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Wahlen zum Hessischen Landtag, 27. Oktober 1974

Bei den hessischen Landtagswahlen wird die CDU mit 47,3 Prozent der gültigen Stimmen und 53 (von 1101) Landtagsmandaten erstmals in Hessen stärkste Partei. Der Stimmenanteil der SPD geht von 45,9 Prozent auf 43,2 Prozent zurück. Die mit ihr in einer Koalition verbundene FDP erhält nur noch 7,4 Prozent der Stimmen. Alle anderen Parteien, darunter die NPD (1,0 Prozent) und die DKP (0,9 Prozent) scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde und sind im Landtag nicht vertreten. Auffällig am Wahlergebnis ist auch, dass die CDU auch in den großen Städten Frankfurt am Main, Wiesbaden, Darmstadt, Gießen und Hanau stärkste Partei wird und deutlich vor der SPD liegt. Die Wahlbeteiligung lag bei 84,8 Prozent.
(OV)

Wahlanalyse2

Wahlbeteiligung

Auf Wahlkreisebene wird die höchste Wahlbeteiligung im Wahlkreis 23/Kassel-Land-Südost erreicht, dort gehen von 77.161 Wahlberechtigten 74.507 zur Urne, was einem Anteil von 90,5 Prozent entspricht. Die geringste Wahlbeteiligung gibt es dagegen in der Landeshauptstadt, so werden in den beiden neu gebildeten Wiesbadener Wahlkreise Werte von 75,9 und 77,3 Prozent erreicht.

In den Gemeinden werden die höchsten Wahlbeteiligung in Hosenfeld (Kreis Fulda, 91,1 Prozent), Wollmerschied (Rheingaukreis, 90,8 Prozent) und Krofdorf-Gleiberg (Lkr. Wetzlar, 90,2 Prozent) erreicht. Den geringsten Wähleranteil gibt es dagegen in Medenbach (Dillkreis, 65,2 Prozent), Arnsburg (Lkr. Grießen, 68,6 Prozent) und Frohnhausen (Dillkreis, 69,4 Prozent).

Wahlergebnis der SPD

Die besten Ergebnisse erzielte die SPD wie schon vier Jahre zuvor in den vom Neuzuschnitt nicht betroffenen Wahlkreisen 2/Kassel-Land-Südost und 5/Kassel-Stadt II mit 57,8 und 55,4 Prozent. In Kassel erreicht die Partei mit 54,6 Prozent auch ihr bestes Großstadtergebnis.

Ihren Tiefstwert erzielen die Sozialdemokraten mit 26,3 Prozent im Wahlkreis 14/Fulda-Mitte.

Auf Gemeindeebene erzielen sie in in Hohenroda (Landkreis Hersfeld-Rotenburg, 69,0 Prozent) und Nieste (Landkreis Kassel, 67,5 Prozent) ihre besten Ergebnisse, ihre Schlechtesten dagegen in Poppenhausen ( Landkreis Fulda, 10,3 Prozent) und Antrifttal (Vogelsbergkreis, 10,5 Prozent). Begünstigt durch die seit 1972 laufende Gebietsreform gelingt ihnen damit bei dieser Landtagswahl erstmals in jeder hessischen Gemeinde Stimmen zu erhalten.

Wahlergebnis der CDU

Die Christdemokraten erzielt erneut im Wahlkreis 14/Fulda-Mitte mit 68,7 Prozent ihr mit Abstand höchstes Ergebnis. Ihr bestes Großstadtergebnis erreichen sie mit 47,5 Prozent in Wiesbaden. Auch in Frankfurt (46,5 Prozent) und Darmstadt (44,2 Prozent) erzielt sie beachtliche Stimmanteile.

Ihre niedrigsten Werte erhält die Partei in den SPD-dominierten Wahlkreisen 2/Kassel-Land-Südost und 5/Kassel-Stadt II mit 33,7 und 34,8 Prozent.

Auch auf Gemeindeebene zeigt sich, dass Wechselverhältnis von CDU- und SPD-Stimmen, denn die Christdemokraten erzielen ihr Höchstwerte, dort wo die Sozialdemokraten ihre Tiefstwerte erzielten, Antrifttal (Vogelsbergkreis) mit 87,8 Prozent und Poppenhausen ( Landkreis Fulda) mit 87,3 Prozent, und umgekehrt, Hohenroda (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) 26,0 Prozent und Nieste (Landkreis Kassel) mit 26,3 Prozent.

Wahlergebnis der FDP

Die Freien Demokraten erreichen weiterhin ihre Bestwerte in den Großstädten, vor allem in Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt, müssen dort jedoch im Vergleich zu 1970 erhebliche Verluste hinnehmen, so verlieren sie in den beiden Darmstädtischen Wahlkreisen 49 und 50 mehr als fünf Prozentpunkte und erzielen nur noch einen Stimmenanteil von 10,6 und 10,5 Prozent. Ihr bestes Wahlkreisergebnis erreichen sie mit 11,0 Prozent im Wahlkreis 26/Wiesbaden-Stadt.

Die geringsten Stimmanteile erreichen sie mit 3,0 Prozent im Wahlkreis 22/Limburg-Weilburg-West.

Ihre höchsten Ergebnisse auf Gemeindeebene erzielt die Partei im neu geschaffenen Landkreis Waldeck-Frankenberg, wo sie fünf ihrer sieben Höchstwerte verbuchen kann. Spitzenreiter ist dabei Frankenau mit 27,8 Prozent. In ihrer traditionellen Problemzone, dem Landkreis Fulda, liegen sieben ihrer 15 niedrigsten Werte, unter anderem Rasdorf (0,05 Prozent), wo sich von 992 Wählern nur fünf für die Freien Demokraten entscheiden.


  1. Durch ein im Februar dieses Jahres beschlossenes Gesetz wurde die Anzahl der Mandate von 96 auf 110 erhöht.
  2. Erarbeitet auf Grundlage von Informationen des Hessischen Statistischen Landesamtes.
Belege
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Wahlen zum Hessischen Landtag, 27. Oktober 1974“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/214> (Stand: 27.10.2020)
Ereignisse im September 1974 | Oktober 1974 | November 1974
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Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde