Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Burgen, Schlösser, Herrenhäuser

Kugelsburg

248 m über NN
Gemarkung Volkmarsen, Gemeinde Volkmarsen, Landkreis Waldeck-Frankenberg
Basisdaten | Geschichte | Bau und Baugeschichte | Burgtyp | Nachweise | Zitierweise | Indizes

Die Ursprünge der auch als Ruine noch imposanten Kugelsburg reichen zurück bis zum Ende des 12. Jahrhunderts. Ihre Bauherren waren vermutlich die Grafen von Everstein, die sie auf Grund und Boden der Abtei Corvey errichten ließen. Später war die Burg häufig verpfändet, die Erzbischöfe von Köln hatten hier Rechte, genauso wie die hessischen Landgrafen. Seit Anfang des 16. Jahrhunderts war das Erzbistum Köln alleiniger Besitzer der Kugelsburg, deren militärische Bedeutung zu dieser Zeit bereits gering war. Seitdem die Kugelsburg im 7jährigen Krieg von französichen Truppen eingenommen und weiter zerstört worden war, blieb sie Ruine.

Basisdaten

Weitere Namen:

  • Kogelnburg
  • Kogelberg
  • Cugelenberg
  • Kugelburg
  • Hagenburg

Ortstyp:

Burg

Bezeichnung der Siedlung:

Lagebezug:

gut 8,5 km ostnordöstlich von Arolsen

Lage:

Die Burgruine liegt oberhalb der am Zusammenfluss von Erpe und Twiste gelegenen Altstadt von Volkmarsen.

Geschichte

Burggeschichte:

Die Kugelsburg wurde Ende des 12. Jahrhunderts erbaut und war bis Ende des 13. Jahrhunderts im Besitz der Herren von Everstein. 1260 ließen der Abt von Corvey, der Erzbischof von Köln sowie der Herzog von Braunschweig die Burg belagern, sie wurde zerstört oder beschädigt, jedoch bald wieder erneuert. Nachdem der spätere Erzbischof Hermann IV. von Köln 1474 als Administrator des Erzbistums den Kölner Anteil an der Kugelsburg und der Stadt Volkmarsen seinem Bruder, dem Landgrafen Heinrich III. von Hessen versetzt hatte, verweigerten Burgbesatzung und Bevölkerung die Huldigung. Landgraf Heinrich nahm Burg und Stadt 1475 gewaltsam ein und die Burg ist anscheinend nicht mehr vollständig instand gesetzt worden. Militärische Bedeutung hatte die Kugelsburg im 30jährigen Krieg nicht mehr, nahm jedoch vermutlich wiederum Schaden, als hessische Truppen Volkmarsen eroberten. Während des 7jährigen Krieges nahmen 1760 französische Truppen die Kugelsburg ein und zerstörten sie weiter.

Ersterwähnung:

1225

Laufzeit:

2. Hälfte 12. Jahrhundert–1. Hälfte 18. Jahrhundert

Besitzgeschichte:

Die Grafen von Everstein ließen die Kugelsburg, möglicherweise mit Rückendeckung des Erbistums Mainz, errichten. Der Grund und Boden gehörte vermutlich der Abtei Corvey, 1233 bestätigte Papst Gregor IX., dass die Abtei rechtmäßigenr Alleinbesitzer der Kugelsburg sei. Die Grafen von Everstein verloren die Burg Ende des 13. Jahrhunderts und 1298 stellte sich die Abtei Corvey unter den Schutz des Erzbischofs von Köln, der damit auch Herr der Kugelsburg wurde. Mit Zustimmung Corveys setzte er den Ritter Konrad Schultheiss aus Warburg als Amtmann ein. 1304 teilten sich Abtei und Erzbistum die Kugelsburg, beide verpfändeten ihre jeweilige Burghälfte regelmässig. 1332 erhielten die von Papenheim vom Kölner Erzbischof ein Burglehen auf der Kugelsburg. 1336 verpfändete Corvey seinen Burgteil an die Ritter Herbord von Mederich und Johann Runst sowie an den Bürgermeister und mehrere Ratsleute der Stadt Volkmarsen, 1349 an Ritter Berthold Schurwe, seine Söhne und Brüder, an die Brüder Johann und Dietrich Runst, an den Korbacher Bürger Gottschalk Dunkere, an Kurt von Dalwigk sowie an die Brüder Berthold und Gyr genannt von dem Kalenberge. Im Jahre 1351 erhielt Landgraf Heinrich II. von Hessen auf Lebzeiten ein Viertel der Kugelburg von Corvey und setzte die Brüder Giso, Heinrich, Johann und Giso von Brobeck als Amtleute ein. Schon 1375, ein Jahr vor dem Tod des Landgrafen, hatte die Abtei einen Nachfolger gefunden und verpfändeten den Anteil des Landgrafen, sobald er an Corvey zurückfiele, an Dietrich Runse, seinen Bruder Warmode, deren Vetter Werner und ihre Erben. Die hessischen Landgrafen besaßen jedoch auch weiterhin Rechte am corveyischen Teil der Kugelsburg, die Ludwig II. von Hessen 1440 dem Erzbischof Dietrich II. von Köln überließ. Das Erzbistum verpfändete diesen Anteil im 15. Jahrhundert unter anderen an die von Meysenbug, Raven von Kanstein und Wolff von Gudenberg. 1474 verpfändte Hermann von Hessen als Administrator des Erzbistums Köln die Burg Kugelberg an seinen Bruder, den Landgrafen Heinrich III. von Hessen und erneuerte die Verpfändung 1482, mittlerweile war er Erzbischof von Köln. Zwei Jahre später schlossen Erzbischof Hermann und die Brüder Wilhelm I. „der Ältere“ und Wilhelm II. „der Mittlere“, Landgrafen von Hessen einen Burgfrieden über Kugelsburg und Volkmarsen. Im Jahre 1502 versuchte die Abtei Corvey, den Kölner Anteil an der Kugelsburg wieder einzulösen, verkaufte ihn dann jedoch an das Erzbistum und verzichtete später auch seine Ansprüche auf die Burg. 1518 fiel auch der hessische Teil der Burg wieder an Köln. Kugelsburg (und auch die Stadt Volkmarsen) blieben bis 1802 im alleinigen Besitz des Kölner Erzbistums. 1802 fiel die Burg an Hessen-Darmstadt, 1806 an Nassau-Oranien, 1807 bis 1813 war sie im Besitz des Königreichs Westfalen, 1814 kam sie an Preußen und 1818 an Kurhessen. 1885 gelangte die Burg in den Besitz der Stadt Volkmarsen.

Abgang:

Nachdem Landgraf Heinrich III. von Hessen die Kugelsburg 1475 eingenommen hatte ist sie anscheinend nicht wieder vollständig repariert worden. Ende des 16. Jahrhunderts war sie in einem schlechten Zustand und nahm im 30jährigen Krieg möglicherweise weiteren Schaden. 1760, während des 7jährigen Kriegs, hatten englische Truppen auf der Burg Stellung bezogen, wurden jedoch von den Franzosen geschlagen. Die Kugelsburg wurde dabei weiter zerstört und blieb seitdem Ruine.

Bau und Baugeschichte

Baugeschichte:

Die Burg wurde vermutlich um 1194 von den Grafen von Everstein errichtet. Der quadratische Wohnturm entstand vermutlich im 13. Jahrhundert, der runde Bergfried vermutlich im 14. Jahrhundert. Noch jünger scheint der Wohnbau (möglicherweise 15. Jahrhundert). Reparaturen an der Burg lassen sich für 1590/91 nachweisen. An der Wende zum 20. Jahrundert wurde die Ruine gesichert, 1984 bis 1994 wurde die gesamte Anlage saniert.

Baubeschreibung:

Die Hauptburg hat einen ovalen Grundriss, im Süden schließt sich - etwas niedriger - die Vorburg an. Im Süden der Hauptburg befinden sich die Reste des quadratischen Wohnturms, im Norden steht, eingebunden in die Ringmauer, der runde Bergfried mit Hocheingang. Westlich des Rundturms liegen die Ruinen des spätmittelalterlichen Wohnbaus. Unterhalb des quadratischen Wohnturms befand sich vermutlich ein dritter Turm.

Erhaltungszustand:

In der Hauptburg haben sich Reste eines Wohnturms, eines Rundturms, eines Wohnbaus und der Umfassungsmauer erhalten. Von der Vorburg existieren nur noch Reste der Ringmauer.

Grabungen und Funde:

Auf dem Gelände der Burg wurden Keramikscherben, Armbrustbolzen soiwe zwei eiserne Pulverkammern früher Geschütze gefunden. Die Funde werden im Museum Wolfhagen aufbewahrt.

Burgtyp

Bautyp:

Höhenburg; Spornburg

Rechtstyp:

Landesburg@Erzstift Köln; Landesburg@Landgrafschaft Hessen; Pfandburg

Funktionstyp:

Wohnsitz; Amtssitz

Nachweise

Quellen:

Literatur:

Zitierweise
„Kugelsburg, Gemeinde Volkmarsen“, in: Burgen, Schlösser, Herrenhäuser <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bg/id/63502006001> (Stand: 27.2.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde