| ID | 1289 |
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| Anschrift heute | Louisenschloß Wingertsberg, Hauptgebäude |
| Häusernamen | Wingertsbergschlösschen Louisenschloß |
| Namen in Kurlisten | Schloss Wingertsberg (1900-1901) Wingertsberger-Schloß (1906-1907) |
| Typ | Hauptgebäude |
| Lage anzeigen | |
| Kunstgeschichtliche Bewertung | denkmalgeschützte Bauten ohne andere Farbcodierung |
| Datum der Errichtung | 1860-1862 |
| Datum des Abgangs | 1966 |
| Denkmalschutz | |
| Grundbuch-Nummer | 15/705 (1907) |
| Parzellen-Nummer | Flurkartenblatt 35 Nr. 3 |
| Lagerbuch-Nummer | Fol. 2101 Nr. 3 bis 9 |
| Siehe auch | |
| Nebengebäude | Louisenschloß Wingertsberg, Gewächshaus |
| Vorschaubilder |
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| Datum der Aufnahme | 5. August 1907 |
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| Bezeichnung | Wohnhaus (Schloß) mit Hofraum und Hausgarten |
| Stockwerke | 3.0 |
| Bauart | "Fachwerk" [?] |
| Dachdeckung | Schiefer |
| Zustand | alt |
| Beschreibung | Erdgeschoß: 1 Küche, 2 Centra[l]heizungen, 2 Keller, 1 Speisezimmer, 1 Esszimmer 1. Stock: 7 heizbare Zimmer, 2 nicht heizbare Zimmer 2. Stock: 1 Badezimmer, 2 nicht heizbare Zimmer 3. Stock: 8 nicht heizbare Zimmer – Nutzwert des Gebäudes insgesamt jährlich 9500 Mark (W) |
| Taxierter Nutzwert | 9500 Mark entspricht Rang 458 von 468 (Typ = Hauptgebäude) |
| Brandkassenwert | 238350 Mark entspricht Rang 371 von 380 (Typ = Hauptgebäude) |
| Nebengebäude 1907 | 1.) Wintergarten, 1 Stockwerk, Bauart massiv, Eisen mit Glas, Dach Eisen mit Glas, Zustand gut; 1 Raum – Nutzwert jährlich 150 Mark (W). In der Lageplanskizze von 1907 mit den littera e schwarz / b rot gekennzeichnet. 2.) Gewächshaus, 1 Stockwerk, Bauart massiv, Dach Glas, Zustand gut; 1 Vorraum, 2 Räume für Pflanzen – Nutzwert jährlich 120 Mark (G). In der Lageplanskizze von 1907 mit den littera d schwarz / c rot gekennzeichnet. 3.) Teehaus, 1 Stockwerk, Bauart massiv, Dach Schiefer, Zustand gut; 2 Räume – Nutzwert jährlich 75 Mark (W). In der Lageplanskizze von 1907 mit der littera d rot gekennzeichnet. 4.) Stallgebäude mit Kutscherwohnung, 2 Stockwerke, Bauart Fachwerk, Dach Ziegel, Zustand gut; Erdgeschoß: Stall für 3 Pferde, 1 Geschirr-Raum, Raum für 6 Wagen – Nutzwert jährlich 150 Mark (G); 1. Stock: 3 Zimmer, 1 Küche, Rest Boden – Nutzwert jährlich 180 Mark (W). In der Lageplanskizze von 1907 mit den littera c schwarz / e rot gekennzeichnet. 5.) Stallgebäude mit Scheune und Gärtnereiwohnung, jeweils teilweise 1 1/2, 2 und 2 1/2 Stockwerke, Bauart/Dach/Zustand der einzelnen Gebäudeteile jeweils Fachwerk/Ziegel/gut; 1 Küche, 1 Waschküche, Stall für 4 Pferde "im 1 1/2 Stock" [= im Gebäudeteil mit 1 1/2 Stockwerken]; Holzstall, Scheune "im 2 Stock" [= im Gebäudeteil mit 2 Stockwerken]; 1 Zimmer (parterre) und 1 Zimmer [darüber?], Dachgeschoß mit 2 kleinen Zimmern "im 2 1/2 Stock" [= im Gebäudeteil mit 2 1/2 Stockwerken], in den Gebäudeteilen mit 1 1/2 und 2 Stockwerken jeweils oben Boden – Nutzwert des Gebäudes insgesamt jährlich 420 Mark (G 220/W 200). In der Lageplanskizze von 1907 mit den littera b schwarz / f rot gekennzeichnet. 6.) Schweinestall, 1 Stockwerk, Bauart Fachwerk, Dach Schiefer, Zustand gut; 1 Stall-Raum für Schweine – Nutzwert jährlich 18 Mark (G). In der Lageplanskizze von 1907 mit der littera g rot gekennzeichnet. 7.) Remise mit Geschirrkammer, 1 Stockwerk, Bauart Bretter [Holz], Dach Pappe, Zustand gut; 1 Wagenremise, 1 Geschirrkammer – Nutzwert jährlich 24 Mark (G). In der Lageplanskizze von 1907 mit den littera f schwarz / h rot gekennzeichnet. 8.) Gewächshaus (errichtet 1913), 1 Stockwerk, Bauart massiv, Dach Glas, Zustand gut; 1 Raum zur Aufbewahrung von Pflanzen – Nutzwert jährlich 24 Mark (G) |
| Bemerkungen | Bemerkung in der Gebäudebeschreibung von 1907: "Das in Frage kommende Schloß hat Frau Möller an den Fabrikanten Eugen Ritter für eine jährliche Pacht von 14.000 Mark auf 5 Jahre verpachtet." Gebäudebeschreibung mit Lageplanskizze 1907: Kennzeichnung der Gebäude jeweils mit schwarzen (alte Zählung) und roten (neue Zählung) littera: 1) a schwarz / a rot Wohnhaus (Schloß); 2) e schwarz / b rot Wintergarten; 3) d schwarz / c rot Gewächshaus; 4) d rot Teehaus; 5) c schwarz / e rot Stallgebäude mit Kutscherwohnung; 6) b schwarz / f rot Stallgebäude mit Scheune und Gärtnereiwohnung; 7) g rot Schweinestall; 8) f schwarz / h rot Remise mit Geschirrkammer. Weitere, undatierte Lageplanskizze (vor 1913). |
| Weitere Beschreibungen | Nach der 1907 vorliegenden bisherigen Gebäudesteuerrolle: Jahrgang der Einschätzung 1895/96 Nr. und Lit. 122 a Jährlicher Nutzungswert 4040 Mark 1913 Veränderungsnachweisung der Katasterverwaltung: Neubau eines Gewächshauses (Geb.St.Roll.-Nr. 1927 i), 1 Stockwerk, Bauart massiv, Dach Glas, Zustand gut; 1 Raum zur Aufzucht von Pflanzen. Neubau benutzbar seit 15. Oktober 1913. Baukostenwert ca. 1.200 Mark. 1922 Veränderungsnachweisung der Katasterverwaltung: Abbruch der Nebengebäude Wintergarten und Remise mit Geschirrkammer im Jahr 1911; Löschung in der Gebäudesteuerrolle u. der Wohnungsbauabgabe, verhandelt Bad Homburg v. d. H., den 8. Juli 1922. 1950 Gebäudebeschreibung der Vermessungsverwaltung: Stallgebäude mit Scheune und Gärtnerwohnung: Abbruch und Umbau zum Wohnhaus, Zeitpunkt des Eintritts der Veränderung 01.10.1949; Abbruch des Schweinstalls; Übertragung der beiden Gewächshäuser auf Gerbäudesteuerrrollen-Nr. 1924, litt. a und b. Gebäudebeschreibung mit Grundskizze 1913: altes Gewächshaus (schwarz schraffiert), neues Gewächshaus (rot schraffiert). Gebäudebeschreibung mit Grundskizze 1950: f Stallgebäude mit Scheune und Gärtnerwohnung; g Schweinestall; Roll.-Nr. 1925, litt. a Gewächshaus. |
| Eigentümerwechsel | 17.9.1898: Kaufbrief
Vorherige(r) Eigentümer: Reggio, André C. (Boston); Reggio, Louise geb. Clark (Ehefrau von André C. Reggio; Boston) Neue(r) Eigentümer: Blumenthal, Anna geb. Meyer (Ehefrau des Kaufmanns August Blumenthal; Hamburg) |
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| Geschichte | Der neogotische Schlossbau wurde nach Entwürfen des Architekten, Maschinenbauingenieurs und Eisenbahnpioniers Edmund Heusinger von Waldegg zwischen 1860 und 1862 für den Geheimen Regierungsrat Friedrich Wiesenbach auf dem ehemaligen „Nacktberg“ (Wingertsberg) errichtet. Seiner Bestimmung nach als Ruhesitz des Regierungsrates konzipiert, erfüllte das Wingertsbergschlösschen zugleich die Funktion eines mit der Anlage des Kurparks korrespondierenden Blickfangs („Point de vue"). Ursprünglicher Besitzer des zum Schloss gehörigen Teils des Wingertsberges war der Homburger Geheimrat Dr. Müller, der das sich bis ins Tal des Kirdorfer Bachs erstreckende Gelände als Garten nutzte. Bis ins 18. Jahrhundert wurde an dieser Stelle Wein angebaut. Aufgrund der attraktiven Lage, die eine beeindruckende Aussicht bis weit in die Rhein-Main-Ebene bot, wählte Regierungsrat Wiesenbach die Örtlichkeit als Standort für das Wingertsbergschlösschen, dessen Architektur im Stil der Zeit einen bunten Stilmix aus Erkern, Türmchen, Zinnen und Spitzbogen-Fenstern aufweist. 1888 wurde das Wingertsbergschlösschen und das dazugehörige Grundstück von einem amerikanischen Geschäftsmann namens Reggio erworben. Zwölf Jahre später verkaufte er den Besitz an die Familie Giulini. 1907 war das Anwesen Eigentum der Witwe des Majors Robert Möller, die das Schloss an den Fabrikanten Eugen Ritter verpachtete. 1909 ging das Wingertsbergschlösschen offenbar in die Hände des kaiserlichen deutschen Konsuls in San Remo, Freiherr Achim von der Goltz (1873-1934) über. Zwischen 1911 und 1959 bewohnten der Major der Elsässisch-Lothringischen Gendarmerie-Brigade Oberstleutnant a. D. Heinrich Hübsch und seine Frau Anna Franziska das Wingertsbergschlösschen; sie durch die Unterlagen der preußischen Katasterverwaltung aus dem Jahr 1913 als damalige Besitzer nachzuweisen. 1919 machten Gerüchte die Runde, dass der zweite Sohn des bisherigen Deutschen Kaisers Wilhelm II., Prinz Eitel Friedrich von Preußen (1883-1942) das Schlösschen erwerben und sich dort niederlassen wolle (vgl. HeBIS Grosche, Heinz: Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe. Hg. vom Magistrat der Stadt Bad Homburg vor der Höhe, Band 4. Drei schwere Jahrzehnte: 1918-1948, Frankfurt am Main 1993, S. 88). Dazu kam es aber nicht. Heinrich und Anna Hübsch standen in einem Verwandschaftsverhältnis mit der Familie Giulini, die ab 1960 erneut in den Besitz des Wingertsbergschlösschens gelangte, und ab 1960 nach und nach Teile des Geländes als Baugrund verkaufte. Baulich befand sich das Schlösschen zu Beginn der 1960er-Jahre in einem schlechten Zustand; 1964 konnte einem drohenden Einsturz noch mit Notabstützungen begegnet werden. Stadtbaurat Theo Mühlmann lancierte Berichte von schweren Gebäuderissen, herunterfallenden Zinnen und Dachziegeln, die schließlich den hessischen Landeskonservator dazu bewogen, das Bauwerk zum Abriss freizugeben, da er in dem verfallenden, stark renovierungsbedürftigen Schloss keinen „historischen oder architektonischen Wert“ sah. 1966 wurde ein 10.000 Quadratmeter umfassender Teil des Schlossgeländes Wingertsberg von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und Trägerin der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland, kurz: BfA; Vorgänger der seit 2005 bestehenden Deutschen Rentenversicherung Bund) erworben. Man ließ das Schlösschen abreißen, einen Teil des wertvollen Baumbestandes im Hardtwald roden und errichtete stattdessen eine 24 Meter hohen Bau für eine Kurklinik mit 280 Betten. Heute existiert mit dem denkmalgeschützten Wohnhaus der Adresse Wingertsbergweg 16 noch ein (wahrscheinliches) Nebengebäude des früheren Wingertsbergschlösschens, vgl. Landesamt für Denkmalpflege: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen: Wingertsbergweg 16, Wohnhaus, Flur 1, Flurstück 1/93, URL: http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=8470&session=1474734&event=Query.Details (eingesehen am 16.02.2015). |
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| Sonstiges | Die Angabe der Hauskoordinate bezieht sich auf die heutige Anschrift Am Wingertsberg 11 (Standort des Reha-Zentrums Bad Homburg Klinik Wingertsberg). |
| Sachbegriffe | Kutscherstuben · Fahrzeughaltung · Pferdeställe · Fahrzeughaltung · Wagenhallen · Fahrzeughaltung · Tierhaltung · Landwirtschafter Betrieb · Verpachtung · Immobilienmarkt · Wohnraumvermietung · Immobilienmarkt |
| Besitzer | Blumenthal, Anna geb. Meyer (Ehefrau des Kaufmanns August Blumenthal, Hamburg, KB 1898) Familie Guilini (ab 1900 und erneut ab 1960) Hübsch, Anna Franziska geb. Joerger (Ehefrau von Heinrich Hübsch, ohne Ortsangabe, 1913, 1922) Hübsch, Heinrich (Major in der Elsässisch-Lothringischen Gendarmerie-Brigade, ohne Ortsangabe, 1913) Möller, Bertha geb. Bauermeister (Witwe von Major Robert Möller, Homburg v. d. H., 1907) Reggio (Amerikanischer Geschäftsmann, ab 1888) Reggio, André C. (Boston, KB 1898) Reggio, Louise geb. Clark (Ehefrau von André C. Reggio, Boston, KB 1898) Wiesenbach, Friedrich (Geheimer Regierungsrat, Homburg v. d. Höhe, ab 1862) von der Goltz, Achim, Freiherr (Kaiserlicher Deutscher Konsul in San Remo, 1909) |
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| Weitere Personen | Möller, Robert (Major, Homburg v. d. H.) Ritter, Eugen (Fabrikant, Pächter des Schlossgebäudes, 1907) |
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| Quellen | HHStAW Bestand 433 Nr. 21068 StA HG, A 03, Nr. 9 l (Karton 391), S. 343-344 |
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| Literatur | Wikipedia: Wingertsbergschlösschen (eingesehen am 17.02.2015). „Wingertsbergschlösschen, bei Wingertsbergweg 16“, in: Orte der Kur http://www.lagis-hessen.de/de/odk/record/id/1093 (aufgerufen am 17.02.2015). Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 20.05.1972, S. 38: "Mit Fettsucht in den Hardtwald: Kate Strobel eröffnet Kurklinik am Wingertsberg / Erste Gäste im Juli". Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 02.10.1970, S. 56: "Regionalplaner schützen Hardtwald: Abholzung für das BfA-Sanatorium bedauert". |