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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 71. Amöneburg

Rauischholzhausen

Ortsteil · 220 m über NN
Gemeinde Ebsdorfergrund, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Burg; Dorf; Hof; Schloss; Sonstiges

Lagebezug:

7 km südlich von Kirchhain.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss. Nach Süden abgesetzt Schloss mit Parkanlage beiderseits des Rülfbachs; südöstlich und nordwestlich 2 Gutshöfe. Hauptkomplex der dörflichen Siedlung in der Talaue. Im südöstlich Ortsbereich mehrere Mühlengehöfte.

Straße Wittelsberg-Roßdorf.

Ersterwähnung:

750/779

Historische Namensformen:

  • Holzhusen (750/779, nach Abschrift des 12. Jahrhunderts) [Urkundenbuch des Klosters Fulda 1, Nr. 113]
  • Holzhus (750/779, nach Abschrift des 12. Jahrhunderts)
  • Holczhusen (1320)
  • Holtzhuse (1332)
  • Holczhusin apud Rostorp (1375)
  • Holzhusen vor dem Schyneberg (1380)
  • Holtzhausen (1708/10)
  • Rauischholzhausen (1934)

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Wüstung -> Breitenborn
  • Wüstung -> Siebenbrunnen

Umlegung der Flur:

1876, 1884/1886

Älteste Gemarkungskarte:

1780/1787

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3491840, 5624810
UTM: 32 U 491769 5623000
WGS84: 50.75871373° N, 8.883301398° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534008080

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1031 stellbares Land, 408 Wiesen, 42 Gärten, 62 Triesche, 769 Wald.
  • 1885 (Hektar): 879, davon 275 Ackerland, 82 Wiesen, 448 Holz.
  • 1961 (Hektar): 879, davon 482 Wald (= 54.84 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 39 hausgesessene 1747: 59 Haushalte
  • 1725: 2 Ziegler genannt
  • 1749: 2 adlige Burgsitze, 56 kontribuable Hs., 5 Mühlen; zus. 419 Einwohner
  • 1749: 22 Leineweber, 1 Wollweber mit 2 Gesellen, 6 Schneider, 3 Schuhmacher, 3 Stellmacher, 2 Schmiede, 1 Küfer, 1 Drechsler, 2 Maurer, 5 Müller, 1 Barbier, 1 Schlachter, 1 Schreiner, 1 Branntweinbrenner, 1 Mühlenarzt, 8 Tagelöhner und -innen, 6 Juden.
  • 1838 (Familien): 26 Ackerbau, 39 Gewerbe, 54 Tagelöhner 46 nutzungsberechtigte, 39 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 36 Beisitzer.
  • 1838: 634
  • 1861: 573 evangelisch-lutherisch, 2 evangelisch-ref., 78 jüd. Einwohner, 1 Mitgl. abweichender Sekten.
  • 1885: 615
  • 1925: 682
  • 1939: 722
  • 1950: 1095
  • 1961 (Erwerbspersonen): 158 Land- und Forstwirtschaft, 199 Produzierendes Gewerbe, 31 Handel und Verkehr, 83 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 946, davon 852 evangelisch (= 90.06 %), 83 katholisch (= 8.77 %)

Diagramme:

Rauischholzhausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 750/779: Lahngau; in pago Hessorum (Urkundenbuch des Klosters Fulda 1 Nr. 113, 116). Seit ca. 1190-1369: mainzisch Vogtei der Dynasten von Eppstein. 1369 und später: adliges Gericht unter mainzisch Lehnshoheit. In der 1. H. 16. Jahrhundert heftige Auseinanaersetzungen zwischen Landgrafen und Erzstift um die Landeshoheit; 1577 und später von den Landgrafen beansprucht, aber noch 1778 weigerte sich Mainz, die hess. Landeshoheit anzuerkennen. 1803 fällt H. als sog. Reichsdorf an Kurhessen
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Amöneburg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Assistenzamt Amöneburg
  • 1831: Justizamt Amöneburg
  • 1866: Justizamt Kirchhain
  • 1867: Amtsgericht Amöneburg
  • 1932: Amtsgericht Kirchhain

Herrschaft:

Vogtei, Gericht. Um 1190 belehnt das Erzstift Mainz die Dynasten von Eppstein mit der Vogtei H. Seit ca. 1220/30 ist die Vogtei Afterlehen Adolfs von Nordeck und Widerolds von Marburg. 1282/83 hat Werner von Schröck Dorf, Vogtei und Patronat. Um die Mitte 14. Jahrhundert war das eppstein. Afterlehen im Besitz eines Ganerbenverbandes (v. Schröck, von Boppenhausen, von H., Rau von Nordeck, Rau von Frauenberg), als dessen Stammvater der Ritter Werner von Schröck zu erschließen ist; unsicher, ob die 1220/30 genannt und miteinander verwandten von Nordeck und von Marburg Ahnherren des späteren Ganerbenverbandes in H. sind. 1361 bekennt Burghard von H., Ganerbe des Gericht, daß er dem Erzstift Mainz ein Fünftel seines Teils des Gericht mit allem Zubehör verkauft hat; desgl. Adolf von Sehröck und Johann von Sehröck, genannt von Boppenhausen je ein Fünftel ihrer Ganerbschaft. 1365 werden die mainzisch Käufe auf landgräflich Einspruch für rechtsungültig erklärt; erst 1369 geben die Eppsteiner Gericht und Vogtei an Mainz zurück; die Rau von H. werden an den Mainzer Eb. als Lehnsherrn verwiesen. Im gleichen Jahr teilen die von H. ihren Besitz unter sich auf; Burghard, Adolf und Johann von H. verkaufen dem Erzstift ihren Anteil an Gericht, Vogtei, Gütern und sonstigem Zubehör, den sie bisher mit den Rau von H. in Ganerbschaft besessen hatten. 1380 bekennen Adolf und Heinrich von H., daß sie dem Landgraf ein Drittel ihres Hauses aufgelassen haben und die anderen zwei Drittel von ihm zu Mannlehen tragen wollen; mehr soll der Landgraf an Anteilen an Burg und Gericht weder von ihnen noch von ihren Ganerben erhalten. 1577 stehen den Rau von H. Gericht und Peinlichkeit in R. zu; die Landeshoheit hat der Landgraf Ende der Patrimonialger.barkeit 1850.

- Auf die Urteilsstätte weist der Flurnamen Galgeneiche (am N-Rand des Ortes)

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung des Gutsbezirks Holzhausen.

Am 1.7.1974 wurde Rauischholzhausen im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Ebsdorfergrund eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 750/779 überträgt Frau Rudun Besitz in Holzhausen an Kloster Fulda; zur gleichen Zeit erhält das Kloster Güterbesitz von einem Altrat sowie von (Graf?) Argoz den dritten Teil seines Besitzes. 802/817 schenkt Ezzilo Besitz in H. dem Kloster (sofern nicht H., Kreis Fritzlar-Homberg). - Um 1248 hat das Erzstift Mainz 2 Hufen und 1 Mühle in H. - 1261 entsagen die von Merlau ihren Ansprüchen auf die vom Deutsche Orden Marburg in H. erworbenen Güter; im gleichen Jahr erwirbt der Deutsche Orden von Mechthild von Bleichenbach und ihren Söhnen Güterbesitz. Weitere Erwerbungen des Deutsche Orden in H. 1306-1329; 1320 vertauscht der Deutsche Orden seinen Besitz an Adolf von Schröck. 1388 erwirbt der Deutsche Orden Güterbesitz von dem Ziegenhainer Burgmann Wenzel Hochgemut. - Vor 1315 erwirbt Kloster Arnsburg durch Schenkung der von Klein Güterbesitz in H. - 1369 verkaufen Burghard, Adolf und Johann von H. ihren Anteil an Gütern und Gülten aus der Ganerbschaft mit den Rau von Holzhausen an das Erzstift Mainz, von dem dieser Besitz bislang zu Lehen ging; genannt sind neben Wäldern 2 Hufen und 9 Güter. Die Rau von H. waren die bedeutendsten Grundherren am Ort. 2 adlige Burgsitze 1749 erwähnt Die sog. untere Burg (Wasserburg) mit 1014 Kass. Acker Güterbesitz (davon 646 Acker Wald) war landgräflich Mannlehen. Die obere, vom Erzstift Mainz zu Lehen gehende sog. Burg (Herrenhaus mit Wirtschaftsgebäuden), 1769 auch Linsing'sche Burg genannt, hatte als Zubehör 887 Acker Land (davon 496 Wald). 1749 und später gehörten den Rau von H. 5 Mühlen im Dorf, die alle in Erbleihe verpachtet waren: Oberste Mühle (1769: Stammsmühle) mit 1 Mahl- und 1 Schlaggang; Burgmühle mit 2 Mahlgängen und 1 Schlaggang (vor Erbauung der sog. Unteren Burg Burgsitz der Rau von H.) sowie 3 weiteren Mühlen mit jew. 1 Mahl- und 1 Schlaggang. - Der Besitz der Rau von H. 1873 an Botschaftsrat Freiherr von Stumm verkauft. Schloß mit Parkanlage 1875 erb

Ortsadel:

1356 bis Ende 19. Jahrhundert

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Patronat:

1282/83 eppsteinisches Lehen Werners von Schröck.

1361 erwirbt das Erzstift Mainz von den Ganerben des Gerichts 3 Fünftel des Kirchsatzes.

1369 erhalten die Rau von Holzhausen den gesamten Kirchsatz.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Ludwig Becker ca. 1530

Reformierter Bekenntniswechsel: 1619, 1624 wieder lutherisch. 1641 tritt der amtierende lutherische Pfarrer zum Katholizismus über.

Versuche des Mainzer Erzbischofs, den katholischen Glauben in Holzhausen wieder einzuführen, scheitern am Widerstand der Rau von Holzhausen und des sie unterstützenden Landgrafen.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Amöneburg. Dekanat Amöneburg

Juden:

Provinzial-Rabbinat Marburg, Wittelsberg angeschlossen

1749: 22; 1835: 57; 1861: 78; 1905: 52; 1932/33: 18 Juden; bis 1939 nur noch 7 Juden

Möglicherweise leben Juden seit dem 30jährigen Krieg im Ort, spätestens seit Ende des 17. Jahrhunderts; ein Jude 1705 genannt. 1744: 6 jüdische Familien.

1850 waren unter 12 Familien 1 Arzt und Lehrer, 10 Viehhändler, 1 Handwerker.

Synagoge 1872 erbaut, 1935 abgerissen.

Im Ort gab es seit dem 19. Jahrhundert eine jüdische Elementarschule, die zwischen 1918 und 1924 aufgelöst wurde - aufgrund geringer Kinderzahlen.

Berufe: Viehandel, Kolonial-, Kurz- und Textilwarenhandel

Friedhof im Ort auch Roßdorf, Mardorf, Leidenhofen, Ebsdorf und Schweinsberg haben an diesem Anteil. Er liegt südwestlich vom Ort, über die Straße Hoppegarten zu erreichen. (alemannia-judaica)

Wirtschaft

Wirtschaft:

1938 wurde der Gutsbetrieb der Familien von Stumm durch die William-Kerckhoff-Stiftung in Bad Nauheim der Universität Gießen pachtweise für die Agrarforschung überlassen. Seit 1948 Versuchsgut des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Universität Gießen. Seit 1949 ist im Schloßbau eine Hessische Landwirtschaftliche Beraterschule untergebracht.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Rauischholzhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9177> (Stand: 16.10.2018)
 
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