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Kaiser Wilhelm und seine Gemahlin auf dem Balkon des Homburger Schlosses, 10. Februar 1918

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Ansprache Kaiser Wilhelms II. zu Bad Homburg, 10. Februar 1918

Ansprache Kaiser Wilhelms II. im Bad Homburger Schloss zum Sonderfrieden mit der Ukraine, 10. Februar 1918

Etwa 4.000 Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bad Homburg vor der Höhe versammeln sich im oberen Schlosshof, um eine Ansprache von Kaiser Wilhelm II. zu verfolgen, der sich von einem Balkon an die Anwesenden wendet. Er verkündet den am Vortag mit der Ukraine (der Ukrainischen Volksrepublik, Ukrajinska Narodna Respublika, kurz UNR) abgeschlossenen Separatfrieden und erklärt seine Verbundenheit mit der Stadt Bad Homburg. Es ist der letzte öffentliche Auftritt des deutschen Kaisers. Zuvor hatte bereits der Pfarrer der Homburger Erlöserkirche im Rahmen des heutigen Sonntagsgottesdienstes von der Kanzel herab und in Gegenwart des Kaiserpaares die Unterzeichnung des Sonderfriedens bekannt gemacht. Der Friedensschluss mit der Ukraine nährt allgemein die Hoffnung auf ein schnelles Kriegsende.

Hohe Erwartungen an den „Brotfrieden“

Der Friedensschluss mit der Ukraine erfolgt aus Sicht der deutschen Interessen vor allem mit Blick auf die dort zur Verfügung stehenden oder erwarteten Überschüsse an Brotgetreide, die dringend für die Versorgung der deutschen und österreichischen Bevölkerung und die Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft benötigt werden. Bereits am 6. Februar einigten sich die Verbündeten, wie im Falle eines Friedensschlusses das erhaltene Getreides verteilt werden sollte. Vielfach werden jedoch Bedenken geäußert, dass die Erwartungen an die in der Ukraine vorhandenen Getreidevorräte, die als Ertrag des „Brotfriedens“ mit dem Land angesehen wurden, hoffnungslos übertrieben seien. Zudem fürchtet man, dass das im Inneren durch einen Bürgerkrieg erschütterte Land von den Bolschewiki überrannt und große Teile des Getreides durch die Rote Armee fortgeschafft werden könnten. Die Ukraine erblickt in dem Friedensschluss mit den Mittelmächten und den damit verknüpften wirtschaftlichen Interessen eine Option, den Fortbestand der Unabhängigkeit des Landes vom ehemaligen Russischen Reich zu sichern.

Zur Besprechung der kriegsstrategischen Lage trifft der Kaiser im Bad Homburger „Großen Hauptquartier“ am 13. Februar mit Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg (1847–1934) und und Stabschef Erich Ludendorff (1865–1937), den Köpfen der Obersten Heeresleitung (OHL), sowie Reichskanzler Georg von Hertling (1843–1919; Zentrumspartei) zusammen. Gemeinsam wird unter anderem über die Bedeutung des abgeschlossenen Sonderfriedens mit der Ukraine beraten. Am 18. Februar marschieren zunächst deutsche, am 28 Februar schließlich auch österreich-ungarische Truppen am 28. Februar in die Ukraine ein und erobern bis Ende April das gesamte Territorium des nach nationaler Unabhängigkeit strebenden Landes. Anfang Mai besetzt das Militär der Mittelmächte auch die Krim und Gebiete östlich von Rostow am Don. Der Aufenthalt des Kaisers in Bad Homburg dauert bis zum 11. März 1918.
(KU)

Belege
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Ansprache Kaiser Wilhelms II. im Bad Homburger Schloss zum Sonderfrieden mit der Ukraine, 10. Februar 1918“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/3882> (Stand: 30.4.2020)
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