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Absage der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt, 20. Januar 1971

Der Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA), Dr. Johann Heinrich von Brunn (1908–1983), sagt überraschend die für den Spätsommer angekündigte 45. Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main ab. Als wichtigsten Grund für diese Entscheidung nennt von Brunn den enormen Anstieg der mit der Ausstellung verbundenen Kosten, die der ungünstigen Ertragslage der Automobilhersteller und einem vermehrten Zwang zum Sparen gegenüber stehen würden.

Im einzelnen weist der Sprecher des VDA, Wolfgang Weger, darauf hin, daß die deutsche Automobilindustrie sehr wichtige Probleme zu lösen habe, die die IAA in den Hintergrund treten ließen. Nach den USA werde man zum Beispiel von 1975 an nur nahezu völlig abgasfreie Autos exportieren können. Ein weiteres zu lösendes Problem ist das Sicherheitsauto. Damit müsse sich die Automobilindustrie unbedingt beschäftigen. Während der elftägigen lAA falle beispielsweise das gesamte Management, die Konstrukteure und Ingenieure der Automobilindustrie aus. Das könne man sich jetzt nicht erlauben. Die Kosten, die diesen Ausfall betreffen, seien in die rund hundert Millionen Mark, die eine lAA kostet, nicht einbezogen. Die gesamte Ingenieur-Kapazität müsse in diesem Jahr völlig ausgenutzt werden (zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.1.1971, S. 19).

Als Ersatz für die abgesagte Personenkraftfahrzeugmesse findet 1971 erstmals in Frankfurt die Fachbesuchermesse Automechanika statt, die vom Verband des Kraftfahrzeughandwerks ausgerichtet wird und überwiegend Autoteile, Zubehör und Werkstatt- und Tankstellenausrüstung präsentiert. Die Automechanika geht auf eine Initiative des Chefredakteurs der in Würzburg erscheinenden Branchenfachzeitschrift »kfz-betrieb«, Joachim Lattke, zurück. Als offizieller ideeller Träger der Veranstaltung fungiert der Zentralverband des Kraftfahrzeughandwerks (ZVK), die Dachorganisation der Landesinnungen des Kraftfahrzeuggewerbes.
Ein ersatzloser Totalausfall hätte allein für die Frankfurter Messegesellschaft einen Verlust von schätzungsweise 1,5 bis 2 Millionen DM bedeutet (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.1.1971, S. 19).

Die abgesagte Internationale Automobil-Ausstellung von 1971 wird in der offiziellen Zählung des VDA nicht berücksichtigt; vielmehr erhält die nächstfolgende IAA, die in Frankfurt vom 13. bis 23. September 1973 veranstaltet wird, die Nummer "45".

(KU)

Belege
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.1.1971, S. 19: Die IAA in Frankfurt ernstlich bedroht.
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.1.1971, S. 23: Die 45. IAA überraschend abgesagt: Messedirektor Wittrock: "Entscheidung völlig unverständlich" / Schock für die Hotellerie.
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Absage der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt, 20. Januar 1971“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/1290> (Stand: 8.10.2018)
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