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Einweihung des Neubaus der Deutschen Bibliothek in Frankfurt, 24. April 1959

In Anwesenheit des Bundespräsidenten Theodor Heuss (1884–1963; FDP) und des hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn (1901–1976; SPD) wird der Neubau der Deutschen Bibliothek in der Zeppelinallee in Frankfurt am Main eingeweiht. Die Deutsche Bibliothek ist die zentrale Sammeleinrichtung für deutsches Schriftgut und Herausgeberin der Nationalbibliografie. Untergebracht war sie bisher im Rothschildpalais am Untermainkai und den dortigen Nachbargebäude. Gegründet wurde sie auf Initiative des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und mit Zustimmung der amerikanischen Militärregierung 1946.

Beim Umzug wechselten 480.000 Bücher in den Neubau. Das Haus wurde nach Plänen der Architekten Alois Giefer (1908–1982) und Hermann Mäckler (1910–1985) errichtet; neuer Direktor der Bibliothek wird der deutsche Bibliothekar und Historiker Kurt Köster (1912–1986).

Nüchterne Atmosphäre bei der Eröffnung

Unter den Zuhörern, die sich zu der kurzen und in nüchterner Atmosphäre abgehaltenen offiziellen Bestimmungsübergabe im Lesesaal des Hauses eingefunden haben, befinden sich neben namhaften Verlegern und Vertreter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels auch Abgeordnete des Hessischen Landtags und des Deutschen 'Bundestags sowie Politiker der Stadt Frankfurt und Vertreter des geistigen Lebens. Unter den Anwesenden befindet sich auch der scheidende erste Direktor der Deutschen Bibliothek, Hanns Wilhelm Eppelsheimer (1890–1972). Im Rahmen der Feier wird eine Büste von Eppelsheimer enthüllt, die im Lesesaal der Bibliothek aufgestellt ist. Der 69-Jährige leitet ab 1929 die Landesbibliothek in der ehemaligen Landeshauptstadt Darmstadt, wurde aber nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten mit Wirkung zum 30. September 1933 aus seinem Amt gedrängt und in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Eppelsheimer betont in seiner Ansprache mit Blick auf die jüngere Vergangenheit die strikte Unparteilichkeit, die die Sammeltätigkeit der Deutschen Bibliothek haben müsse.

Bundespräsident Heuss - ein Buchfreund

Bundespräsident Heuss lobt in seiner Rede das mit den Neubau Erreichte, bedauerte aber auch, dass es überhaupt dazu kommen musste. dessen Notwendigkeit. Den Hinweis seines Vorredners Prof. Paul Egon Hübinger (1911–1987; Ministerialdirektor für kulturelle Angelegenheiten im Bundesministerium des Innern und Honorarprofessor in Bonn) aufgreifend, er sei ein großer Buchfreund, erklärt Heuss, dass er in früheren Jahren ein »Großkonsument« öffentlicher Bibliotheken gewesen sei, und sich in den Lesesäle glücklich gefühlt habe. Die dort arbeitenden Bibliothekare müssten von Gewissenhaftigkeit beseelt sein. Allerdings vermisse er bei deutschen Büchern oft präzise bibliografische Angaben; Inhaltsverzeichnisse und Register ließen vielfach zu wünschen übrig.
(KU)

Belege
  • Chronik Hessens, S. 440.
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.4.1959, S. 1: Die Deutsche Bibliothek im neuen Haus: Eröffnungsfeier mit dem Bundespräsidenten in Frankfurt.
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.4.1959, S. 17: Einzug in den Turm der Bücher - Keine großen Worte bei der Feierstunde für die Deutsche Bibliothek / Dank für Professor Eppelsheimer / von Hans Schwab-Felisch.
Weiterführende Informationen
Hebis-Klassifikation
865140 ,Wissenschaftliche Bibliothek
Hebis-Schlagwort
Frankfurt ; Die Deutsche Bibliothek ; Deutsche Bibliothek Frankfurt am Main
Empfohlene Zitierweise
„Einweihung des Neubaus der Deutschen Bibliothek in Frankfurt, 24. April 1959“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/187> (Stand: 8.10.2018)
Ereignisse im März 1959 | April 1959 | Mai 1959
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