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Grabdenkmäler

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Philipp von Bicken der Alte 1485 (?), Wetzlar

Wetzlar · Gem. Wetzlar · Lahn-Dill-Kreis | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Wetzlar

Gebäude:

Wetzlar, Dom.

Heutiger Aufbewahrungsort:

Wetzlar, Dom.

Im Inneren, an der Südostwand des südöstlichen Querschiffes.

Früher war der Stein zunächst im Keller unter der katholischen Sakristei liegend und seit 1906 im sog. Archivraum des Heidenturms eingemauert (so Gloël).

Merkmale

Datierung:

1485, 16. Februar (?)

Typ:

Epitaph

Material:

roter Sandstein

Erhaltung:

teilweise erhalten

Größe:

100 x 170 cm (B x H)

Beschreibung

Beschreibung:

Der Verstorbene trägt einen Harnisch mit langen, spitzen Waffenschuhen. Er steht auf zwei Löwen, welche auf einem verbreiterten Sockel lagern und ihre Köpfe mit betonten Mähnen zu den Rändern des Steines hin gewendet haben. Über ihren Köpfen beginnt die Umrahmung des Figurenfeldes, nach außen folgt Inschrift (A). Sie läuft, links unten beginnend, auf dem abgeschrägten Rand an drei Seiten (links, oben und rechts) um. Die Zeile auf dem oberen Rand wurde merkwürdigerweise nochmals in den darüberliegenden, besonderen Stein eingehauen. Von den vier Wappen beiderseits des Kopfes und der Knie haben sich lediglich die Namensbeischriften (B) erhalten.

Oberkörper und Kopf des Verstorbenen sind nach rechts gewendet. Diese Haltung kann davon bestimmt gewesen sein, den Blick zu einem Altar zu vergegenwärtigen. Der linke Arm ist im Ellenbogen angewinkelt, die Hand mit Handschuh aus Plattenzeug der Hüfte aufgelegt. Die abgeschlagene rechte Hand hatte ebenfalls diesen Schutz, der im Ansatz noch zu erkennen ist. Sie war nach unten geführt und hielt sicherlich ein Schwert. Eine nahezu waagrecht verlaufende Zerstörung mit späterer Ausfüllung betrifft durchgehend den Schulter- und Oberkörperbereich. Abgeschlagen ebenfalls die linke Kopfhälfte. Gleichwohl ist der Helm, die spätgotische Schaller, zu erkennen und der im vorderen Teil zerstörte Kinnschutz, auch „Bart“ genannt (Anm. 1).

Die Entstehungszeit um/nach 1485 (siehe die Angaben zur Person) kann im Vergleich mit anderen Steinen dieses Zeitraumes unter Berücksichtigung von Rüstungsdetails bestätigt werden. Heranzuziehen sind u. a.: die Epitaphien für Johann von Kronberg und Katharina von Reifenberg in Kronberg, für Landgraf Heinrich III. in der Elisabethkirche Marburg, und für Philipp und Georg Schenk von Erbach in Michelstadt. Diese gut erhaltenen Denkmäler können zudem eine Vorstellung des ursprünglichen Zustandes des Wetzlarer Steines übermitteln.

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Anm. 1: Vgl. Freiherr von Reitzenstein, A.: Rittertum und Ritterschaft, 1972, Abb. S. 103, Text S. 143, Nr. 81; ebenda Abb. S. 98 mit gutem Beispiel für die langen, spitzen Waffenschuhe.

Darstellung:

figürlich

Geschlecht, Alter, Familienstand:

männliche Person(en)

Stand:

Adlige

Enthaltene Wappen:

Von den vier Wappen beiderseits des Kopfes und der Knie haben sich lediglich die Namensbeischriften erhalten (siehe Inschrift B): links oben von Bicken, rechts oben von Schönborn, links unten vom Hain und rechts unten von Haiger.

Dargestellte Personen:

Aus den Resten der Inschrift läßt sich heute nur noch entnehmen, dass das Denkmal einem Mann aus der Familie von Bicken, einem her czv hene (= Herr zu Hainchen, Burg bei Netphen), gesetzt wurde, dessen Vorname wahrscheinlich mit einem s endete und der am Mittwoch nach Valentini - also im Februar - eines unbekannten Jahres verstarb. Gloël las seinerzeit (1925) noch den Anfang des Todesjahres als m cccc und nahm an, dies sei die vollständige Jahreszahl gewesen. Das Epitaph ist jedoch zweifellos einige Jahrzehnte später als 1400 anzusetzen. Den vier Ahnenwappen zufolge, von denen sich lediglich die Namensbeischriften erhalten haben, müßte der Verstorbene aus der Ehe eines von Bicken mit einer von Schönborn hervorgegangen sein. Die Mutter des Vaters müßte zudem eine vom Hain (Hene), die Mutter der Mutter eine von Haiger gewesen sein.

Fast alle diese Angaben sprechen dafür, dass es sich hier um das Epitaph des Philipp (Philips) von Bicken des Alten, Herr zu Hainchen/zum Hain, handelt. Dieser wurde Ende des 14. Jahrhunderts als Sohn des Ritters Konrad (Kurt) von Bicken und seiner Frau Bertha von Schönborn geboren, heiratete laut Ehevertrag vom 20. April 1417 Lise von Gudenberg, die Tochter Wolfs von Gudenberg, und soll zu Anfang des Jahres 1485 verstorben sein (Lück, S. 291ff. und Tafeln I und II; Ehevertrag im LHA Koblenz, Abt. 54.032, Nr. 902). Möglicher Todestag wäre in Kombination mit den Inschriftresten also der 16. Februar 1485 (Mittwoch nach Valentini 1485). Beziehungen zum Marienstift Wetzlar dieses Philipp von Bicken lassen sich ebenfalls aufzeigen, da im Nekrologium des Stifts zum 4. Mai ein Jahrgedächtnis für den Edelknecht Philipp (Phylippus) von Bicken, seine Frau Lise (Lysa) von Gudenberg und für seine Eltern, Ritter Konrad von Bicken und dessen Frau Bertha, verzeichnet ist (Luckhard, S. 113). Außerdem hat sich auch das Epitaph für Philipps Sohn Philipp von Bicken d. J. in Wetzlar erhalten.

Inschrift

Umschrift:

A:

• im • iar nach krist • gebvrt • [m cccc ........] off • /

mitwochen • nach • vale(n)tini • ist • v(er)scheid(en) • /

[.................]s • von • bicken • her • czv • hene • de(m) • got • gn(a)de •

B:

(links oben:) • bicken •

(rechts oben:) • schonbor(n) •

(links unten:) • hene •

(rechts unten:) heyger

Kommentar:

Ergänzung in eckigen Klammern bei Inschrift A nach Gloël.

Schrift:

Gotische Minuskel

Nachweise

Literatur:

  • Gloël, Heinrich: Die alten Wetzlarer Grabsteine und Epitaphien, in: Mitteilungen des Wetzlarer Geschichtsvereins 9 (1925), S. 3-80, hier S. 5
  • Lück, Alfred: Zur Geschichte der Burg Hainchen und ihrer Bewohner, in: Hermann Böttger, Wilhelm Weyer und Alfred Lück: Geschichte des Netpherlandes, Netphen 1967, S. 279 ff.
  • Luckhard, Fritz: Das Wetzlarer Necrologium von 1389, Wetzlar 1925

Personen:

Bicken, Konrad von · Bicken, Bertha von, geb. von Schönborn · Schönborn, Bertha von, verheiratete von Bicken · Gudenberg, Lise von, verheiratete von Bicken · Bicken, Lise von, geb. von Gudenberg · Gudenberg, Wolf von · Bicken, Philipp der Jüngere von

Orte:

Hainchen (Burg) · Netphen

Sachbegriffe:

Ritter · Löwen · Waffenschuhe · Schuhe · Wappen · Harnische · Handschuhe · Helme · Schaller · Kinnschutz (genannt Bart) · Männer · Adlige

Wappen:

Bicken · Schönborn · Haiger · Hain

Bearbeitung:

Christa Benedum, Gießen, und Andreas Schmidt, HLGL

Zitierweise
„Philipp von Bicken der Alte 1485 (?), Wetzlar“, in: Grabdenkmäler <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1409> (Stand: 8.9.2008)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde