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Grabdenkmäler

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Hans Ulrich Landschad und Walburg von Ratzeburg 1595, Neckarsteinach

Neckarsteinach · Gem. Neckarsteinach · Landkreis Bergstraße | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Neckarsteinach

Gebäude:

Neckarsteinach, Evangelische Kirche

Angaben zum Standort:

Das dreiteilige Epitaph ist an der Wand links vom Triumphbogen angebracht.

Merkmale

Datierung:

1595

Typ:

Epitaph

Material:

Sandstein

Erhaltung:

erhalten

Größe:

110 x 291 cm (B x H)

Größe der Buchstaben:

2, Versalien 3 cm

Beschreibung

Beschreibung:

Im Aufsatz sind zwei Vollwappen zu sehen, die von einer männlichen und einer weiblichen Herme gerahmt werden. Im Bogenfeld darüber ist die Geburt Christi mit der Verkündigung an die Hirten dargestellt. Zwei über dem Stall schwebende Engel halten ein Spruchband (A). Im Scheitel des Bogens befindet sich ein nicht identifizierbares Meisterzeichen, bestehend aus einem Schild mit drei kleinen Schilden, flankiert von den Buchstaben M und S, die außerhalb des Schildes stehen. Auf dem Gesims unter dem Aufsatz ist eine Jahreszahl eingeritzt. Die Marmorierung ist aufgemalt. In dem Feld darunter steht ein zweizeiliger Spruch (B). Dann folgt in einem Architekturrahmen die Schrifttafel mit den Grabgedichten (C) und (D). Auf den Pilastern sind jeweils acht reliefierte und bemalte Wappen aus Holz befestigt, von denen jedoch auf beiden Seiten das letzte fehlt. Die Konsole bildet ein Rollwerkmedaillon mit einem Frauenkopf.

Die drei Denkmäler zeigen sowohl in der äußeren Gestaltung als auch in sprachlicher Hinsicht Übereinstimmungen. Die Epitaphien für Hans IV. und für Hans Ulrich besitzen einen identischen Aufbau, doch lassen sich qualitative Unterschiede in der Ausführung feststellen. So sind bei dem Vollwappen der Landschaden Kopf und Barthaar des bekrönten Hauptes sowie die Harfe naturalistischer gearbeitet, und das Medaillon der Konsole zeigt eine aufwendigere Rollwerkrahmung. Die Meistersignatur aus einem Schild mit drei kleinen Schildchen und den Buchstaben CV am Epitaph für Hans IV. ist in ähnlicher Form auch am Epitaph des Hans Ulrich vorhanden, allerdings mit den Buchstaben MS. Vermutlich wurden beide Epitaphien von derselben Werkstatt ausgeführt, wobei das Epitaph für Hans IV. als Vorbild diente.

Auch die Texte der drei Epitaphien zeigen Parallelen. Alle drei sind in derselben Art als Gedichte mit Endreim verfaßt. Die Texte und die Konzeption der drei Epitaphien stammen offensichtlich von derselben Person. Es liegt deshalb nahe, den Auftraggeber und Verfasser in Hans Ulrich zu sehen, der seinem Großvater, seinem Vater und sich selbst ein Denkmal setzte. Die vereinzelt feststellbaren Abweichungen zwischen den Angaben der Inschriften und denen der „Aufzeichnungen" des Hans Ulrich könnten sich aus dem zeitlichen Abstand zwischen dem Entstehungszeitraum der Epitaphien, der zwischen 1571 und 1595 liegt, und der Abfassungszeit der „Aufzeichnungen" erklären, die 1604/06 entstanden.8)

8) Hans Ulrich Landschad, Aufzeichnungen (Irschlinger 209).

Geschlecht, Alter, Familienstand:

weibliche Person(en) · Ehepaar · männliche Person(en)

Stand:

Adlige

Enthaltene Wappen:

Landschaden von Steinach, Ratzeburg; Landschaden von Steinach, Erligheim, Nippenburg, Helmstatt, Helmstatt, Neipperg, Hornstein, Sturmfeder; Ratzeburg, Bühel, Twiste, Fronhofen, Wolfstrigel, Roth von Schreckenstein, Westfalen, Schwaigern

Dargestellte Personen:

Hans Ulrich Landschad und seine erste Frau Walburg von Ratzeburg.

Hans Ulrich war ein Sohn Hans' IV. Landschad und der Margarete von Erligheim. Er war mit Walburg von Ratzeburg, Margret von Venningen und Agnes Otilie Greck von Kochendorf verheiratet und starb im Jahr 1620.5) Das mit 1595 bezeichnete Epitaph wurde also zu seinen Lebzeiten angefertigt.

5) Vgl. Hans Ulrich Landschad, Aufzeichnungen (Irschlinger 249); Irschlinger, Landschaden Taf. 3.

Inschrift

Umschrift:

A G(LORIA) · I(N) · E(XCELSIS) · D(EO)1)

B 1595

In freudt Vndt Leydt Bedenck o Christ, Das Du Ein Mensch Vndt Sterblich Bist.

C Hans Vlrich Landtschad Nach seins Vaters Todt,

Dasz förder haus stainach Besesen Hat ·

Anno Sechtzig sechsz Er Zu Weibe Nahm,

Jungfrauw Walburg Von Ratzenburg Tugentsam

Mit Deren Er in Wehrender Ehe Erzichlt

Drey Söehn Zugleich Drey Töchter Milt 3)

Als Sie Im lahr Achtzig fünf Verstorben

Hat Er Zum Ändern Mahl Erworben

Frauw Margret von Venimgen Edler Art,

So Anno Achtzig Sieben Sein hausfrau wardt ·

Vnd Anno neuntzig Drey Ihr Ende Nahm

Da Er Zum Driten mahl Von Grecken Stam ·

Jungfrauw Agnes Otilien Ihm Auser welt ·

Vnd Anno Neutzig finff Zu Ihr Vermält ·

Seiner Eltern Religion Durch Gotes Gnadt

Hat gefördert Bekent Bis In Sein Todt ·

Starb Den <...............> Sag Ich führwahr,

Im Tausent <.....................> lahr

Ligt hiebey Seim Ersten Weib Begraben Got wöl Sie Mit Ewiger freud Erlaben · Amen

D Walburg von Ratzenburg Geborn,

hans Virich landtschadten Auserkorn

Denn 23 December Ihr hochzeit Wahr

Im Tauszent finffhundert Sechs vnd Sechtzigsten lahr ·

Ganz Gottsehlig christlich Tugentsam

Sie Lebt, Sechs Kinnder Vberkahm ·

Zwenn Sohnn noch Lebtten Als Sie Schiedt Ab ·

Mitt Christlicher gedult Ihrnn Geist Aufgab ·

Denn Letzstenn NoVembris Im 85 lahr

Gott Ihr Vnndt Vnser Sehll Bewahr ·

Amen ·

Kommentar:

Deutsche Reimverse.

Schrift:

Fraktur (B-D), Kapitalis (A)

Nachweise

Literatur:

  • Wickenburg II 258
  • Inschriften Neckarsteinach 49 f.
  • Möller/Krauß, Neckarsteinach 100.

Sachbegriffe:

Wappen · Ehepaare · Männer · Frauen · Adlige

Wappen:

Landschad von Steinach · Steinach, Landschad von · Ratzeburg · Erligheim · Nippenburg · Helmstatt · Neipperg · Hornstein · Sturmfeder · Ratzeburg · Bühel · Twiste · Fronhofen · Wolfstrigel · Roth von Schreckenstein · Schreckenstein, Roth von · Westfalen · Schwaigern

Bearbeitung:

Die Inschriften des Landkreises Bergstraße, gesammelt und bearbeitet von Sebastian Scholz (Die Deutschen Inschriften 38), 1994, S. 137 f., Nr. 192.

Zitierweise
„Hans Ulrich Landschad und Walburg von Ratzeburg 1595, Neckarsteinach“, in: Grabdenkmäler <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/508> (Stand: 23.3.2006)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde