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Hessische Biografie

Portrait

Wilhelm Franz Heinrich Köhler
(1897–1962)

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Köhler, Wilhelm Franz Heinrich [ID = 1502]

* 17.5.1897 Offenbach am Main, † 17.1.1962 Rom, evangelisch
Dr. med.; Dr.-Ing.e.h. – Arzt, Unternehmer, Politiker
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Wirken

Werdegang:

  • 1914 Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg, schwer verwundet infolge eines Gasangriffs
  • 1923 Abschluss des Medizinstudiums
  • im Anschluss Lehre in er Maschinenbaufabrik Goebel
  • Vorsitzender der Gesellschafterversammlung und des Aufsichtsrats der Maschinenfabrik Goebel GmbH, Darmstadt, Vorsitzender des Vorstandes
  • 1945-1949 Präsident der IHK Darmstadt
  • 1948-1952 Mitglied der Darmstädt. Stadtverordneten (LDP/FDP)
  • 1953 Beirat der Dresdner Bank

Werke:

  • Vom Stift zum Handelsherrn und andere autobiografische Texte. [Darmstadt]: Hessisches Wirtschaftsarchiv, 2009

Lebensorte:

  • Offenbach am Main; Darmstadt
Familie

Vater:

Köhler, Wilhelm* Georg Ernst Julius, 1847-1917, Medizinalrat, Krankenhausdirektor

Mutter:

Weintraud, Emma, 1858-1935

Partner:

  • Schmidt, Irma* Luitgard Marie Emilie, (Heirat Frankfurt am Main 19.10.1922) * Berlin-Charlottenburg 1898, Ärztin in Bad Wiessee, Tochter des Albrecht* Karl Schmidt, 1864-1945, Vorstands-Mitglied der Höchst AG und der IG-Farben, und der Maria Carlota Brune

Verwandte:

  • Köhler, Lotte <Tochter>, Doktor der Medizin, Psychotherapeutin, Vorsitzende des Aufsichtsrats der Maschinenfabrik Goebel GmbH in Darmstadt, Geschäftsführerin des GOEDA-Vermögensverwaltungsgesellschaft in Bad Wiessee und München
Nachweise

Literatur:

Leben

Wilhelm Franz Heinrich Köhler, mit dem Rufnamen Wilhelm, wurde in Offenbach a.M. am 17. Mai 1857 geboren und starb auf der Reise in Rom am 17. Januar 1962.

Wilhelm Köhlers Vater war der Geheime Medizinalrat und Krankenhaus-Direktor in Offenbach Dr. med. Wilhelm Köhler, 1847-1917. Seine Mutter war Emma Weintraud, 1858-1935, war eine Tochter des Geheimen Kommerzienrats und Lederwarenfabrikanten Franz Ernst Weintraud und der Elise Fulda.

Obwohl Wilhelm Köhler technisch von Jugend an interessiert war, lebte er zunächst in der väterlichen Tradition im Bereich der Medizin, studierte in Heidelberg, Gießen, Frankfurt am Main, Marburg und promovierte zum Dr. med. Da er durch seine mütterliche Verwandtschaft zahlreiche Verbindungen in die Industrie hatte, wandte er sich immer mehr dem Bereich wirtschaftlicher Probleme zu, die vor allem in den Jahren der Inflation auch in seiner eigenen Verwandtschaft seine Aufmerksamkeit beanspruchten.

Die persönliche Freundschaft zum jungen Unternehmer Wilhelm (Willi) Johann Goebel führte ihn in dessen Probleme ein, die mit der vormals Gandenbergerschen Maschinenfabrik Goebel in Darmstadt zusammenhingen. Willi Goebel sah sich den Schwierigkeiten der Zeit nicht gewachsen und beabsichtigte Medizin zu studieren, sodaß zwischen den beiden Freunden ein beiderseitiger Berufswechsel mit allen Konsequenzen beschlossen wurde. Der am 24. Februar 1896 in Darmstadt geborene Willi Goebel promovierte seinerseits zum Dr. med. und ist diesem Beruf treu geblieben, nachdem er auch an dem Wachstum seiner väterlichen Firma noch einen gewissen Anteil behielt.

1922 trat Wilhelm Köhler als Mitarbeiter bei Goebel ein, 1924 erwiesen sich seine Ratschläge bereits als erfolgreich, so dass ihm die Leitung des Unternehmens übertragen wurde. Seine durch Neigung früh erworbenen technischen Fähigkeiten verbanden sich mit kaufmännischen Erfahrungen, die sich gerade in den Krisenzeiten der 20er Jahre bewähren konnten.

Seine technischen Verbesserungen an Spezialmaschinen für Druckereien, Papierfabriken und Papierverarbeitung wurden patentiert und das dort erwiesene Ingenieurwissen veranlasste die TH Darmstadt Wilhelm Köhler die Würde des Dr. ing. h.c. zu verleihen. Er zeigte sich dieser Hochschule auch durch zahlreiche Stiftungen dankbar verbunden. Lange Jahre war er Vorsitzender der Vereinigung der Freunde der Technischen Hochschule. Ebenso war er lange Jahre berufsständisch engagiert: er war Vorstand der Fachgemeinschaft Druck- und Papiermaschinen, des Vereins deutscher Maschinenbauanstalten, wie auch Vorsitzender der Landesgruppe Hessen dieses Vereins. Wilhelm Köhler war zugleich Mitglied des Kuratoriums der deutschen Industrieinstitute in Köln. Er betätigte sich auch mehrfach auf währungspolitischem Gebiet und publizierte Vorschläge zur Währungsreform. Zuletzt war er in der Firma Goebel zugleich Vorsitzender der Gesellschafterversammlung und des Aufsichtsrats.

Neben seiner Tätigkeit als Präsident der Industrie- und Handelskammer in Darmstadt in der besonders schwierigen Nachkriegszeit war er von 1948 bis 1952 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung für die LDP/FDP.

An Ehrungen wurden ihm das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, die Goetheplakette des Hessischen Ministers für Erziehung und Volksbildung, die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt und die Friedrich-König-Medaille zuteil.

Nahe bei Bad Wiessee in Oberbayern hatte er den schlossartig bebauten Besitz Winner II erworben, dessen Haupthaus von einem interessanten Vorbesitzer in Anlehnung an die Amalienburg bei Nymphenburg erbaut worden war. Die Pflege dieses großen Parkbesitzes und die Einrichtung des Hauses mit seinen Sammlungen und Kunstschätzen war die letzte Freude seines schaffensreichen Lebens.

Bedeutende Beziehungen hatte Wilhelm Köhler auch durch seine Ehe gewonnen. Er heiratete in Frankfurt am Main-Höchst am 19. Oktober 1922 Irma Luitgard Marie Emilie Schmidt (Rufname: Irma). 1898 in Berlin-Charlottenburg geboren, praktizierte sie als Ärztin in Bad Wiessee. Sie war die Tochter des Albrecht Schmidt, 1864-1945, Vorsitzender des Vorstands der Höchster Farbwerke, und der Carlota Brune, 1875-1965, aus Ibacaha, Brasilien.

Aus der Ehe von Wilhelm und Irma Köhler ging die Tochter Lotte Köhler hervor, Psychotherapeutin in München, Vorsitzende des Aufsichtsrats der Maschinenfabrik Goebel GmbH in Darmstadt, Geschäftsführerin der GOEDA-Vermögensverwaltungsgesellschaft in Bad Wiessee und München.

Friedrich Wilhelm Euler (†)

Zitierweise
„Köhler, Wilhelm Franz Heinrich“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/138037035> (Stand: 12.4.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde