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Hessische Biografie

Portrait

Marie Landgräfin von Hessen-Kassel
(1723–1772)

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Hessen-Kassel, Marie Landgräfin von [ID = 6359]

* 5.3.1723 London, † 14.1.1772 Hanau, evangelisch
Regentin
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Andere Namen

Geburtsname:

Großbritannien, Marie Prinzessin von

Weitere Namen:

  • Hessen-Kassel, Maria Landgräfin von
  • Hanau, Maria Gräfin von
Wirken

Werdegang:

  • 1760 Regentin in Hanau
Familie

Vater:

Großbritannien, Georg II. König von, GND, 1682–1760

Mutter:

Karoline, Großbritannien, Königin, 1683-1737, GND, 1683-1737

Partner:

Verwandte:

  • Wales, Frederick Levis Prince of <Bruder>, 1707-1751
  • Oranien und Nassau, Anne Prinzessin von, geb. Prinzessin von Großbritannien <Schwester>, 1709-1759, verheiratet mit Wilhelm IV. Fürst von Nassau, Prinz von Oranien, Erbstatthalter der Vereinigten Niederlande
  • Großbritannien, Amelia <Schwester>, 1711-1786
  • Großbritannien, Caroline Elizabeth <Schwester>, 1713-1759
  • Cumberland, William Augustus Duke of <Bruder>, 1721-1765, Britischer Feldmarschall
  • Dänemark, Louisa Königin von, geb. Prinzessin von Großbritannien <Schwester>, 1724-1751, verheiratet mit Frederik I. König von Dänemark, † 1766
Nachweise

Literatur:

Bildquelle:

Landgräfin Maria, geb. Großbritannien, Ölbild von G. Desmarées, Hessische Hausstiftung, Schloss Fasanerie B 156 (beschnitten), in: Franz, Das Haus Hessen, Darmstadt 2012, S. 132

Leben

In seinen Erinnerungen schreibt Kurfürst Wilhelm I., das Jahr 1754 sei für seine Mutter Marie, seine Brüder und für ganz Hessen das unheilsvollste gewesen, da damals die 1749 erfolgte, heimliche Konversion des Vaters zum Katholizismus bekannt geworden sei. Als Konsequenz musste Friedrich II. mit der Assekurations-Akte nicht nur den konfessionellen Status quo in der Landgrafschaft anerkennen; er wurde darüber hinaus von Frau und Söhnen getrennt. Um eine Wiederheirat des Erbprinzen zu verhindern, wurde am 14. Februar 1755 statt einer formellen Scheidung jedoch nur eine Trennung von Tisch und Bett vollzogen. Damit Friedrich keinen Einfluss auf seine Söhne ausüben konnte, wurden sie im Dezember 1754 nach Göttingen, ab September 1756 wegen der Kriegsgefahr zu Maries Schwager, dem in erster Ehe mit ihrer verstorbenen Lieblingsschwester Louise (1724–1751) verheirateten König Friedrich V. von Dänemark, nach Kopenhagen gebracht. Darüber hinaus bestimmte Landgraf Wilhelm VIII. seine Schwiegertochter Marie testamentarisch zur Vormünderin der minderjährigen Prinzen und zur Regentin der 1736 an Hessen-Kassel gefallenen Grafschaft Hanau-Münzenberg, die sein Enkel Wilhelm erben sollte.

Als Landgraf Wilhelm VIII. Ende Januar 1760, mitten im Siebenjährigen Krieg, verstarb und Friedrich II. die Regierung in Kassel antrat, änderte sich auch die Lage der Söhne. Wie testamentarisch bestimmt, übernahm Marie die Regentschaft in Hanau. Wegen der Kriegswirren lebte sie jedoch vorerst hauptsächlich in Hamburg, Bremen, Rinteln und Celle. Obwohl Wilhelm VIII. sich für die Neutralität Hanau-Münzenbergs eingesetzt hatte, war wie die Landgrafschaft auch die kleine Grafschaft von französischen Truppen besetzt worden, so dass Marie erst zur Jahreswende 1762/63 in Hanau einziehen konnte. Landgraf Friedrich, der schon zu Lebzeiten des Vaters mehrfach versucht hatte, seine in der Assekurations-Akte gemachten Zugeständnisse zu revozieren, weigerte sich zunächst, Maries Rechte anzuerkennen; er akzeptierte weder das Testament des Vaters noch die Regentschaft seiner Frau, der er für den Verzicht eine jährliche Apanage und einen Wohnsitz in Hessen anbot. Als sie dies ablehnte, wandte er sich zunächst an den Reichstag, dann an den Reichshofrat, der jedoch nie zu einem Urteil fand. Der nunmehrige Erbprinz Wilhelm galt nach Hausgesetz und testamentarischer Vorgabe des Großvaters mit dem 18. Geburtstag am 3. Juni 1761 als volljährig. Marie hat die Regentschaft aber, zumal die Grafschaft weiterhin besetzt war, zunächst nicht niedergelegt. Erst nach Abschluss von Wilhelms Ausbildung mit einer Kavaliersreise in die Niederlande und der am 1. September 1764 gefeierten Hochzeit erfolgte im Oktober die formelle Übergabe der Regierungsgeschäfte. Marie blieb jedoch in Hanau; Sommersitz wurde das 1768 von Sohn Karl für sie erworbene von Edelsheim’sche Gut in Rumpenheim am Main, dessen Herrenhaus in den Folgejahren zum Schloss ausgebaut wurde. In der Leichenpredigt, die nach Maries Tod 1772 verlesen wurde, heißt es, die Landgräfin habe durch Wohltätigkeit, Gnade und ihr huldreiches Wesen die Herzen der Untertanen für sich gewonnen und die Grafschaft mit großem Ruhm, Klugheit, Milde und Gerechtigkeit regiert.

Pauline Puppel

(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 131 f.)

Zitierweise
„Hessen-Kassel, Marie Landgräfin von“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/101335740X> (Stand: 10.10.2020)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde