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Ausflug von drei Jungvögeln aus erfolgreicher Brut wildlebender Halsbandsittiche im Schloßpark Wiesbaden-Biebrich, 14. Mai 1975

Im Schlosspark Biebrich, einer am Schloss Biebrich in Wiesbaden gelegenen Parkanlage von etwa 1,2 Kilometern Länge und 300 Metern Breite wird der Ausflug von drei Jungvögeln des in Deutschland ursprünglich nicht heimischen Halsbandsittichs (Psittacula krameri) beobachtet. Der Ende März von einem Autor der Jahrbücher des Nassauischen Vereins für Naturkunde entdeckte Nistplatz der Elternvögel befindet sich in einer alten Grünspechthöhle in einer Platane in ca. zwölf Metern Höhe. Bei den Bruteltern handelt es sich um nicht beringte Tiere. Folglich kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei den beiden (vermutlichen) Erstbesiedlern des Schlossparks um in Freiheit geborene Exemplare handelt, da sämtliche in Gefangenschaft gehaltenen und zum Verkauf angebotenen Papageien gemäß der seit 1970 geltenden Verordnung zum Schutz gegen die Psittakose und Ornithose mit Beringung versehen sein müssen.
Berichte über Halsbandsittiche im Biebricher Schlossgarten liegen bereits aus dem Jahr 1974 vor, allerdings ist keine Meldung zu einem Brutvorgang veröffentlicht. Die Population der Sittiche stabilisiert sich bis Ende der 1980er Jahre auf etwa 30 Brutpaare.
Im Schlosspark Biebrich siedeln sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten mehrere Arten von Papageien (vor allem Alexandersittiche) an,1 unter denen der Halsbandsittich sich so stark vermehrt (2008 leben in Wiesbaden und Umgebung etwa 1.300 Exemplare), dass er als heimisch angesehen wird. Damit ist der Halsbandsittich heute (2012) eine von 15 Vogelarten, die in Deutschland als sicher etablierte Neozoen (= Tiere, die aus ihren ursprünglichen Vorkommensgebieten direkt oder indirekt durch den Menschen in eine andere Region gelangt sind) vorkommen.
(KU)


  1. Während der 1980er Jahre werden im Wiesbadener Stadtgebiet außer dem Halsbandsittich weitere Papageienarten festgestellt, von denen drei Arten bis Ende des Jahrzehnts dort auch als Brutvogel bestätigt werden: (1) Gelbscheitelamazone (auch: Surinam-Amazone, - Amazona ochrocephala ochrocephala), Ursprungsheimat: Brasilien, Peru, Guayana-Staaten, Trinidad, Venezuela, Kolumbien, vgl. Wikipedia: Gelbscheitelamazone (Stand: 11.7.2012). Ab 1986 auch freilebendes Brutvorkommen in Stuttgart; (2) Blaumaskenamazone (Amazona versicolor), Ursprungsheimat: St. Lucia (Kleine Antillen), 1975 nur noch etwa 125 bis 175 Tiere in den Bergen der Insel, vgl. Wikipedia: Blaumaskenamazone (Stand: 11.7.2012); (3) (Großer) Alexandersittich (Psittacula eupatria), Ursprungsheimat: von Afghanistan und Pakistan über Indien, Birma und Thailand bis Laos, Kambodscha und Vietnam. Außerdem Sri Lanka und die Andamanen. Kleinere Bestände als Neubürger in Deutschland auch in Mainz und Köln, vgl. Wikipedia: Alexandersittich (Stand: 11.7.2012); (4) Guayaquilsittich (Aratinga erythrogenys), Ursprungsheimat: Südwest Ecuador und Nordwest Peru, vgl. Papageien vor der Haustür: Halsbandsittiche in Wiesbaden [Fassung 5.1 (Herbst 2001)]: 7. Weitere Arten in Wiesbaden: Guayaquilsittich (Aratinga erythrogenys) (Stand: 11.7.2012); (5) Mohrenkopfpapagei (Poicephalus senegalus), Ursprungsheimat: Senegal, Gambia, Guinea-Bissau und Guinea, Elfenbeinküste und Ghana ostwärts bis West-Nigeria, Ost- und Nordost-Nigeria, Nord- Kamerun und Südwest-Tschad, vgl. Wikipedia: Mohrenkopfpapagei (Stand: 11.7.2012); (6) Graupapagei (Psittacus erithacus), Ursprungsheimat: Zentral- und Westafrika, vgl. Wikipedia: Graupapagei (Stand: 11.7.2012). Außerdem regelmäßig (7) Wellensittiche (Melopsittacus undulatus) und einzelne (entflogene) Exemplare des (8) Nymphensittichs (Nymphicus hollandicus). Östlich von Wiesbaden findet sich 1990 im Park von Bad Weilbach auch eine Brutkolonie des Mönchssittichs (Myiopsitta monachus, Wikipedia: Mönchssittich, Stand: 11.7.2012) mit etwa 10 bis 15 Paaren. Vgl. Zingel, Dieter: Zum Vorkommen des Halsbandsittichs (Psittacula krameri) im Schloßpark von Wiesbaden-Biebrich, in: Jahrbücher des Nassauischen Vereins für Naturkunde, Bd. 112 (1990), Wiesbaden 1990, S. 7-23, hier: S. 19-23.
Belege
Empfohlene Zitierweise
„Ausflug von drei Jungvögeln aus erfolgreicher Brut wildlebender Halsbandsittiche im Schloßpark Wiesbaden-Biebrich, 14. Mai 1975“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/4589> (Stand: 25.7.2018)
Ereignisse im April 1975 | Mai 1975 | Juni 1975
Do.Fr.Sa.So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.
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