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Grabdenkmäler

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Agnes von Scharfenstein 1381, Eberbach

Eberbach · Gem. Eltville am Rhein · Rheingau-Taunus-Kreis | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Eberbach

Angaben zum Standort:

Ursprünglich in der Kirche vor dem Bartholomäus- und Andreasaltar neben der verlorenen Platte ihres Gatten Nikolaus, heute im Kreuzgang an der Nordwand.

Heutiger Aufbewahrungsort:

Kloster Eberbach, Klosterkirche

Merkmale

Datierung:

3. September 1381

Typ:

Grabplatte

Material:

roter Sandstein

Erhaltung:

erhalten

Größe:

125.5 x 241 cm (B x H)

Größe der Buchstaben:

8 cm

Beschreibung

Beschreibung:

Grabplatte mit flachreliefierter Ganzfigur der Verstorbenen in zeittypischer Tracht mit langem Kleid, Knopf ärmeln, bodenlangem Nuschenmantel mit in Ellbogenhöhe untergeschlagenen Enden und Schleier, zu Füßen der Figur ein emporblickender, kleiner Hund. Architekturrahmung aus Fialentürmchen, oben ein krabbenverzierter Kielbogen mit Kreuzblumenbekrönung, in den oberen Zwickeln je ein erhabener Wappenschild. Auf dem Rand durch die Zerstörungen beeinträchtigte Grabinschrift zwischen Linien. Platte mittig quer gebrochen mit Beschädigungen der Randzone und Verlust der linken unteren Ecke.

Geschlecht, Alter, Familienstand:

weibliche Person(en)

Stand:

Adlige

Enthaltene Wappen:

(Schwarze von) Scharfenstein; Silberberg? (2:1 Leopardenköpfe über Sparren).

Dargestellte Personen:

Agnes von Scharfenstein.

Der Vater der Verstorbenen, Rudolf zum Silberberg,1) war als Kämmerer und Ratsherr der Stadt Mainz ein angesehener Mann. Er verheiratete seine Tochter2) mit dem in Kiedrich ansässigen, nach Bodmann aus der Linie der Schwarzen von Scharfenstein stammenden Ritter Nikolaus von Scharfenstein, der mehrfach als Wohltäter Eberbachs ausgewiesen ist. Das Ehepaar stiftete 1349 die an die Kirche im Süden angebaute Kapelle mit dem Altar, vor dem es beigesetzt wurde.3) Nikolaus verstarb bereits 1357.4) Seine Witwe förderte bis zu ihrem Tode Klöster und Stifte.5) Dem Eintrag im Eberbacher Seelbuch zum 4. Dezember zufolge war der Konvent zur regelmäßigen Gedenkfeier für das Andenken der Verstorbenen verpflichtet.6)

1) Helwich in seinen Marginalien: Rudolf zum Dillenburg. Dieser ist urkundlich u.a. in Zusammenhang mit dem Mainzer Domsänger Eberhard von Oberstein belegt, vgl. Registereinträge zu Urk.StMz.

2) Humbracht, Taf. 216 nennt sie mit dem Zunamen Salmännin.

3) Überliefert von Bodmann l, 356, hiernach NUB I 3 Nr. 2573.

4) Vgl. DI 43 Nr. 87; Zaun schrieb dem Ehepaar wohl irrig nur einen Sohn zu, nämlich den im Testament des gleichfalls in Eberbach beigesetzten Ritters Hanzelin von Geroldstein genannten Nikolaus von Scharfenstein, der als Eberbacher Konventual den Rang eines Priors bekleidete, vgl. Zaun, Kiedrich 78. Humbracht Taf. 216 ermittelte dagegen drei Söhne, Bruno, den späteren Propst zu Höchst, Wilhelm d.Ä. und Wilhelm d.J., sowie eine Tochter namens Katharina oo Dieter Kämmerer von Worms. Diese Zuschreibung dürfte aufgrund der urkundlichen Belege (vgl. Anm. 5) wahrscheinlicher sein.

5) So bestätigte u.a. Abt Hermann von St. Alban zu Mainz 1365 die Schenkung von drei Morgen Weinberg zu Budenheim, die Agnes gemeinsam mit ihrem Schwiegersohn, Ritter Dieter Kämmerer von Worms, dem Kaplan der dem Albansstift zugehörigen Budenheimer Marienkapelle machte, vgl. Hess. Urk. V Nr. 453 zu 1365 September 29.

6) Roth, Geschichtsquellen III 57.

Sonstiges:

Die Grabplatte ist besonders bemerkenswert durch die hier erstmalig auftauchende Verwendung der deutschen Sprache auf einem erhaltenen Rheingauer Denkmal und zwar in der Form des lateinisch-deutschen Sprachwechsels: Nach lateinischem Datum und Sterbeformel folgen die deutsch abgefaßten, ausführlicheren Informationen zu Herkunft und Familienstand der Verstorbenen.

Inschrift

Umschrift:

+ ANNO · D(OMI)NI · M° CCC° · LXXXI · / O(BIIT) · NESE · KEM(M)ERER · RVDOLFES · DOCHTIR · CLAS · VO(N) · SC/HARPENSTEIN · RITHTER[S] / · [V]F DE(N) · DINSDAG · VOR · VNSER · F[R]AVWE(N) DAG · NATIVITAS

Schrift:

Gotische Majuskel

Nachweise

Literatur:

  • Helwich, Syntagma 160
  • Anonymus ed. Roth, Geschichtsquellen III 82
  • Bär, Epitaphiensammlung fol. 2
  • Würdtwein, Epitaphienbuch 238
  • Bodmann l, 356
  • Roth, Geschichtsquellen III259
  • Beitr. Gesch. Erzstift 28
  • Monsees, Grabdenkmäler 119 m. Abb. 4
  • Dies., Totengedächtnis- und Bauinschriften 32.

Sachbegriffe:

Wappen · Frauen · Adlige

Wappen:

Schwarze von Scharfenstein · Scharfenstein, Schwarze von · Silberberg

Bearbeitung:

Die Inschriften des Rheingau-Taunus-Kreises. Gesammelt und bearbeitet von Yvonne Monsees (Die Deutschen Inschriften 43), 1997, S. 111 f., Nr. 119.

Zitierweise
„Agnes von Scharfenstein 1381, Eberbach“, in: Grabdenkmäler <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1853> (Stand: 4.10.2006)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde