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Hessische Biografie

Portrait

Heinrich Delp
(1878–1945)

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Delp, Heinrich [ID = 1045]

* 31.1.1878 Eberstadt heute Darmstadt, † 14.5.1945 Dachau Konzentrationslager, Begräbnisort: Darmstadt Bessunger Friedhof, evangelisch
Maurer, Kommunalpolitiker, Bürgermeister, Abgeordneter, Landtagspräsident
Biografischer Text

Am 31. Januar 1878 als Sohn des Handelsmanns Adam Delp II. und Dorothea geb. Delp in Darmstadt-Eberstadt geboren1, schlug Heinrich Delp nach seiner Lehrzeit von 1892 bis 18952 zunächst den Berufsweg als Maurer ein, den er bis zu seinen rasch voranschreitenden politischen Aktivitäten in Mainz ausübte. Nach seinem Eintritt in die SPD im Jahr 1901 war Delp schon bald im politischen Geschehen der Städte Mainz und Darmstadt fest etabliert, insbesondere da er schon bald führende politische Ämter übernahm, wie beispielsweise seit 1904 als Sekretär des Deutschen Bauarbeiterverbands in Mainz und seit 1906 Geschäftsführer des Verbandes in Darmstadt. Aufgrund seines kommunal- und landespolitischen Engagements wurde Delp 1909 Stadtverordneter der SPD. Delp exponierte sich bereits während des revolutionären Aufbegehrens 1918 als einer der führenden sozialdemokratischen Politiker und Mitglied der Arbeiterverbände in Darmstadt. Nachdem Delp gemeinsam mit seinem Parteikollegen, dem Redakteur des „Hessischen Volksfreunds“ Wilhelm Karl Friedrich Knoblauch3 am 8./9. November 1918 den Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein für abgesetzt erklärte4, ließ er sich neben sechs weiteren Darmstädter Bürgern vom Arbeiter- und Soldatenrat zum Mitglied des am 20. November 1918 gegen den Willen Carl Ulrichs bewilligten hessischen Revolutionstribunals wählen, dessen Einführung fünf Tage zuvor gefordert wurde und entgegen geltender Gerichtsverfassung stand.5

Nach eigenem Bekunden in der Sitzung des Landtages am 25. November 1920 hatte Delp in der Revolutionsnacht vom 8. auf den 9. November 1918 erfolgreich versucht, die revoltierenden Soldaten in den Kasernen zu beschwichtigen. Mitunter habe er zu diesem Zweck zu den vor dem Großherzoglichen Neuen Palais sich versammelten aufgebrachten Soldaten eine Ansprache gehalten, die verhindert habe, dass das Gebäude gestürmt wurde. Um zwischen dem Griesheimer Lager und der Darmstädter Garnison zu vermitteln, sei er noch in derselben Nacht in Ersteres gefahren und habe am folgenden Morgen sich dafür eingesetzt, dass die Fabrikarbeiter eine Demonstration abhalten und eine Verständigung mit den in Aufruhr geratenen Soldaten herbeigeführt werden konnte.6

Delp war sodann neben den Abgeordneten der Sozialdemokraten Knoblauch, Stork, Sparr und dem Vertreter der bürgerlichen Demokraten Loos in der Leitung des Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrates vertreten.7 Die Aktivitäten Delps in der vorherrschenden instabilen Lage nach dem Ersten Weltkrieg waren der eigentliche Beginn einer Karriere als sozialdemokratischer Politiker, dem sich Positionen als hauptamtlicher Beigeordneter und Sozialdezernent der Stadt Darmstadt 1919 und Mitglied des Hessischen Landtages anschlossen. Beide Posten bekleidete er bis 1933. Zudem übernahm er von 1919–1921 zugleich das Amt des Vizepräsidenten und des Schriftführers8, worauf das Engagement als Vorsitzender des Finanzausschusses bis ins Jahr 1928 folgte. Zu den seit 1926 übernommenen Amtsgeschäften als Bürgermeister9 kamen zwei Jahre später bis 1931 das Amt des Präsidenten des Landtages des Volksstaats Hessen sowie anschließend die Übernahme der Vizepräsidentschaft bis 1932 hinzu.10 Delps Kontakte ins Milieu sozialdemokratischer und kommunistischer Widerstandsgruppen wurden ihm letztendlich zum Verhängnis. Die eintägige so genannte „Schutzhaft“, die Delp am 29. März 1933 verbringen musste und die damit verbundene Enthebung aller Ämter11 waren nur der Beginn einer besonderen Aufmerksamkeit durch die Nationalsozialisten, der sich Delp ausgesetzt sah. Die Situation spitzte sich im August 1944 zu, als Delp mit dem gescheiterten Hitlerattentat am 20. Juli 1944 in Zusammenhang gebracht wurde. Insbesondere die politischen Aktivitäten und die Kontakte Delps, mitunter zum Leipziger Oberbürgermeister Karl Friedrich Goerdeler, zu dem ein reger Briefkontakt bestand, beförderten diese Verdächtigungen der Gestapo gegen Delp. Es folgten die Inhaftierung im Gefängnis in der Rundeturmstraße und die Internierung im KZ Dachau, wo eine Registrierung unter der Lagernummer 93 601 erfolgte und aus dem Delp mehrmals erfolglos seine Entlassung zu erreichen versuchte.12 Der seit dem 5. Dezember 1903 mit Katharina Seib verheiratete13 sechsfache Vater und Sozialdemokrat verstarb am 14. Mai 1945 im KZ Dachau an Typhus.14 Aufgrund einer Typhus-Epidemie im Lager wurde dieses nach der Befreiung am 29. April 1945 unter Quarantäne gestellt und die Krankenrevierbaracken durch die US-Army weitergenutzt.15

Katharina Seib überlebte ihren Mann zwar um fünf Jahre, konnte im Gegensatz zu fünf ihrer sechs Kinder die folgenden Ehrungen ihres Mannes durch die Stadt Darmstadt nicht mehr miterleben, wie beispielsweise die Benennung einer Straße in „Heinrich-Delp-Straße“ in dessen Geburtsort Darmstadt-Eberstadt im Jahr 1953.16 Das lokale öffentliche Gedenken an Heinrich Delp wird bereits seit Mitte der 1960er-Jahre mit einer Kranzniederlegung am Grab Heinrich Delps auf dem Friedhof in Darmstadt-Bessungen praktiziert.17

Friederike Witek


  1. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.5.2005, S. 53: Klopfzeichen aus einer anderen Welt.
  2. Vgl. Haren, Der Volksstaat Hessen, S. 90, Anm. 151.
  3. Vgl. Haren, Der Volksstaat Hessen, S. 93, Anm. 170.
  4. Vgl. Haren, Der Volksstaat Hessen, S. 220.
  5. Vgl. Haren, Der Volksstaat Hessen, S. 215, 120f.
  6. Vgl. Verhandlungen des Volksstaates Hessen im Jahre 1919/21, S. 2044-2046.
  7. Vgl. Knöpp, Der Volksstaat Hessen 1918–1933, S. 218 sowie Haren, Der Volksstaat Hessen, S. 92 f., 98.
  8. Vgl. Götz/Rack: Hessische Abgeordnete 1820–1933, S. 145.
  9. Vgl. Stadtlexikon Darmstadt, S. 159; Rack/Vielsmeier, Hessische Abgeordnete 1820–1933, S. 227.
  10. Vgl. Götz/Rack, Hessische Abgeordnete 1820–1933, S. 145.
  11. Vgl. Stadtlexikon Darmstadt, S. 159; Rack/Vielsmeier, Hessische Abgeordnete 1820–1933, S. 227.
  12. Vgl. Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V./Projekt „Darmstädter Biografien 1933–1945“, Darmstädter Biografien, S. 5, 7.
  13. Vgl. Rack/Vielsmeier, Hessische Abgeordnete 1820–1933, S. 227; Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 11.5.2005, Nr. 108, S. 53, Klopfzeichen aus einer anderen Welt.
  14. Vgl. Sterbebescheinigung ausgestellt vom KZ Dachau vom 9.8.1945, gedruckt in: Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V., Darmstädter Biografien, S. 13. Die am gleichen Tag ausgestellte Sterbeurkunde nennt ebenfalls den 14.5.1945 als Sterbedatum.
  15. Vgl. Webangebot der KZ-Gedenkstätte Dachau sowie Informationen von Herrn Ulrich Unseld, KZ-Gedenkstätte Dachau, mitgeteilt per Mail vom 20.3.2015.
  16. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 11.5.2005, Nr. 108, S. 53, Klopfzeichen aus einer anderen Welt.
  17. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 13.5.1965, S. 20, An Delps Grab; Rack/Vielsmeier, Hessische Abgeordnete 1820–1933, S. 227.

Literatur
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde