Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Burgen, Schlösser, Herrenhäuser

Übersichtskarte Hessen
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5221 Alsfeld
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Ortskennziffer
53500101028

Burg Alsfeld

261 m über NN
Gemarkung Alsfeld, Gemeinde Alsfeld, Vogelsbergkreis
Basisdaten | Geschichte | Bau und Baugeschichte | Burgtyp | Nachweise | Zitierweise | Indizes

Die Burg lag möglicherweise am östlichen Stadtrand der Alsfelder Altstadt, direkt an der Stadtmauer. Errichtet wurde die Anlage vermutlich durch die hessischen Landgrafen zu einem unbekannten Zeitpunkt in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zur Sicherung der hessischen Herrschaft an der oberen Schwalm. Ausgrabungen erbrachten allerdings keine gesicherten Hinweise zur Existenz einer Burg am angegebenen Standort.

Basisdaten

Historische Namensformen:

  • borgk (1461) [K. Ebel, Die Urkunden des Stadtarchivs von Alsfeld aus dem 15. Jh., in: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 7 (1897), S. 91]

Ortstyp:

Burg

Lagebezug:

15,5 km nordnordwestlich von Lauterbach gelegen

Lage:

Die Burganlage befand sich möglicherweise im Südosten der Altstadt von Alsfeld, zwischen Wollwebergasse, Burgmauerweg und Blaupfütze. Die Gewanne in diesem Teil der Stadt innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern tragen die Bezeichnungen 'Auf der Burg', 'Vor dem Burggarten', 'Neben dem Burggarten' und 'Am Burggarten' sowie 'Auf der blauen Pfütze' (Jorns).

Geschichte

Burggeschichte:

Ob auf dem Gelände der sog. Burg im Südosten der Alsfelder Altstadt eine Burg gestanden hat, ist nach den archäologischen Untersuchungen sehr unsicher. 1461 wird eine Hofstatt an der Wollwebergasse erwähnt an dem steynwege here [...] als man uff die borgk gehet [K. Ebel, Die Urkunden des Stadtarchivs von Alsfeld aus dem 15. Jh., in: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 7 (1897), S. 91].

Die Nennung von Burgmannen in der frühen Entwicklungsphase der Stadt reicht jedoch auch in diesem Fall allein nicht aus, um ohne einen archäologischen oder historischen Nachweis von der Existenz einer Burg an dieser Stelle auszugehen.

Ersterwähnung:

1461 (?)

Letzterwähnung:

unklar

Bau und Baugeschichte

Baugeschichte:

In einem Gartengelände im südöstlichen Bereich der Alsfelder Altstadt liegt ein etwa 23 x 33 m großes, fast rechteckiges erhöhtes Plateau, das im Osten ganz leicht geneigt ist. Im Osten und Süden des Plateaus verlaufen Stützmauern, die vielleicht aus dem frühen 18. Jahrhundert stammen.

Nach Knappe handelte es sich dabei "vermutlich (um) eine Wasserburg, deren Gräben jedoch vollständig eingeebnet und bebaut sind" (S. 236). Er vermutet den Bau einer Burg im Zusammenhang mit der größeren Bedeutung der Stadt unter den Landgrafen von Hessen nach 1247. Knappes Annahme, dass die Burg "vielleicht am Anfang des 14. Jh. durch einen Brand zerstört und nicht wieder erneuert [wurde], da sie nach dem Erwerb der strategisch günstiger gelegenen Altenburg um 1300 durch Hessen an Bedeutung verloren hatte", lässt sich weder archäologisch noch aus den schriftlichen Quellen belegen.

Knappe folgt mit seiner Argumentation E. Crusius (1933, gedruckt 1974), der davon ausging, dass die landgräfliche Herrschaft im Schwalmgebiet mit einer neugegründeten Burg in Alsfeld einen Ansatzpunkt erhalten habe. Crusius hat vor allem auf die seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts nachweisbaren Burgmannen (castrenses) hingewiesen, deren Rolle jedoch an Bedeutung verloren hatte, "als die südlich gelegene Altenburg bereits vor ihrem juristischen Übergang an Hessen im Jahre 1300 unter hessischen Einfluß geraten war". Er geht deshalb davon aus, dass die Alsfelder Burg nur in den "ersten Jahrhunderten" Bedeutung gehabt habe. Da Alsfeld eine ursprünglich fuldische Besitzung gewesen sei, sei die später landgräfliche Burg auch "auf fuldischem Boden" erbaut worden (Crusius, Kreis Alsfeld, S. 99-100).

Grabungen und Funde:

In den Jahren 1967, 1968 und 1971 wurden auf dem Gelände archäologische Sondierungen vorgenommen und Schnitte angelegt. In Schnitt 1 am Nordrand des Burghügels wurden wenige Scherben und Lederreste gefunden. In Schnitten auf dem Plateau wurden Kulturreste der Neuzeit (vorwiegend 18. Jahrhundert) gefunden, jedoch keine "Fundamentstrukturen, die als Reste der gesuchten mittelalterlichen Burg anzusehen wären" (Jorns). Die Suche nach dem Burggraben im Profil eines Schnitts im nördlichen Teil der Anlage brachte keinerlei Ergebnis. Das Fundmaterial in den Schnitte im Nordosten des Plateaus bestand u. a. aus karongerzeitlicher Keramik. Jorns kam zu dem Ergebnis, dass der sog. Burghügel "nach einer vorangegangenen Planierung in nachkarolingischer Zeit aus gelbem Lehm aufgeschüttet worden" ist, wodurch auch karolingische Fundschichten verlagert wurden. Diese Fundschichten lassen auf eine karolingerzeitliche Siedlung in diesem Teil der Stadt schließen, die sich nach den Keramikresten bis in das 12. Jahrhundert verfolgen lässt. Eine Hinweis für die Entstehungszeit des als "Burg" bezeichneten und angesehenen Hügels haben die Sondierungen und Schnitte jedoch nicht ergeben. Eine aus Holz und Erde oder gar aus Stein und Mörtel errichtete Burg konnte nicht nachgewiesen werden.

Im Dezember 1902 von Otto Berth aufgedeckte Baureste einer Burg bestanden 1967/71 nicht mehr. Jorns vermutet darum, dass auf dem Burghügel niemals eine Burg gestanden hat. 1697 kennt Johann J. Winkelmann einen freyen Platz in der Statt, die Burg genannt, davon man aber keine Nachricht weiß" (Johann J. Winkelmann, Gründliche und wahrhaftige Beschreibung der Fürstentümer Hessen und Hersfeld, Bremen 1697, Teil 2, Kap. 5).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Burg Alsfeld, Gemeinde Alsfeld“, in: Burgen, Schlösser, Herrenhäuser <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bg/id/167> (Stand: 13.11.2014)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde