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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 63. Schrecksbach

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Willingshausen

Ortsteil · 245 m über NN
Gemeinde Willingshausen, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Gemeinde

Lagebezug:

7 km südwestlich von Ziegenhain

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss auf der Mittel- und Niederterrasse des Antrefftales. Am nördlichen Ortsrand Schloss mit Gutsanlagen und Park. Angehängt die örtliche Kirche. Nach Südosten anschließend die dörfliche Siedlung mit überwiegend dichter Gehöftanordnung. Moderne Bebauung im Nordwesten sowie entlang der Straße Bernsburg bzw. Neustadt - Merzhausen. Abgesetzt vom Ort auf dem rechten Antreffufer Forsthof.

Straßen von Bernsburg bzw. Neustadt treffen am südwestlichen Ortsrand aufeinander.

Straßen nach Wasenberg und Merzhausen.

Durch Willingshausen führte ein jüngerer Zweig der alten Landstraße durch die Langen Hessen, ferner die alte Straße von Alsfeld nach Treysa.

Ersterwähnung:

1080

Historische Namensformen:

  • Willichashuson (um 1080) (MGH SS X, S. 606)
  • Willingeshusun, de (1106)
  • Willingeshusen major (1262)
  • Willingshausen (1585)

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa 1258

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Rittergut Willingshausen: Der Gutsbezirk (Rittergut) der von Schwertzell zu Willingshausen umfasste 1885: 775 Hektar, davon 94 Hektar Ackerland, 38 Hektar Wiesen und 641 Hektar Wald.
  • Herrenhaus (Schloss) repräsentativer Renaissancebau Mitte 16. Jahrhundert (Wappentafel von 1496; Obergeschoss 1697 erneuert).
  • 1928: Eingemeindung des aufgelösten Gutsbezirks Rittergut Willlingshausen.

Umlegung der Flur:

1877/1933

Älteste Gemarkungskarte:

1718

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3513976, 5635048
UTM: 32 U 513896 5633234
WGS84: 50.85063543° N, 9.197403957° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634026080

Flächennutzungsstatistik:

  • a) Gemarkung Willingshausen:
  • 1838 (Kasseler Acker): 700 stellbares Land, 150 Wiesen, 23 Gärten, 50 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 477, davon 269 Acker (= 56.39 %), 85 Wiesen (= 17.82 %), 0 Holzungen
  • 1961 (Hektar): 1251, davon 666 Wald (seit 1928 nämlich mit Rittergut Willingshausen).
  • b) Gutsbezirk (Rittergut) der von Schwertzell zu Willingshausen:
  • 1885 (Hektar): 775, davon 94 Ackerland, 38 Wiesen und 641 Wald.
  • 1928: Eingemeindung des aufgelösten Gutsbezirks Rittergut Willlingshausen.

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 53 Hausgesesse
  • 1639: 45 Männer, 5 Witwen.
  • 1681: 42 Hausgesesse, 3 Ausschuss, 1 Junggeselle.
  • 1747: 4 Schneider, 2 Schreiner, 1 Schuster, 1 Drechsler, 16 Leineweber, 1 Wagner, 1 Schmied, 3 Handelsjuden, 13 Tagelöhner, 12 Tagelöhnerinnen.
  • 1747: 49 Feuerstellen, 349 Einwohner.
  • 1834: 592, 1885: 642 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 20 Ackerbau, 30 Gewerbe, 33 Tagelöhner.
  • 1861: 674 evangelisch-reformierte Einwohner., 45 Juden.
  • 1885: 583, davon 546 evangelisch (= 93.65 %), 0 katholisch, 4 andere Christen (= 0.69 %), 33 Juden (= 5.66 %)
  • 1925: 620, 1939: 691, 1950: 1035, 1961: 851 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 202 Land- und Forstwirtschaft, 154 produzierendes Gewerbe, 43 Handel und Verkehr, 37 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 851, davon 759 evangelisch (= 89.19 %), 87 katholisch (= 10.22 %)

Diagramme:

Willingshausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Um 1080: in Hassia provincia (MGH SS X, S. 606).
  • 1360/67 und später: Gericht auf den Wasen (Amt Ziegenhain)
  • 1585 und später: adliges Dorf (von Schwertzell) im Amt Ziegenhain
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Neustadt
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

  • 1822: Justizamt Ziegenhain
  • Seit 1867: Amstgericht Ziegenhain
  • Seit 1945: Amtsgericht Treysa
  • Auf eine ehemalige Richtstätte weist der Flurname Galgenhecke im nordöstlichen Randbereich der Gemarkung.

Herrschaft:

Willingshausen war hersfeldisches Lehen der Grafen von Ziegenhain,

seit 1434 der Landgrafen, die Willingshausen an Damme von Weitershausen verpfändeten.

1489 wird diese Pfandschaft von den von Rückershausen ausgelöst, die seitdem von den Landgrafen mit Willingshausen belehnt sind;

seit 1569 auch mit der hohen (peinlichen) Gerichtbarkeit.

Nach 1576 landgräfliches Lehen der von Schwertzell (zu Willingshausen).

1585 und später: adliges Dorf (von Schwertzell) im Amt Ziegenhain.

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung des aufgelösten Gutsbezirks Rittergut Willlingshausen.

Am 31.12.1971 schloss sich Willingshausen im Zuge der hessischen Gebietsreform zunächst mit den Gemeinden Merzhausen und Zella (inklusive Gungelshausen) zur neu gegründeten (Groß-)Gemeinde Antrefftal zusammen, wo es einen Ortsteil darstellte. Die Gemeinde Antrefftal existierte nicht lange und vereinigte sich am 1.1.1974 mit den Gemeinden Leimbach, Loshausen, Ransbach, Steina und Wasenberg zur neuen (Groß-)Gemeinde Willingshausen, wohin die Ortsteile von Antrefftal als eigenständige Ortsteile übernommen wurden. Zur weiteren Entwicklung s. Willingshausen, Gemeinde.

Obwohl Willingshausen den Namen der Gemeinde stellt, befindet sich die Gemeindeverwaltung inzwischen im Ortsteil Wasenberg.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1258 überträgt der Ritter Heinrich Kobold der Propstei Neuenberg/Fulda zum Ersatz für entfremdetes Vogtgut in Röllshausen 2 Hufen im Dorf Willingshausen.
  • 1261 vertauschen die von Gerwigshain Kloster Haina ihre Güter zu Willingshausen gegen eine Wiese bei Ziegenhain.
  • 1262/64 erwirbt Kloster Haina den Güterbesitz der von Ruhlkirchen in Groß-Willingshausen.
  • 1269 vertauschen die von Ruhlkirchen ihre sämtlichen Güter in Trockenbach gegen Klostergüter in Willingshausen und Röllshausen.
  • 1273 überlassen die von Linden Haina 8 Schillinge Einkünfte aus ihrer Mühle zu Willingshausen (im oberen Teil des Dorfes).
  • 1273 übereignet Haina seinen Anteil an der Mühle dem Dominikanerorden Marburg.
  • 1276 erwirbt Kloster Haina von Schwester Lutgard von Willingshausen deren Güter zu Willingshausen mit Ausnahme einer Hofstatt; solange Lutgard lebt, wird sie dem Kloster von diesen Gütern nach Landsiedelart jährlich 1 Pfund Wachs zinsen.
  • 1290 erwirbt Haina von Heinrich von Willingshausen einige Güter.
  • 1292 schenkt die Begine Jutta genannt von Willingshausen ihre Güter dem Kloster.
  • 1296 vertauschen Ritter Ludwig genannt Waltvogel und seine Frau Haina einen jährlichen Zins aus ihrem Vorwerk (allodium) im Dorf Willingshausen am Walde gegen Einkünfte aus Klostergütern in Loshausen.
  • 1330 bekennt der Wäppner Konrad von Fischborn, dass er mit Einwilligung seiner Verwandten ein Gut zu Willingshausen (auf dem Graben gelegen) dem ehrbaren Knecht Heinrich von Rauschenberg, Bruder Graf Johanns von Ziegenhain, verkauft hat.
  • 1389/1412 vermachen die von Momberg Kloster Immichenhain ihr Gut und Vorwerk innerhalb und außerhalb des Dorfes Willingshausen.
  • 1413 verkauft Henne Waltvogel seinem gleichnamigen Neffen und dessen Frau seine Güter zu Willingshausen mit Ausnahme eines Hofes.
  • 1487 verpachtet das Kloster Spieskappel zu Landsiedelrecht eine Hofstatt auf dem Hof des Klosters.
  • 1522 umfasst der Klosterbesitz 2 Gärten, auf denen Haus und Scheuer erbaut sind.

Zehntverhältnisse:

Um 1585 steht der Zehnte zu Willingshausen den Schwertzell zu.

Ortsadel:

1106-1269: von Willingshausen;

seit 1576: von Schwertzell zu Willingshausen

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Pleban 1277 (Wyss I Nr. 338)

Patrozinien:

  • Georg (1360)

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarrkirche ohne Beidörfer

Patronat:

1446 alternierend von Kloster Hersfeld und den Nodung von Wehrda wahrgenommen.

1566/85: nur Hersfeld Patron,

dagegen 1580 und noch 1780: alternierender Patronat wie 1446.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Paul Hahn ca. 1520-1533(1535?), unbekannt, seit wann evangelisch

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Treysa.

Juden:

1744: 2 jüdische Familien.

Der Ort gehört zur Gemeinde Merzhausen.

1747: 3 Handelsjuden.

1842: ca. 30 Juden.

1861: 45 Juden.

1905: 27 Juden.

vor 1933: 5 Familien, zumeist im Textilhandel tätig.

Die in Willingshausen ansässigen Juden benutzen die Synagoge in Merzhausen.

Kultur

Kultur:

Malerkolonie Willingshausen:

Aus der Zusammenarbeit des mit einer Schwertzell verheirateten Livländers Gerhard von Reutern (1794-1865) mit Ludwig Grimm (1790-1863) erwuchs seit den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts die Malerkolonie Willingshausen, deren bedeutendsten Repräsentanten Ludwig Knaus (1829-1910) und Carl Bantzer (1857-1941) waren. Ihre Hochblüte erlebte die Malerkolonie um 1900.

Wirtschaft

Mühlen:

1273 überlassen die von Linden Haina 8 Schillinge Einkünfte aus ihrer Mühle zu Willingshausen (im oberen Teil des Dorfes).

1273 übereignet Haina seinen Anteil an der Mühle dem Dominikanerorden Marburg.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Willingshausen, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4804> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde