Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Burgen, Schlösser, Herrenhäuser

Schloss Laubach

217 m über NN
Gemarkung Laubach, Gemeinde Laubach, Landkreis Gießen
Basisdaten | Geschichte | Bau und Baugeschichte | Burgtyp | Nachweise | Zitierweise | Indizes

Das Laubacher Schloss geht auf eine Burganlage der Herren von Hanau aus dem 13. Jahrhundert zurück. Nachdem König Rudolf von Habsburg 1288 einen Baustopp veranlasste - Landgraf Heinrich I. von Hessen hatte wegen seiner eigenen Burg in Grünberg Einspruch gegen den Laubacher Bau erhoben - wurden Burg und Stadt mit Genehmigung Kaiser Friedrichs III. erst seit 1475 weiter befestigt. Mit der Begründung der Linie Solms-Laubach wurde die Burg 1548 zur Residenz und sukzessive zum Schloss umgestaltet. Das Schloss ist bis heute im Privatbesitz der Grafen Solms-Laubach und beherbergt unter anderem die wertvolle, seit 1555 bestehende Bibliothek, in der auch weite Teile der Arnsburger Klosterbibliothek aufgegangen sind. Aufgrund der kontinuierliche Bautätigkeit lassen sich am heutigen Schloss Stilmerkmale von der Gotik über die Renaissance und den Barock bis hin zum 19. Jahrhundert erkennen.

Basisdaten

Ortstyp:

Schloss, vormals Burg

Bezeichnung der Siedlung:

Lage:

Das Schloss befindet sich am Nordostrand der historischen Altstadt.

Laubach, Schloss 2-3

Geschichte

Burggeschichte:

Mit Begründung der Linie Solms-Laubach wurde die Laubacher Burg im 16. Jahrhundert zur Residenz.

Ersterwähnung:

1278

Besitzgeschichte:

1278 begannen die Herren von Hanau mit dem Bau der Burg, 1341 kauften die Falkensteiner Laubach. Als die Falkensteiner 1418 ausstarben, kam der Besitz an die Grafen zu Solms, bei der Solms'schen Teilung von 1432 an die Linie Solms-Lich (Solmser Urkunden 1 Nr. 996, 1036). Die Solm'sche Teilung von 1548 (Solmser Urkunden 3 Nr. 2866) führte zur Begründung der Linie Solms-Laubach, in deren Besitz sich das Schloss noch heute befindet.

Sonstiges:

Das Schloss beherbergt die seit Mitte des 16. Jahrhunderts bestehende Bibliothek der Grafen von Solms-Laubach, die mit rund 120.000 Bänden eine der größten deutschen Privatbibliotheken darstellt. In ihr ging unter anderem ein Teil der Bibliothek des Zisterzienserklosters Arnsburg auf (rund 1.000 Bände), die sich der Laubacher Graf Friedrich Ludwig Christian (1769-1822) für seine Mühen bei der Auflösung und Säkularisation der Klöster ausbedungen hatte.

Bau und Baugeschichte

Baugeschichte:

Ab 1278 ließen die Herren von Hanau eine Wasserburg mit rundem Bergfried errichten, deren Bau 1288 auf Bitten des hessischen Landgrafen von König Rudolf von Habsburg gestoppt wurde: Ulrich, Herr von Hanau versprach, keine Gebäude, die sich bis zur Befestigung (municio) ausdehnen, ohne den Rat und die Einwilligung des Landgrafen mehr zu erbauen (Landgrafen-Regesten online Nr. 298). Der Kemenatenbau wurde 1475 errichtet, als Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis erteilte, Stadt und Burg weiter zu befestigen. Diese Arbeiten wurden 1559 abgeschlossen. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert wurde die Anlage sukzessive zum Schloss umgestaltet.

Denkmaltopographie:

Der größte und wichtigste Gebäudekomplex der ausgedehnten Schlossanlage, der so genannte Hauptbau östlich der Laubacher Kirche, besteht aus drei ineinander verzahnten Teilbauten, die eine hufeisenförmige, nach Norden geöffnete Anlage bilden. Sie entstand aus der mittelalterlichen Burg, die nach Norden hin durch eine in Resten erhaltene Wehrmauer geschützt war, und enthält als älteste, im Kern noch auf das 13. Jahrhundert zurückgehende Teilbauten den Ost- und Westflügel sowie den ehemals freistehenden, später in die Hauptfront eingebundenen runden Bergfried von 1288. Auch die ehemals wehrhaften, später mit barocken Hauben versehenen, starken Rundtürme an den Nordecken der beiden Flügelbauten gehören noch zum Bestand der ehemaligen Burg. Sie, wie auch der bereits im 15. Jahrhundert erneuerte, mit einem östlichen Treppenturm versehene Ostflügel (Kemenatenbau), wurden nach 1533 durch den Licher Baumeister Wolff Werner umgebaut, wobei die zeittypischen Vorhangfenster mit doppelten Eselsrücken und der von mächtigen Konsolen gestützte Erker am Nordgiebel entstanden.

Einige Räumlichkeiten im Inneren dieses Gebäudes zeigen noch den Bestand des 15. Jahrhunderts. Erwähnenswert sind der mächtige gewölbte Keller mit Rundpfeilern, die alte, mit einem gewaltigen Rauchfang ausgestattete, gewölbte Küche, die tonnengewölbte Gesindestube sowie die Hofstube, die mit Kreuzgratgewölben, gotischem Fliesenboden und Wandmalereien von 1556/57 (Michael Sommerstein) ausgestattet ist.

Die übrige Erscheinung des Hauptbaus wird im wesentlichen durch die Veränderungen der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts und des 19. Jahrhunderts geprägt. In dieser Zeitspanne entstanden zunächst der verbindende, dreigeschossige Mittelflügel, der mit seinen gleichförmig gereihten Fenstern und dem flachbogigen Gewändeportal die Südfront bestimmt, sodann die zweigeschossige Pfeilergalerie zum Innenhof sowie das dort aufgestellte Standbild des Grafen Friedrich Ludwig Christian (1769-1822).

Der sich nach Süden anschließende weite, allseitig von Gebäuden gerahmte Hof, dessen Mitte von einem Röhrenbrunnen des 18. Jahrhunderts mit oktogonalem Brunnenbecken, Brunnenstock mit Löwe und Solmser Wappen, eingenommen wird, entstand durch Aufschüttung des Geländes der ehemaligen Vorburg.

Das wohl wichtigste Gebäude ist hier der so genannte Nassauer Bau, der im Nordosten direkt an das Schlossgebäude anbindet, ein im Kern noch auf das 15. Jahrhundert zu datierendes Gebäude, das aber erst im 18. Jahrhundert sein heutiges Aussehen und seine wertvolle Ausstattung, so das schmiedeeiserne Treppengeländer, ein Werk des Hofschlossers Brohler, die Stuckdecke sowie die Vertäfelung und die Musikempore von Hofschreiner Joh. Martin Reineck, erhielt. Die weiteren Bauten der Ostseite sind der langgezogene, ehemalige Marstall, 1556-57 von Wolff Werner erbaut, 1860-70 von Hugo von Ritgen umgestaltet, und ein angrenzender, im 19. Jahrhundert auf älteren Mauerresten errichteter, dreigeschossiger Kubus mit pyramidalem Mansarddach, der so genannte Neue Bau, der die wertvolle Bibliothek enthält.

An der gegenüber liegenden Westseite dient als Abschluss eine hohe Mauer, vor der ein schlichtes eingeschossiges Wachgebäude, die im 18. Jahrhundert entstandene sogenannte Alte Wache, liegt. Im äußersten Nordwesten ist weiterhin eine komplexe Gebäudegruppe bemerkenswert. Es handelt sich um den so genannten Hedderichsbau, an den der brückenartige Übergang zur Kirche anbindet und um die sogenannte Friedrichsburg, einen zweigeschossigen Barockbau mit strenger Fensterreihung, Mansarddach und Freitreppe von 1735/39, der zusammen mit der ebenfalls im 18. Jahrhundert entstandenen Tordurchfahrt, einem von Säulen flankierten Rundbogen den Zugang zur Stadt bildet.

Die beiden zweigeschossigen, mit Mansarddächern ausgestatteten Beamtenhäuser, die seit dem 18. Jahrhundert den Schlosshof nach Süden abriegeln, leiten gleichzeitig zum weiter südlich gelegenen Wirtschaftshof und zum Areal des Armenhauses (Stiftstraße 2) über. Bemerkenswert sind hier vor allem die 1751 bis 1753 erbaute Herrenscheuer, ein L-förmiger, aus zwei Teilen bestehender, voluminöser Massivbau mit hohem Mansarddach auf der Westseite, mehrere Wirtschaftsgebäude nördlich des Armenhauses und das langgestreckte, nach Süden verglaste, nach Norden geschlossene Gewächshaus (19. Jahrhundert) mit seinem polygonalen, Vorbau.

Außer den genannten Gebäuden gehört auch der ausgedehnte Schlossgarten zum schützenswerten Bestand. Es handelt sich um eine ehemals barocke, später im englischen Stil erneuerte Parkanlage mit zwei Teichen, Forellenbach und altem Baumbestand. Wichtige Relikte der ursprünglichen Gestaltung sind ein achteckiger, orientalisierender Gartentempel in Holzkonstruktion auf einem Sandsteinsockel, dessen innere Stützen mit Kompositkapitellen ausgeführt sind, und von einem verschieferten gestuften Dach mit Halbmondaufsatz abgeschlossen werden sowie eine rudimentär erhaltene Treppenanlage mit Eingang zum Eiskeller.

Die durch ihre Turmsilhouette das Stadtbild weithin prägende Schlossanlage, die aus dem eigentlichen Schloss, dem Schlossinnenhof, zahlreichen Nebengebäuden, dem südlichen Vorhof mit Wirtschaftsgebäuden, dem ausgedehnten Schlossgarten und verschiedenen Mauerzügen (hierin enthalten der Schlussstein der 1865 abgebrochenen Oberpforte) gebildet wird, schließt östlich und nördlich direkt an die Gesamtanlage der Altstadt an und bildet mit dieser eine historisch gewachsene Einheit. Einschließlich der in ihm aufbewahrten wertvollen Sammlungen (u.a. zahlreiche Familienbildnisse ab dem 16. Jahrhundert, Möbel ab dem 14. Jahrhundert, Erzeugnisse der Laubacher Eisen- und Glashütte aus dem 16. und 17. Jahrhundert) sowie einschließlich der seit 1555 bestehenden umfangreichen Bibliothek, die auch Teile der Amsburger Klosterbibliothek enthält, ist das Schloss im Sinne einer Sachgesamtheit aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen Kulturdenkmal.

Burgtyp

Bautyp:

Niederungsburg; Wasserburg; Schloss

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Schloss Laubach, Gemeinde Laubach“, in: Burgen, Schlösser, Herrenhäuser <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bg/id/14926> (Stand: 3.4.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde