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Ortskennziffer
63501915005

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Schloss Vöhl

Gemarkung Vöhl, Gemeinde Vöhl, Landkreis Waldeck-Frankenberg
Basisdaten | Geschichte | Bau und Baugeschichte | Burgtyp | Nachweise | Zitierweise | Indizes

Nur unscheinbare Mauerreste und der Straßenname Schlossstraße erinnern heute noch an die Wasserburg und das spätere Barockschloss in Vöhl. Die Wasserburg hatte Tile I. Wolff von Gudenberg Ende des 14. Jahrhunderts errichten lassen. Unter Landgraf Georg III. von Hessen-Itter entstand aus dieser Burganlage ein kleines barockes Schloss, das dem Landgrafen zwischen 1661 und 1676 als Residenz diente. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Schlossgebäude wegen Baufälligkeit abgetragen und ihre Steine anderweitig verwendet.

Basisdaten

Weitere Namen:

  • Burg Vöhl

Ortstyp:

Burg

Bezeichnung der Siedlung:

Lagebezug:

knapp 9,5 km südsüdöstlich von Korbach

Lage:

Wasserburg und späteres Schloss lagen am Südrand des historischen Ortskerns auf dem heutigen Schulgrundstück, Schlossstraße 3.

Geschichte

Burggeschichte:

Ein erstes festes Haus existierte in Vöhl möglicherweise im 13. Jahrhundert östlich der Kirche und war Sitz der niederadligen Familie „de Vohele“, die vermutlich im 13. Jahrhundert ausstarb. Die Wasserburg am südlichen Ortsrand ließ Tile I. Wolff von Gudenberg errichten. Seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts diente sie als Sitz der hessischen Amtmänner. 1661 machte Landgraf Georg III. von Hessen-Itter, der Bruder des regierenden Landgrafen von Hessen-Darmstadt, Vöhl zu seiner Residenz (neben Hof Lauterbach) und ließ die Wasserburg zum Barockschloss umbauen. Er wird in den Quellen mitunter auch als Landgraf Georg von Vöhl bezeichnet. Später diente das Schloss wieder als Amtssitz, als Sitz des Bergamtes und als Landgericht des Kreises Vöhl.

Laufzeit:

Ende 14. Jahrhundert–Mitte 19. Jahrhundert

Besitzgeschichte:

Der Bauherr der Wasserburg Vöhl, Tile I. Wolff von Gudenberg, besaß seit 1383 sowohl den hessischen als auch den waldeckischen Teil der Herrschaft Itter als Pfand. Waldeck und Hessen lösten die Pfandschaft beide im 16. Jahrhundert wieder ein, was zu langwierigen Prozessen mit den Wolff von Gudenberg führte. Die Herrschaft Itter mit dem Hauptort Vöhl kam schließlich zum Ende des 16. Jahrhunderts ganz in hessischen Besitz - bis 1604 Hessen-Marburg, bis 1639 Hessen-Kassel, dann Hessen-Darmstadt (das schon 1604 Ansprüche erhoben hatte). Landgraf Ludwig V. übertrug die Herrschaft Itter an seinen Bruder Landgraf Philipp III. von Hessen-Butzbach, 1642 fiel sie wieder an die darmstädtische Hauptlinie. 1661 erhielt Landgraf Georg III., Bruder des regierenden Landgrafen Ludwig VI., die Herrschaft Itter als Paragium und nutzte Schloss Vöhl als eine seiner Residenzen. Er starb 1676 und Vöhl fiel kurze Zeit später wieder an die Hauptlinie Hessen-Darmstadt. 1692 bis 1695 waren die Herrschaft Itter an die Augsburger Kaufmannsfamilie Koch von Gailenbach verpfändet.

Abgang:

Wegen Baufälligkeit ist das Barockschloss 1845 vollständig abgebrochen worden.

Bau und Baugeschichte

Baugeschichte:

Unter Tile I. Wolff von Gudenberg entstand nach 1382 die Wasserburg Vöhl, sie erfuhr bis 1630 mehrere Umbauten und Erweiterungen. Landgraf Georg III. (der Mittlere) von Hessen-Itter ließ die Wasserburg seit 1662/1663 zu einem barocken Residenzschloss umbauen.

Baubeschreibung:

Details zu Aussehen von Wasserburg oder Barockschloss sind nicht bekannt.

Erhaltungszustand:

Erhalten haben sich nur geringe Reste der Umfassungsmauer mit einem Rundturm, ein Brunnenkump von 1670 und ein Allianzwapenstein von 1662 mit den Wappen Landgraf Georgs III. und seiner Frau Dorothea Augusta, Herzogin von Holstein-Sonderburg.

Denkmaltopographie:

„Südlich des Rathauses an der Schloßstraße sind noch große Reste der ehemaligen Umfassungsmauern des Schlosses erhalten geblieben. Sie gehörten ursprünglich zur Burg, die Thilo Wolf von Gudenberg gegen Ende des 14. Jahrhunderts hier errichten ließ. Die Burg wurde 1662 weitgehend umgebaut und zur Residenz für Landgraf Georg III. erweitert, der hier bis 1676 residierte. Das später vom Amt Itter bzw. dem Kreis Vöhl genutzte Schloss wurde 1845 wegen Baufalligkeit vollständig abgerissen. Lediglich die Mauerreste, eine Brunnenummauerung und der Stumpf eines Rundturms in der Umfassungsmauer im Süden der Anlage blieben erhalten.“

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Burgtyp

Bautyp:

Niederungsburg; Wasserburg

Rechtstyp:

Herrenhaus; Residenzschloss

Funktionstyp:

Residenz; Wohnsitz

Nachweise

Quellen:

Literatur:

Zitierweise
„Schloss Vöhl, Gemeinde Vöhl“, in: Burgen, Schlösser, Herrenhäuser <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bg/id/14568> (Stand: 2.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde