalog in Hs. 3327, S. 133ff. der Landesbibliothek zu Darmstadt), das meiste seit 1771 in der Universitätsbibliothek Gießen, vgl. Adrian, Catalogus codicum manuscriptorum bibliotecae academiae Gissensis, Frankfurt 1840, Nr. 31 (Katalog), darunter 205 Handschriften und 300 Inkunabeln aus der Zeit vor 1500.

Besitz

Besitz:

Im Kopialbuch des Stiftes werden für die Zeit von 1476 bis 1509 insgesamt 79 Schenkungen aufgelistet. Männer und Frauen übergeben beim Eintritt in die Gemeinschaft ihren Besitz dem Stift, auch Bürger der Stadt unterstützen die Brüder. Die vier Stadtherren, die Grafen von Solms und von Eppstein, Philipp von Eppenstein statten die gemeinschaft ebenfalls mit Rechten, Grund und Boden aus.

Abhängigkeitsverhältnis:

Die Konvente in Marienthal, Königstein und Butzbach bilden eine Gemeinschaft. Von hieraus werden die württembergischen Gemeinschaften in Urach und Herrenberg und die rheinischen in Wolf und Trier gegründet.

Ausstattung

Gebäude:

Die Markuskirche ist bis heute die Stadtkirche. Sie ist vom Typ her eine spätgotische Hallenkirche; einzelne Teile stammen aus früheren Jahrhunderten.

Denkmaltopographie:

DenkXweb Kulturdenkmäler in Hessen (Kulturdenkmal Kugelherrenhaus)

Objekte:

Grabstein von Graf Philipp VII. von Falkenstein, verstorben 1410

Grabstein von Werner von Eppstein, verstorben 1462

Gruft der Familie Solms-Hohensolms (nicht öffentlich)

Gruft der Landgrafen von Hessen mit Sarkophagen von Landgraf Philipp III. von Hessen-Butzbach, Anna Margarete von Diepholz, Christine Sophie von Ostfriesland, Prinz Heinrich von Hessen

Sonstiges:

Der scholastische Philosoph, Professor der Philosophie und Gründungsmitglied der Universität Tübingen Gabriel Biel war Propst in Butzbach und blieb den Kugelherren Zeit seines Lebens verbunden.

Von 1481-1503 leben "Schwestern vom gemeinsamen Leben" in Butzbach. Sie schließen sich 1489 der Rosenkranz-Bruderschaft beim Dominikanerkloster in Frankfurt an.

Nachweise

Quellen:

Gedruckte Quellen:

Literatur:

Germania Sacra-ID:

3039

GND-Nummer:

4390700-3

GND-Nummer Bauwerk:

1033879738

Zitierweise
„Kugelhaus der Brüder vom gemeinsamen Leben in Butzbach, Gemeinde Butzbach“, in: Klöster <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/kl/id/12907> (Stand: 21.5.2020)
Indizes

Personen:

Biel, Gabriel

Sachbegriffe:

  • Bibliothek
  • Brüder vom gemeinsamen Leben
  • Kollegiatstift
  • Kugelherren
  • Pfarrseelsorge
  • Schulfond
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde