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Frankenau

Stadt · 430 m über NN
Gemeinde Frankenau, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

10 km nordöstlich von Frankenberg (Eder)

Lage und Verkehrslage:

Geschlossener Ort mit regelhaften Grundrissmerkmalen und geradlinigem Straßennetz am Nordwestrand des Kellerwaldes am Oberlauf des Eder-Zuflusses Lorfe (Lorfebach). Kirche in zentraler Lage. Jüngere Siedlungsausdehnung nach Nordwesten. Durch den Ort führt die L 3085, die die B 252 und die B 253 verbindet.

Ersterwähnung:

1246/47

Siedlungsentwicklung:

Die Stadt entstand als Häuserkranz um den Hügel mit der Kirche herum. Wohl im Laufe des 13. Jahrhunderts wuchs um den inneren Ring ein zweiter Häuserring, der dem dem Ort das Aussehen einer geschlossenen, befestigten Stadt gab. Frankenau hatte jedoch keine Mauern, sondern lediglich Wälle und noch bis weit in die Neuzeit hinein nach außen befestigte Häuser. In der ersten Hälfte erfolgte der Abriss der drei Stadttore (Obertor 1818, Niedertor 1833, Neutor um 1836). Nach starker Zerstörung durch einen Brand 1865 in den folgenden Jahren Wiederaufbau über reguliertem Grundriss mit gradlinigem Straßennetz, nur die Straßenverläufe um die Kirche blieben weitgehend erhalten. Die Parzellen wurden vergrößert und regelmäßiger zugeschnitten.

1928: Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Forstes Frankenau

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Älteste Gemarkungskarte:

1776

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3495483, 5661893
UTM: 32 U 495411 5660068
WGS84: 51.09209422° N, 8.934467456° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635010050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1077, davon 519 Acker (= 48.19 %), 214 Wiesen (= 19.87 %), 80 Holzungen (= 7.43 %); Oberförsterei Frankenau: 2127, davon 1 (Ackerland), 33 (Wiesen), 2050 (Holzungen)
  • 1961 (Hektar): 1935, davon 878 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 115 Haushaltungen
  • 1747: 145 Haushaltungen
  • 1885: 995, davon 939 evangelisch (= 94.37 %), 2 katholisch (= 0.20 %), 54 Juden (= 5.43 %)

Diagramme:

Frankenau: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1459: Landgrafschaft Hessen, Amt Frankenberg-Wolkersdorf
  • 1557: Landgrafschaft Hessen, Amt Frankenberg
  • 1567-1604: Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Frankenberg
  • 1604: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Frankenberg
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Oberhessen, Amt Frankenberg, Stadt Frankenau
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Frankenberg, Stadt Frankenau
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Werradépartement, Distrikt Marburg, Kanton Frankenau
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Frankenberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Frankenberg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Frankenberg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Frankenberg

Gericht:

  • 1277 und später: Stadtgericht Frankenau
  • 1527: eyn eigen gericht
  • 1535: das Stadtgericht hat seinen Oberhof in Frankenberg
  • 1810: Friedensgericht Frankenau
  • 1821: Justizamt Frankenberg
  • 1832: Justizamt Frankenau
  • 1853: Justizamt Frankenberg
  • 1867: Amtsgericht Frankenberg

Herrschaft:

1266 bestätigt Landgraf Heinrich den Bürgern (oppidani) von Frankenau (Wrankenowe) alle ihnen von seinem verstorbenen Onkel, dem römischen Könige Heinrich (Raspe), Landgrafen von Thüringen, verliehenen Rechte und Freiheiten (omne ius et libertatem).

Vertreter der Herrschaft: scultetus (1277)

Vertreter der Stadt: 1497 Bürgermeister und Rat (Landgrafen-Regesten online Nr. 5890). Im 16. oder 17. Jahrhundert Einrichtung der zwei Gemeindevorsteher als eigene Vertreter der Gemeinde gegenüber dem Rat (HStAM Bestand 17 e Nr. Frankenau 32)

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Frankenau.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Landgräfin Sophie belehnt (1248-1262) die von Löwenstein mit 13 Pfund Pfennigen hessischer Währung in Frankenau zu Erbmannlehen (Landgrafen-Regesten online Nr. 29). Die Lehnsurkunden reichen bis zum Jahr 1841.
  • Das Kloster Haina und das nachfolgende Hospital verfügten über verschiedene Lehnsgüter in Frankenau. Im Salbuch des Klosters Haina von 1557 werden die Spitalgüter aufgeführt, von denen jährlicher Zins anfiel (HStAM Bestand S Nr. 348 und HStAM Bestand S Nr. 349)

Zehntverhältnisse:

1303 hat der Ritter Eckhard von Helfenberg die Hälfte des Zehnten als landgräfliches Lehen inne. 1409 verzichtet Rudolf von Helfenberg, Burgmann zu Wolfhagen, u.a. auf die Hälfte des Zehnten zu Frankenau, den er als hessisches Lehen innehat, zugunsten der Landgrafen.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1319: Priester
  • 1377: plebanus
  • Über einen mittelalterlichen Vorgängerbau ist nichts bekannt. In einer Karte von vor 1590, die den Grenzverlauf zwischen Hessen und den Herrschaften Itter und Waldeck von Waldeck bis Frankenau zeigt, ist die Kirche von Frankenau eingezeichnet (HStAM Bestand Karten Nr. P II 15804).
  • Kirchbau Ende des 18. Jahrhunderts baufällig, 1834-1859 klassizistischer Saalbau, nach dem Brand von 1865 in den Jahren 1866-78 als neugotischer Saalbau mit dreiseitigem Chor neu errichtet

Pfarrzugehörigkeit:

Mittelalterliche Pfarrei ohne Filial, 1577 bis 1665 gehört Altenlotheim dazu. Im 16. Jahrhundert ist Frankenau mit der Pfarrei Quernhorst verbunden. 1613: Struthmühle

Die zeitweiligen Filialgemeinden Allendorf und Dainrode gehören 1994 zu den Kirchspielen Louisendorf bzw. Geismar

Patronat:

1577: landgräflich; der Landgraf besitzt als Stadtherr vermutlich seit Errichtung der Pfarrei das Patronatsrecht

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Conrad Hahn gen. Sifriedt 1527-1553, ehemaliger Johanniterbruder in Wiesenfeld

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Frankenau

Juden:

Provinzial-Rabbinat Marburg; 1785: 7 Juden; 1824: 6 Schutzjuden; 1835: 5 Juden; 1861: 40 Juden; 1905: 62 Juden; 1932/33 55 Juden (5,00% Gesamtbevölkerung). Viele der Bewohner sind in die USA und nach Palästina ausgewandert, auch Umzüge innerhalb Hessens und Deutschland. Die letzten Abmeldungen 28. März 1939.

Die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung war im Handel (Vieh, Ellenwaren; Spezerei) tätig.

Unklar, seit wann Juden im Ort nachweisbar sind.

Synagoge in Rie(s)chestraße, sie wurde vermutlich nach 1865 gebaut. Vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde das alte Synagogengebäude abgerissen.

Schule von 1868 bis 1908 belegt, sie wurde zunächst wohl nur für Religionsunterricht genutzt. 1874 erfolgte die Anerkennung als öffentliche israelitische Elementarschule, 24 Schüler.1886 nur noch 10 Schüler, 1893 7 Schüler. 1894 wurde die Auflösung der Schule verfügt, die vier Jahre später umgesetzt wurde. Seit 1902 offizielle Privatschule, 20 Schüler 1907. Daraufhin wird die Schule wieder verstaatlicht und bestand bis zur Auflösung im Jahr 1924. 1939 noch ein jüdisches Schulkind im Ort.

Friedhof an der Wildunger Straße gelegen, er wurde bis 1830 auch von den Juden aus Vöhl belegt. (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Tilemann Ungewitter 1546-ca. 1550

Historische Ereignisse:

1865 fast völlige Zerstörung durch Brand

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Zum Sendbezirk Frankenau gehörten im 15. Jahrhundert: Frankenau, Löhlbach

Mühlen:

Vgl. die unter den Siedlungsplätzen angegebenen Mühlen.

Die Karte von Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 17 , (1708/10) zeigt neben der städtischer Mühle vor dem Niedertor, die 1839 abgerissen wurde, noch eine weiter Mühle.

Markt:

1854 vier unbedeutende Jahrmärkte

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Frankenau, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1125> (Stand: 16.5.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde