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Frankfurt verzichtet wegen Finanznot auf Bundesgartenschau 1969, 30. September 1965

Wegen der Finanznot der Stadt verzichtet der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main auf die Ausrichtung der für 1969 geplanten Bundesgartenschau (BUGA). Im Anschluss an eine Sondersitzung des Magistrats, in der die Vorschläge für den Haushaltsplan 1966 verabschiedet werden, gibt der amtierende Oberbürgermeister Willi Brundert (1912–1970; SPD) diese Entscheidung als einen von drei schwerwiegenden Beschlüssen bekannt, die die Stadt Frankfurt am Main angesichts ihrer dramatischen finanziellen Situation treffen muss. Der Magistrat untermauert damit seine finanzpolitische Linie äußerster Sparsamkeit, nachdem bereits im Vorjahr mit der Festlegung einer Verschuldungsgrenze und deutlichen Preiserhöhungen bei den Eintrittsentgelten für Theater, Zoo und Palmengarten sowie bei den Gebühren für Trinkwasser Schritte zur Konsolidierung der Haushaltslage eingeleitet worden waren.

Brundert erklärt, dass die Stadt Frankfurt am Main von ihrem Vertrag mit dem Zentralverband des Deutschen Gartenbaus zurücktreten und die bereits laufenden Vorbereitungen zur Bundesgartenschau auf den Niddawiesen sofort stoppen wird. Nach Auffassung des Magistrats seien die derzeit absehbaren Kosten (Investitionen) in Höhe von zuletzt mit 72 Millionen DM angesichts der äußerst angespannten Finanzlage zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr tragbar. Die Entscheidung steht aufgrund der noch fehlenden Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung unter einem gewissen Vorbehalt, doch rechne Brundert nicht mit einer anderslautenden Meinung der Vertreter des Gemeindeparlaments.

Willi Brundert, von 1962 bis 1964 Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei in der von Ministerpräsident Georg August Zinn (1901–1976; SPD) geführten Landesregierung, bekleidet das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters seit 1. Juli 1964. Seine Amtszeit bleibt durch die Finanznot der Stadt geprägt. Brundert gelingt es jedoch in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, das Haushaltsdefizit der Stadt deutlich zu senken.

Die Bundesgartenschau 1969 findet schließlich zwischen dem 25. April und dem 12. Oktober 1969 im Dortmunder Westfalenpark statt. 20 Jahre später wird die Bundesgartenschau in Frankfurt am Main durchgeführt (21. April bis 15. Oktober 1989) – und endet mit einem finanziellen Verlust für die Stadt.
(KU)

Belege
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1.10.1965, S. 33: Drastische Beschlüsse gegen die Finanznot - Verzicht auf Bundesgartenschau / Fahrpreiserhöhungen und mehr Steuern / Der Etatentwurf des Magistrats.
  • Chronik Hessens
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Frankfurt verzichtet wegen Finanznot auf Bundesgartenschau 1969, 30. September 1965“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/1210> (Stand: 30.9.2017)
Ereignisse im August 1965 | September 1965 | Oktober 1965
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