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Ortskennziffer
44000201007

Burg Nauheim

171 m über NN
Gemarkung Bad Nauheim, Gemeinde Bad Nauheim, Wetteraukreis
Basisdaten | Geschichte | Bau und Baugeschichte | Burgtyp | Nachweise | Zitierweise | Indizes

Die mittelalterliche Wasserburg Nauheim entstand vermutlich im 13. Jahrhundert am nordwestlichen Rand des Ortes. Sichtbare Reste haben sich nicht erhalten. Die Burganlage wurde mehrfach verändert, im 30jährigen Krieg zerstört und Anfang des 18. Jahrhunderts in ein Hofgut umgewandelt.

Basisdaten

Ortstyp:

Burg; Hofgut; Herrenhaus

Bezeichnung der Siedlung:

  • das Slosse (1477) [Martin, Inhaber, S. 36]

Lage:

Die Burg lag am nordwestlichen Rand des historischen Ortskerns von Bad Nauheim, im Bereich der heutigen Burgpforte 3-4, Stresemannstraße 29, Burgstraße 13, 17, 20-24.

Geschichte

Laufzeit:

13. Jahrhundert–

Besitzgeschichte:

Möglicherweise waren die Herren von Nauheim die Bauherren der Nauheimer Burg. 1281 schenkte Berthold von Nauheim seinen Besitz dem Kloster Seligenstadt. Bis 1476 war die Burg somit vermutlich ein Lehen der Seligenstädter Benediktiner, die ihren Nauheimer Besitz 1476 an die Grafen von Hanau verkauften. 1477 erhielt der noch minderjährige Heinrich von Selbold die Nauheimer Burg als Lehen von den Grafen von Hanau. Die Herren von Selbold starben 1578 aus und 1604 ist Johann Marquardt von Reinberg, Sohn Katharinas von Reinberg geb. Selbold im Besitz des Schlosses. Anfang des 18. Jahrhunderts ging das Lehen an die Herren von Greiffenclau zu Vollraths. Im Jahr 1816 kam das Gelände in den Besitz der Stadt.

Abgang:

Die Burggebäude wurden im 30jährigen Krieg von schwedischen Truppen zerstört. Ein Turm mit Tor wurde 1880 abgebrochen.

Bau und Baugeschichte

Baugeschichte:

Ein erster Burgbau stammt wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert; ein Beleg von 1482 über einen „Garten vor dem Falltor, da die Burg gestanden“ (Saltenberger, Nauheimer Burg, S. 121) lässt vermuten, dass diese Burg Ende des 15. Jahrhunderts verfallen war. Die Herren von Selbold ersetzten die Ruine im 15. oder 16. Jahrhundert durch ein festes, mit einem Wassergraben gesichertes Haus. Zumindest belegt ein Wappenstein mit der Jahreszahl 1572 ihre Bautätigkeit. Seit etwa 1720 bauten die Herren von Greiffenclau zu Vollraths die ehemalige Burg zu einem Hofgut um.

Erhaltungszustand:

Reste der mittelalterlichen Burg haben sich nicht erhalten. Der heutige Gebäudebestand geht teilweise auf das Hofgut des 18. Jahrhunderts zurück

Denkmaltopographie:

Burgpforte 3/Stresemannstraße 29/Burgstraße 17 „Burgscheune“

Das als „Burgscheune“ bezeichnete Wirtschaftsgebäude entstand im 18. Jahrhundert, als die Adelsfamilie von Greiffenclau einen befestigten Herrensitz nordwestlich vor dem Nauheimer Ortskern zu einem Hofgut ausbaute. Im gegenwärtigen Ortsbild wird die Scheune vor allem durch eine rundbogige Tordurchfahrt markant. Sie wurde 1906 nachträglich geschaffen, um das Stadterweiterungsgebiet westlich des ehemaligen Burgareals mit dem Kerngebiet Nauheims zu verbinden. Der Schlußstein des Torbogens erhielt das Nauheimer Stadtwappen als Schmuck, südlich neben dem Torbogen auf der zum Stadtinneren gekehrten Seite ein plastischer Bauschmuck. Er zeigt Szenen bäuerlicher Arbeit im Relief und soll vermutlich an die Vergangenheit Nauheims als Dorf erinnern.

Burgpforte 4/Burgstraße 13/Stresemannstraße 29

Zweigeschossiger Gebäuderiegel, der rechtwinklig auf die „Burgscheune“ trifft; es handelt sich im Kern um ein im 18. Jahrhundert errichtetes Wirtschafts- und Gesindegebäude. Es war Teil des ab etwa 1720 bis zum Verkauf an die Gemeinde Nauheim 1816 auf dem Burgareal geführten Greiffenclau’schen Gutshofes. Im 19. und 20.Jahrhundert erfolgten verschiedene Umbauten, unter anderem der unmittelbare bauliche Anschluß an die Burgscheune. Dieser Gebäudeabschnitt auf der südlichen Traufseite in Fachwerk, die übrigen Gebäudeteile in steinsichtig und teilweise auch vollständig verputztem Bruchsteinmauerwerk. Südlich des Gebäuderiegels ursprünglich ein die Burg und den späteren Gutshof vom Dorf Nauheim abgrenzender Graben.

Burgstraße 20-24

Annähernd nord-südlich verlaufender Gebäuderiegel, der als Hauptgebäude des um 1720 auf dem Nauheimer Burgareal errichteten Greiffenclau’schen Hofgutes anzusehen ist und aus dem 18. Jahrhundert stammt. In den Grundmauern möglicherweise Reste des Herrenhauses der älteren Wasserburg erhalten. Der auf der südlichen Giebelseite um 1935 angebrachte Stein von 1542 mit dem Wappen von Clara von Kronberg und Heinrich von Selbold verweist auf die Bautätigkeit der Selbolder auf dem Burggelände während des 16. Jahrhunderts. Die von Selbold waren Lehensmannen der hanauischen Grafen. Der Wappenstein steht in keinerlei Beziehung zum Gebäude selbst. Der nördliche Gebäudeabschnitt war zu Beginn unseres Jahrhunderts das Wohnhaus des in Nauheim mit einigen hervorragenden Wohnbauten vertretenen Architekten Leonhard Kraft. Der Erker auf der Nord-Ost-Ecke wurde dem Gebäude 1911 nach einer Planung von Kraft hinzugefügt.

Burgtyp

Bautyp:

Niederungsburg; Wasserburg; Hofgut

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Burg Nauheim, Gemeinde Bad Nauheim“, in: Burgen, Schlösser, Herrenhäuser <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bg/id/14688> (Stand: 27.9.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde