Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Jüdische Grabstätten

Mannheimer, Mina, geborene Dahlberg (1929) – Bad Soden am Taunus

Grab Nr. 259 → Lageplan (PDF), Bad Soden am Taunus, Jüdischer Friedhof, Gemarkung Bad Soden am Taunus | Historisches Ortslexikon
Äußere Merkmale | Inschrift | Verstorbene(r) | Indizes | Nachweise | Zitierweise
Äußere Merkmale

Material:

Basalt, Vorderseite schwarz poliert

Platzierung:

stehend

Beschreibung:

Über der Inschrift ist ein stilisierter Blumenstrauß. Doppelgrabstätte, reserviert.

Bemerkungen:

Wohl verursacht durch die Aussprache steht תמות für korrekt תמוז

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(1) Sprüche 31,31; (2) Ein Nachruf für Mina Mannheimer findet sich in der Zeitschrift „Der Israelit“, dem Wochenblatt der Frankfurter Orthodoxen Gemeinde, in Heft 31 vom 1.8.1929 (24. Tammus 5689), S. 6: „Am Mittwoch, 16. Tammus, wurde Frau David Mannheimer . . . den Ihrigen durch einen sanften Tod nach langem, schwerem, aber gottergeben ertragenen Leiden genommen usw.“

Sonstiges:

Abkürzungen:

ע״כ = על כן / מ׳ = מרת / א״ר = אשת רב / נפט׳ = נפטרה

Inschrift

Hebräische Inschrift:

Text Vorderseite

פ״נ

אשת צנועה עטרת בעלה

עקרת הבית ותפארת בניה

נתיב היראה הלכה רגלה

ע״כ יהללו בשערים מעשיה

מ׳ מרים א״ר דוד מאנהיימער

נפט׳ ביום ד׳ ט֗ז֗ תמות ת֗ר֗פ֗ט֗ ק

ת֗ נ֗ צ֗ ב֗ ה֗

Hier ruht

eine tüchtige Frau, Krone ihres Mannes,

Hausfrau und Zierde ihrer Kinder.

Pfad der Gottesfurcht war der Weg ihres Fußes,

darum: ‚lobt man ihre Taten an den Stadttoren‘ (1).

Frau Miriam, Ehefrau des Herrn David Mannheimer (2),

sie starb am Mittwoch, 16. Tammuz 689 n.d.k.Z.

Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens.

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MINA MANNHEIMER

GEB. DAHLBERG

GEB. 29.9.1870

GEST. 24.7.1929

Sprache der Vorderseite:

deutsch, hebräisch

Verstorbene(r)

Personendetails:

  1. Mannheimer, Mina, geborene Dahlberg

    Geburtstag

    29.9.1870

    Sterbetag

    24.7.1929

    Geschlecht

    weiblich

    Familienstand

    verheiratet

    Herkunftsort

    Kleestadt, Kreis Dieburg

    Wohnort

    Höchst

    Sterbeort

    Höchst am Main, Albanusstraße 36

    Weitere Angaben

    Miriam Mannheimer wurde am 29. September 1870 in Kleestadt (Kreis Dieburg) als Miriam Dahlberg geboren. Sie heiratete David Mannheimer und zog mit ihm 1896 nach Flörsheim. Dort betrieb das Ehepaar in der Hauptstraße 57 ein Geschäft für Manufakturwaren und Herrenkonfektion. 1914 erfolgte der Umzug nach Höchst, Humboldtstraße 16. Unter Beibehaltung des Geschäfts in Flörsheim wurde hier ein zweites Geschäft mit ähnlichem Sortiment eröffnet, das bis 1927 – zuletzt durch seinen Sohn Leo – weitergeführt wurde. Die Flörsheimer Zeitung meldet am 25. Juli 1929, Mina Mannheimer sei in der Kur in Bad Soden verstorben. Diese Meldung stimmt jedoch nicht. Sterbenebenregister Höchst 1929 Nr. 249: Mina Mannheimer, geborene Dahlberg, 58 Jahre alt, geboren zu Kleestadt, Kreis Dieburg, verheiratet mit David Mannheimer. Verstorben am 24. Juli 1929. Das Ehepaar hatte eine Tochter Hanna, die mit Eduard Wieseneck verheiratet war und am 20. Februar 1931 im Krankenhaus Höchst verstorben ist. Wahrscheinlich wurde sie auf dem Friedhof in Flörsheim begraben, der von den Nazis völlig zerstört wurde. David Mannheimer wurde 31. Juli 1870 in Okriftel geboren, für ihn war eine Grabstelle reserviert, er wurde jedoch am 18.8.1942 nach Theresienstadt deportiert (Transport Da 503 XII/1 von Frankfurt/M. aus) und ist am 10.9.1942 verstorben. Nach dem Tod von Mina Mannheimer heiratete er am 15. Januar 1931 ein zweites Mal. Der Schwager von Mina bzw. Bruder von David war Abraham Mannheimer, geboren am 16. Januar 1867 in Okriftel und ebenfalls nach Theresienstadt deportiert und am 13. Februar 1943 verstorben. Abraham Mannheimer war Lehrer bei den Kultusgemeinden Harburg (1890-1898) und Dettelbach (1898-1937), er war verheiratet mit Bertha Sonn (geboren am 24. Januar 1844 in Mönchsdeggingen, gestorben am 25. April 1927 in Dettelbach). David Mannheimer betrieb zusammen mit Isaak Zechermann ein Geschäft, sie waren verschwägert, da ihre Frauen, Miriam Dahlberg und Amalie Dahlberg Schwestern waren. Die Geburtsurkunde von Miriam Dahlberg im Central Archives of Jerusalem G3/100-1840-1874, Gemeinde Kleestadt, nennt die Namen der Eltern: Der Schutzjude Levi Dahlberg und seine Ehefrau Berel, geborene Wahlen. Laut Geburtsurkunde war Miriam Dahlberg das zweite Kind dieser Ehe. Als Zeugen werden Leser und Bernhard Dahlberg beurkundet. Leser Dahlberg war der Schwager von Levi Dahlberg, die Frauen waren Schwestern (Berle und Hendel). Die Schreibweise des Namens der Mutter schwankt in den Urkunden: Bäre, Berel, Bere, Berle. Der Vater, Levi Dahlberg, starb am 19. Januar 1887 und liegt auf dem jüdischen Friedhof Babenhausen, Grab 4/01; die Inschrift auf dem Grabstein nennt den Namen: Jehuda, Sohn des David Dahlberg. Die Mutter starb am 8. Juli 1881 und liegt ebenfalls auf dem jüdischen Friedhof in Babenhausen, Grab 5/08; die Inschrift auf dem Grabstein nennt den Namen: Berel, Tochter des Menachem (in der Geburtsurkunde für die Schwester Amalie Zechermann wird die Mutter Bäre, Tochter des Emanuel, genannt). Im Geburtsnebenregister Kleestadt sind noch folgende Geschwister genannt: David, geboren 9. August 1876 (Register Nr. 18); Amalie (Mahle) Zechermann,geborene Dahlberg, geboren 25. Juli 1878 (Register Nr. 10 – sie liegt auf dem Bad Sodener Friedhof Grab Nr. 248); Dina, geboren 4. November 1881 (Register Nr. 19); Tochter Knechtge (?); geboren 15. Oktober 1883 (Register Nr. 8).

Nachweise

Bearbeitung:

Dr. Lothar Tetzner 2018

Bildnachweise:

Sven Thomas Hammerbeck, Bad Soden am Taunus

Fotos:

Zitierweise
„Mannheimer, Mina, geborene Dahlberg (1929) – Bad Soden am Taunus“, in: Jüdische Grabstätten <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/juf/id/16791> (Stand: 8.5.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde