Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Hessische Biografie

Raspe, Rudolf Erich [ID = 8832]

* 1736 Hannover, † 16.11.1794 Muckross bei Killarney (Irland), Begräbnisort: Killegy Friedhof, evangelisch
Schriftsteller, Editor, Übersetzer, Geologe, Bibliothekar, Kunstwissenschaftler, Geschichtswissenschaftler, Professor
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Wirken

Werdegang:

  • 1755-1756 Studium in Göttingen und 1756-1759 Leipzig (Recht, Examen 1760 in Göttingen)
  • 1761 Rückkehr nach Hannover, dritter Bibliotheksschreiber an der Königlichen Bibliothek in Hannover
  • Ab 1762 Bibliothekssekretär an der Königlichen Bibliothek in Hannover
  • 1763 verfasste er seine erste selbstständige Publikation „Specimen historiae naturalis“
  • Raspe entdeckte in der Königlichen Bibliothek Manuskripte von Leibniz und stieß 1765 durch die Veröffentlichung der „Oeuvres Philosophiques“ Edition eine neue Leibniz Rezeption an
  • General Johann Ludwig von Wallmoden beauftragte Raspe mit der Katalogisierung und Publizierung seiner antiken Plastik, die als erste Sammlung dieses Umfangs in Deutschland solcherart öffentlich bekannt wurde
  • Mit Raspes – von Herder gerühmten – Rezensionen und Erstübersetzungen der Ossian-Gedichte und von Percyschen Volksliedern aus dem Englischen vermittelte Raspe Impulse für die Literatur- und Bildwelt von Sturm und Drang und der Romantik
  • Er lernte Benjamin Franklin kennen, dessen Glasharmonika er in der „Neuen Bibliothek der schönen Wissenschaften“ schildert. Briefe
  • Raspe griff 1766 mit einem eigenen Versepos „Hermin und Gunilde“, das als erste Romanze im deutschen Sprachraum gilt, selbst einen volkstümlich-mittelalterlichen Stoff auf und stellte sein Gedicht mit dem Plädoyer für eine vorurteilsfreie Betrachtung der Geschichte und eine Gleichwertigkeit aller Kulturen zugleich in einen aufklärerisch-politischen Kontext
  • 1767 wurde Raspe als Kurator an das Museum Fridericianum in Kassel berufen. Er nahm auch Eintragungen im Besucherbuch vor und führte zahlreiche Besucher durch die Sammlung. Siehe Besucherbuch Autorin Andrea Linnebach
  • Professor der Altertümer im Collegium Carolinum in Kassel
  • Aufseher des fürstlichen Antiquitäten- und Münzkabinetts Landgraf Friedrich II. in Kassel
  • Sein museumsgeschichtlich bedeutender Vorschlag, Teile der Kunstkammer in ein nach historischen Kriterien geordnetes „gothisches Cabinett“ umzugestalten, gilt als erstes Konzept für ein kulturhistorisches Museum (Linnebach 2005)
  • Raspes Engagement für eine historisch-kritische Neubewertung der Gotik bzw. des Mittelalters insgesamt artikulierte sich auch in seiner Quellensammlung zur hessischen Geschichte sowie dem Erwerb kostbarer Handschriften für die fürstliche Bibliothek z.B. dem „Hardehäuser Evangeliar“ oder der „Vita Meinwerci“
  • Als Beitrag zur Kunstgeschichte ist auch seine 1769 erschienene Edition von F. Algarottis ästhetischen Schriften „Versuche über die Architectur, Mahlerey und musicalische Opera“ zu nennen.
  • Für kurze Zeit gibt Raspe 1772 die an englischen Vorbildern orientierte Wochenschrift „Der Casselsche Zuschauer“ heraus
  • Seine Thesen zum vulkanischen Ursprung der niederhessischen Gebirgszüge publizierte er 1774 in einem „Beytrag zur allerältesten und natürlichen Historie von Hesse“
  • 1775 floh Raspe nach England, nachdem die Veruntreuung von Münzen aus anvertrauten Sammlung bekannt wurde (Grund: Lebensstil, unregelmäßige Gehaltszahlung)
  • In England übersetzte Raspe mehrere naturwissenschaftliche Schriften ins Englische, die seinen Ruf als Geologe festigten, beispielsweise 1776 seine eigene Publikation von 1774 „An account of some German volcanos“
  • Als Begleiter von Baron Offenberg durch England, dessen Reisetagebuch er führte, entdeckte Raspe 1779 in der Universitätsbibliothek Cambridge mittelalterliche Traktate zur Maltechnik, welche belegen, dass die Ölmalerei schon vor den Brüdern van Eyck in Gebrauch war; für die Finanzierung einer kommentierten Edition dieser Quellentexte konnte er Horace Walpole gewinnen Walpole Briefe, so dass sie 1781 dem Titel „A Critical Essay on Oil-Painting“ erschien
  • Außerdem wirkte er 1781 als Kulturvermittler mit der der Erstübersetzung von Lessings „Nathan“ ins Englische
  • Von 1782 an war Raspe immer wieder als wissenschaftlicher Berater und Prospektor des Grossindustriellen Matthew Boulton in Cornwall tätig. Hier schrieb er 1786 im Rückgriff auf im „Vade Mecum für lustige Leute“ 1781/83 publizierte Anekdoten die erste Fassung von „Baron Munchausen’s narrative of his marvellous travels and campaigns in Russia“.
  • In rascher Folge erschienen bis 1789 unter variierenden Titeln fünf weitere, jeweils vermehrte Ausgaben. Die dritte Ausgabe liegt Bürgers um eigene Textpassagen erweiterter Rückübertragung ins Deutsche zugrunde, die überaus populär wurde.
  • 1792 erschien, ebenfalls anonym, der zweite Band „A Sequel to the Adventures of Baron Munchausen“.
  • Für den Modelleur James Tassie, der im Auftrag der russischen Zarin Katharina II. alle erreichbaren Gemmen aus europäischen Sammlungen reproduzierte, erarbeitete Raspe einen wissenschaftlichen Katalog dieser rund 16.000 Gemmenabdrücke, ergänzt um eine Einführung in die Geschichte der Glyptik, welche 1791 unter dem Titel „A Descriptive Catalogue“ veröffentlicht wurde; zudem wurde Raspe Teilhaber in Tassies Geschäft
  • An mehreren Projekten des Verlegers J. Nichols wirkte Raspe in diesen Jahren gleichfalls mit.
  • 1790/91 reist Raspe als Prospektor (Suche nach verwendbaren Erzlagerstätten) auf Einladung der Highland Society Nordschottland und ist als Prospektor der Minen in Muckross bei Killarney/Irland tätig, bevor er 1794 am Fleckfieber stirbt.
  • (Texte entnommen Andrea Linnebach, Bernhard Wiebel, Gabriele Dolff-Bonekämper, John Carswell)

Akademische Vita:

  • Professor der Altertümer im Collegium Carolinum in Kassel

Mitgliedschaften:

  • Während der Zeit in Hannover war Raspe Mitglied bei den Freimaurern, es bestand Kontakt zu Logenbrüdern in England.
  • 1769 Mitglied der Royal Society in London, bis die Veruntreuung der Münzsammlung bekannt wurde.

Werke:

Lebensorte:

  • Göttingen, Hannover, Leipzig, Kassel, London, Birmingham, Killarney/Irland
Familie

Vater:

Raspe, Christian Theophilus, 1700-1781, erster Buchhalter am Königlichen Berghandlungskontor in Hannover, Mineralien- und Fossiliensammler

Mutter:

Einem, Luise Catharina, * 1715

Partner:

  • Lange, Elisabeth genannt Babette, (⚭ 1782) * Berlin 9.4.1771, Scheidung 1782

Verwandte:

  • Völger, Catharina Maria Sophia <Schwester>, 1734-1802
  • Raspe, Dorothea Frederica <Schwester>
  • Raspe, Friederich <Sohn>
  • Raspe, Philippine Caroline <Tochter>
Nachweise

Literatur:

Bildquelle:

неизвестен (via Wikipedia: File:Rudolf Erich Raspe)

Zitierweise
„Raspe, Rudolf Erich“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/118787888> (Stand: 10.7.2013)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde