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Gall, von, Wilhelm Rudolf (* ca. 1733), Netze / Netza

Name
von Gall, Wilhelm Rudolf Daniel Ludwig Philipp
Geburtsjahr
1734 (24. Juni)
Geburtsort
Auf Hof Netz bei Kirchhain
Konfession
lutherisch
Familienverhältnisse
Drittes von acht Kindern des Friedrich Adolf von Gall und seiner Ehefrau Luise geborene von Biedenfeld (August Freiherr von Gall: Geschichte der Familie von Gall, II. Bd.: 1603 bis zur Gegenwart, Gießen 1920, Ms., S. 55. Die Handschrift wird im folgenden zitiert: Familienchronik). Am 14. April 1768 heiratet er in Groß-Umstadt Albertine Juliane von Curti (geboren am 17. April 1744; 19b: 1.641, 2.041; Familienchronik 61, 101f). Die Braut bringt nicht nur eine sehr gute Aussteuer in die Ehe, darunter vier Stück Niersteiner Wein, die Schwiegermutter leiht ihrem Schwiegersohn auch große Summen und zwar 1775 7.000 Gulden, 1777 5.000 Gulden sowie 1778 17.300 Gulden (Familienchronik 62f). Von Gall hat mit seiner Frau acht Kinder, fünf Söhne und drei Töchter. Beim fünften Sohn - die Frau ist schwanger, als ihr Mann nach Amerika ausrückt - steht der Erbprinz Ende September 1776 Pate (Familienchronik 62, 84).
Vermögen
Kein Vermögen
Musterung
22. März 1776 in Nimwegen
Jahr der Ausreise
1776
Regiment
Regiment Erbprinz
Militärische Laufbahn
Von Gall war zuerst 14 Jahre lang Offizier in Diensten des Landgrafen von Hessen-Kassel (957: 198f; 958, 960: 257f). Teilnahme am Siebenjährigen Krieg. Abschied am 5. Januar 1765 (11: Ranglisten 58: 20r). Seit dem 25. April 1765 Major beim Regiment Hessen-Hanau "Erbprinz" (957: 198f; 958, 960: 257f). Am 6. Januar 1776 Ernennung zum Obersten und Regimentskommandeur (415-4b: 40; PRO: SP. 81/182 o.B.: Fawcett aus Stade an Suffolk 1776 März 10; Familienchronik 61). Nach dem Abmarsch des Regiments aus Hanau am 15. März 1776 berichtet von Gall dem Erbprinzen über die Reise auf dem Rhein aus der Nähe von Rheinfels, Köln Uerdigen (12-19: 1-3, 5f). Am 22. März 1776 Musterung in Nimwegen. Unterschrift und Siegel des Obersten auf den Musterrollen der Kompanie (415-4: 2-12; PRO: SP. 81/183 o.B.: 1776 März 26). Am 24./25. März 1776 Bericht aus Willemstadt (12-19: 10f), wo von Gall an Bord des Transportschiffs "Three Sisters" kommt (413-3: 3; PRO: SP. 81/183 o.B.: 1776 März 26). Am 30. März 1776 Bericht aus Portsmouth (12-19: 12f). Nach der Ankunft in Kanada am 3. Juni 1776 erster Bericht aus Quebec (12-19: 14f). Anschließend sechs Berichte aus Laprairie bei Montreal (Brairi, Brery; 12-19: 16-27). Am 29. August 1776 Ernennung zum Brigadegeneral durch Sir Guy Carleton, den britischen Oberbefehlshaber in Kanada (12-0: 35; 12-19: 29v; Hadden 36, Anmerkung ao, 264; Wasmus 21v; Doblin 28). Von Gall kommandiert die 2. Brigade der deutschen Truppen der britischen Nordarmee, d.i. das braunschweigische Regiment "Prinz Friedrich" und das Regiment Hessen-Hanau "Erbprinz" (414-2: 70r). Während des Feldzugs von 1776 kommt von Gall nur bis Point au Fer (Point au faire. Heute Ruses Point) am Nordende des Lake Champlain und nimmt nicht an den Kämpfen auf dem See teil (12-19: 34f). Winterquartier 1776-1777 am St. Lorenz-Strom im Raum von Berthier (12-19: 36-43, 45-50; W: 237 N 64: 7-9, 11-19, 24-31). Weil von Gall angeblich seinen Leuten einen Teil der Verpflegung verkürzt, kommt es zu einer Untersuchung gegen ihn, und der Vorwurf der Unterschlagung verfolgt ihn bis an das Ende seiner militärischen Karriere (12-0: 52; 81 E: 1 Ivb 17: 3f; W: 237 N 53: 12r, 14v-15v, 25; BM: Add. Mss. 21.699: 93r). Am 4. Juni 1777 Aufbruch aus Berthier (415-2: 8v). Vom unglücklichen Feldzug 1777 existieren vier Berichte an den Erbprinzen (12-19: 51-67). In den beiden Schlachten bei Freeman's Farm am 19. September und 7. Oktober 1777 spielt von Gall keine Rolle. Natürlich nimmt er als Brigadier am Kriegsrat vor der Kapitulation von Saratoga am 17. Oktober 1777 teil (12-0: 157f; 12-19: 69r; Cleve, Tagebuch 1777 Oktober 12 und 13; Riedesel; Berufsreise 148). Nach der Gefangennahme findet von Gall mit Mühe ein Unterkommen in Cambridge (Heath-Papers II 172, 175f; B: H VI 6 Nr. 24: 56v; Schlözer, Briefwechsel XXIV 375). Er ist Mitunterzeichner der sogenannten Cambridge Parole vom 13. Dezember 1777 (Boston, Public Library: MS. 1.147; LC, Man. Div.: USR Box 1777 October 14-1778 Februar 7: 1777 Dezember 13; O'Callaghan 180), d.i. Ehrenwort aller britischen und deutschen Offiziere der gefangenen Konventionsarmee, aus dem Umkreis von Cambridge in Massachusetts nicht zu fliehen. Er vertreibt sich die Zeit, indem er auf die Jagd geht (Boston, Massachusetts Historical Society: Heath Papers XII 21: Gall an Heath: Bitte um Erlaubnis, auf die Jagd gehen zu dürfen). An den Erbprinzen schickt er aus Cambridge neun Berichte (12-19: 68-90, 93-96). Bei der Verlegung der Konventionstruppen von Massachusetts nach Virginia befehligt von Gall die 3. deutsche Division (415-2: 103r). Der Marsch dauert von Mitte Dezember 1778 bis Mitte Januar 1779 (415-2: 108-113). Nach der Ankunft in Virginia nimmt von Gall Quartier in Staunton (Stantown; 415-4: 30v). Im Frühjahr 1779 ist er krank: "Fluß- und Magenfieber" (W: 237 N 64: 66r). Es fehlt an Geld, das Regiment zu besolden. Die Leute wollen kein US-Papiergeld (12-19: 97v-98v, 100r; W: 237 N 64: 49f, 54, 56f, 67-69, 72-74). Am 26. Mai 1779 Bericht an den Erbprinzen mit der Bitte um Abschied (12-19: 100rv), die von Gall im Bericht vom 20. September 1779 wiederholt (12-19: 101r); Siehe dort auch das Praesentdatum. Danach traf der Bericht vom 20. September 1779 erst am 18. Juli 1780 in Hanau ein). Seine Gesundheit lässt zu wünschen übrig. Nach dem braunschweigischen Brigadegeneral Specht ist er inzwischen der dienstälteste Offizier bei der deutschen Konventionsarmee in Virginia (415-2: 151r). Am 30. März 1780 bittet von Gall den General Riedesel in New York. Sich für seine Auswechslung zu verwenden. Er erinnert an seine "unerzogenen" Kinder zu Hause. Er sei die letzte Zeit sehr krank gewesen. Ein "Geschwür an der Lunge" sei aufgebrochen (W: 237 N 64: 87f). Blutsturz (12-19: 106r). Den Erbprinzen bittet er, ihn mit seinem britischen Rang als Brigadegeneral zurückkehren zu lassen (12-19: 106v). Im Herbst 1780 kommt es zum Austausch (W: 237 N 64: 91-94). Auch Washington vermittelt (Fitzpatrick, calendar Congress: 467; Ders., Calendar Officers 1.580, 1.590; Ders., Writings XX 268-270). Reiseroute quer durch Pennsylvania über Lancaster, Reading und Easton (Fitzpatrick, Writings XX 268). Am 30. November 1780 Abreise aus Albermarle County (415-1: 121r; 961a: 19, hat als Datum 1780 November 29). In einer Generalordre wird seine Auswechslung der Truppe bekanntgemacht (415-2: 197r). General Riedesel unterrichtet von New York aus den Erbprinzen in Hanau (W: 237 N 53: 2). Anfang Januar 1781 Ankunft in New York, wo von Gall sich am 6. bei General Riedesel meldet (W: 237 Nn 64: 100). Ihn erfüllt nur ein Gedanke: So schnell wie möglich nach Hause! (Er versäumt es sogar, der Baronin Riedesel seine Aufwartung zu machen. W: 237 N 58: 97v). Dem steht das Geschäftliche im Wege: Die britischen Zahlungen, die an ihn noch ausstehen (W: 237 N 64: 101-104, 117f). Am 27. Januar 1781 geht von Gall an Bord des Transportschiffs "Eagle" (Igell, Adler), das ihn nach Irland bringt (413-11: 124v; Bauermeister 408; Schüler von Senden 277). Über London gelangt er am 28. März 1781 nach Hanau.
Weitere Informationen
Mitte März 1781 zwei Tage in London, wo er sich weder bei Hofe noch im Ministerium sehen lässt, aber im Theater amüsiert (12-19: 121r-122v; W: 237 N 58: 99f). Anscheinend völlig desillusioniert. Am 28. März 1781 Ankunft in Hanau: "Gar heßlich von seinem Prinzen empfangen" (Cleve an Riedesel, W: 237 N 58: 69r; Papet II 170; A: Ma Vie 225). Sofort in Arrest, weil er sich ohne Urlaub von der Truppe entfernt hat. Rapport und anschließend Verhör (17a: 755, 759 1/2, 843, 878, 1.203; 17b: 1.723, 1.906). Am 3. April 1781 ungnädiger Abschied (958: 258). Am 17. Juli 1781 tritt der Kammerpräsident und Geheime Rat Ludwig von Gall an seinen Bruder Wilhelm Rudolph das Gut Wickersdorf ab (auch Oberer Wickershof. Der obere und untere Wickershof sind heute Wohnplätze bei Reptich, Ortsteil von Jesberg), welches er am 31. Oktober 1780 für 17.500 Reichstaler von der Familie von Berlepsch erworben hatte (Familienchronik 81; Losch, Affäre Gall 54. Losch vermutet, in der Kaufsumme steckte der Zählkreuzer, den Ludwig von Gall vom englischen Subsidiengeld erhalten hat. Der Zählkreuzer belief sich bis zum 31. Januar 1782 auf 8.035 Gulden 31 Kreuzer; 17b: 2.243; 18a: 1.165). Damit war das Geld aus Amerika angelegt. Nur lag Wickersdorf in Hessen-Kassel, und von Gall musste die Nachfolge des Erbprinzen als Landgraf fürchten. Deshalb wollte er 1784 wieder verkaufen, wogegen der Erbprinz jedoch bei der Regierung in Kassel intervenierte: Die Kriegskasse in Hanau hätte noch Forderungen an von Gall (20a: 342; 117a: 501, 688, d.i. Arrest auf Verpfändung und Verkauf). Der Erbprinz, ab 1785 Landgraf, hegte gegen von Gall großen Hass. Ludwig, der ältere Bruder, ist inzwischen als Günstling des Erbprinzen gestürzt. Die Untersuchungen dauern bis 1786 (81 E: 1 Ivb 17; 21b: 1.797, 1.862; 118: 3.138, 3.584). Penible Gründlichkeit. Der Erbprinz verlangt sogar die Vorlage des kleinen Montierungsbuches (21a: 278). Mit anderen Worten: Von Gall soll nachweisen, was er in Amerika für Hemden, Strümpfe, Schuhsohlen, Haarzopfbänder und Halsbinden an die Leute seiner Kompanie ausgegeben hat (Büsch 119). Zum Schluss hat die Kriegskasse an von Gall Forderungen von 553 Pfunde 3 Schilling 11 Pence. Dem stehen zirka 450 Pfund Sterling an Douceurgeldern gegenüber, worauf von Gall noch Anspruch hat (21a: 278; 19b: 1.641, 2.014). Der Hauptvorwurf gegen von Gall ist: Bei den Geldüberweisungen aus Amerika hat er ungewollt einen für die Kriegskasse in Hanau ungünstigen Kurs berechnet, was jetzt herauskommt. Ohnmächtige Wut des Fürsten. Er kann von den Assignaten, also Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten des Regiments, die aus Amerika Geld nach Hause überwiesenhatten, das Zuviel schlecht zurückfordern (20a: 144, 645). Als Sündenbock sitzt von Gall vom 30. August 1786 bis 5. Oktober 1788 auf der Festung Spangenberg eine Haftstrafe ab (15 m 1:9). Von Gall hatte seiner Frau Albertine vor dem Abmarsch aus Hanau im Frühjahr 1776 Monatlich 100 Gulden auf seine Gage angewiesen (75-1777: 101). Im Sommer Erhöhung auf 110 Gulden, 1778 auf 150 Gulden (14b: 1.211; 75-1778: 178). 1778 belaufen sich die amerikanischen Überweisungen, 200 Gulden Vorschuss eingerechnet, auf insgesamt 1.540 Gulden (75-1777: 101). Die Frau Oberst reicht außerdem 1778 einen Wechsel von 500 Pfund Sterling aus Amerika ein und erhält dafür aus der Kriegskasse in Hanau 5.562 Glden 30 Kreuzer (75-1778: 178). Die Zahlungen aus Amerika sind nur fragmentarisch überliefert. Die Bruchstücke erklären es jedoch hinlänglich, wenn von Gall in der Lage war, nach fünf Jahren Amerika ein Landgut zu erwerben. Auf Grund der Verfolgungen durch seinen Fürsten kann sich von Gall seines Besitzes nicht erfreuen, und am 19. September 1791 verkauft er Gut Wickersdorf (Familienchronik 101). Er beendet seine Laufbahn als Hofmarschall beim Fürsten Wittgenstein (Familienchronik 101). Im von Gallschen Familienbesitz existierte ein Porträt, das ihn in der Uniform des Hofmarschalls zeigt, was ihm in der Familie den Namen "Rotrock" eintrug (Familienchronik 61, 103). Von Gall stirbt am 9. Juli 1799 in Laasphe und wird am 11. Juli 1799 beerdigt (Familienchronik 102). Kurz vor ihm und zwar am 15. Juni 1799 war seine Frau in Groß-Umstadt gestorben (Familienchronik 101f). Gall hatte, wie er zugibt, "eine schwache Feder" (12-19: 49v). Er beherrschte nicht die deutsche Rechtschreibung und es ist schwierig, seinen Berichten an den Erbprinzen zu folgen. Sein Fürst bezeichnete ihn als "le plus sot de tous les hommes" (Losch, Affäre Gall 53). Ein vernichtendes Urteil.
Sonstiges
Der Nachname wird auch Vangall und von Goll geschrieben. Oberst a.D. von Gall weird am 30. August 1786 als Arrestant in der Festung Spangenberg geführt. Der Geburtsort "Netze in Heßen", d.i. Hof Netz bzw. Netze, Wohnplatz bei Langenstein, heute Ortsteil von Kirchhain. Die Famile von Gall erhielt das Gut 1628 durch fürstliche Belehnung und besaß es bis 1814 (Familienchronik 35; Losch Affäre Gall 53). An neuer Literatur erschienen: Manfred von Gall: Hanauer Journale und Briefe aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1776-1783. Der Offizier Wilhelm Rudolph von Gall, Friedrich Wilhelm von Geismar, Dessen Bursche (Anonym), Jakob Heerwagen, Georg Paesch sowie andere Beteiligter (Hanauer Geschichtsblätter Bd. 41/2005). Wir Wilhelm von Gottes Gnaden. Die Lebenserinnerungen Kurfürst Wilhelms I. von Hessen 1743-1821, Frankfurt/New York 1996.

Die hier dokumentierten Angaben basieren auf den Arbeiten des ehemaligen Frankfurter Stadtarchivars Dr. Joachim Fischer, der in den 1960er Jahren begonnen hatte, Daten und Informationen zu den Hanauischen Truppen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu recherchieren und zusammenzustellen. Bevor er seine Forschungen abschließen konnte, starb er im Jahre 2003. Von den insgesamt 1.666 Personen-Datensätzen, die auf der Grundlage seiner Arbeiten im Auftrag der Historischen Kommission für Hessen von Dr. Stephan Schwenke bzw. Dr. Johannes Koenig elektronisch aufbereitet wurden, konnten fast 80 Prozent mit den im Rahmen des HETRINA-Projekts erfassten Soldaten der Hessen-Hanauischen Regimenter identifiziert werden. In den Fällen, in denen die Angaben für eine zweifelsfreie Identifizierung nicht ausreichen, wird ein entsprechender Hinweis gegeben.

© Hessisches Institut für Landesgeschichte