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Hessian Biography

Portrait

Julius Echter von Mespelbrunn
(1545–1617)

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Echter von Mespelbrunn, Julius [ID = 9823]

* 18.3.1545 Mespelbrunn, † 13.9.1617 Marienberg bei Würzburg, Begräbnisort: Würzburg Dom, katholisch
Pfründner, Jurist, Kapitular, Scholaster, Rat, Dechant, Bischof, Administrator
Other Names | Activity | Family Members | References | Citation | Life
Other Names

Other Names:

  • Echter von Mespelbronn, Julius (veraltet)
  • Würzburg, Bischof Julius Echter von Mespelbrunn
  • Fulda, Administrator Julius Echter von Mespelbrunn
Activity

Career:

  • 1554-1557: Stiftsschüler in Aschaffenburg
  • 1557-1559: Domschüler in Würzburg
  • 1559: Domschüler in Mainz
  • 1559 bis 1561: Jesuitengymnasiast in Köln
  • 1561-1563: Universitätsstudium in Löwen
  • 1563-1565: Universitätsstudium in Douai (Belgien)
  • 1565-1566: Universitätsstudium in Paris
  • 1566-1567: Universitätsstudium in Angers (Frankreich)
  • 1567-1568: Universitätsstudium in Pavia (Italien)
  • 1568-1569: Universitätsstudium in Rom
  • 1569: 1569 Studienabschluss mit Promotion zum Licentiaten der Rechte
  • 10.11.1569: Domkapitular in Würzburg
  • 22.4.1570: Domscholaster in Würzburg
  • 1570: Rat der bischöflichen Regierungskanzlei in Würzburg
  • 1570: Domkapitular in Mainz
  • 1570-1573: Domdechant in Würzburg
  • 1571: Domkapitular in Bamberg
  • 1.12.1573: Wahl zum Bischof von Würzburg
  • 27.6.1576: Wahl zum Administrator in Fulda
  • 12.3.1579: Gründung des nach ihm benannten Juliusspitals für Arme und Waisen
  • 2.1.1582: Gründung der Universität Würzburg durch Echter
  • 1602: Scheitern des Übernahmeversuches der Reichsabtei Fulda

Role:

  • Würzburg, Domkapitel, Kapitular, 1569-1570
  • Würzburg, Domschule, Scholaster, 1570-?
  • Würzburg, Domkapitel, Dechant, 1570-1573
  • Mainz, Domkapitel, Kapitular, 1558/70-1617
  • Bamberg, Domkapitel, Kapitular, 1571-?
  • Würzburg, Bischof, 1573-1617
  • Fulda, Administrator 1576-1576/1602 (umstritten)
  • Würzburg, Universität, Rektor, 1582-?

Netzwerk:

Amerbach, M. Georg <Lehrer>

Places of Residence:

  • Mespelbrunn; Stadtprozelten; Aschaffenburg; Würzburg; Mainz; Köln; Löwen; Douai; Paris; Angers; Pavia; Rom; Bamberg; Marienberg bei Würzburg; Fulda; Rothenburg
Family Members

Father:

Echter von Mespelbrunn, Peter III., 1520-1576, Studium in Italien und Frankreich, Heirat 1542 Gertrud von Adolzheim (1525-1583), Rat des Mainzer Erzbischofs, 1551-1569 Ausbau der Hofstätte „am Espelborn“ zum Wasserschloss Mespelbrunn

Mother:

Echter von Mespelbrunn, Gertrud von, 1525-1583, geborene von Adolzheim, Herren- oder Grafentochter aus dem badischen Franken, Heirat 1542 Peter III. Echter von Mespelbrunn (1520-1576) im Spessart

Relatives:

  • Echter von Mespelbrunn, Philipp <Großonkel väterlicherseits>, um 1550 mit Ehefrau wohnhaft im Schloss Mespelbrunn
  • Echter von Mespelbrunn, Adolf <Bruder>, * 20.4.1543, † 1600, ab 1576 Nachfolger des Vaters als Schlossherr von Mespelbrunn
  • Echter von Mespelbrunn, Sebastian <Bruder>, * 8.3.1546, † 1575
  • Echter von Mespelbrunn, Margarethe <Schwester>, * 4.2.1549, † 1611, Heirat Hans Heinrich von Ehrenberg
  • Echter von Mespelbrunn, Valentin <Bruder>, * 21.5.1550, † 1624
  • Echter von Mespelbrunn, Maria <Schwester>, * 1552, † 1553
  • Echter von Mespelbrunn, Dietrich <Bruder>, * 23.1.1554, † 1601
  • Echter von Mespelbrunn, Magdalena <Schwester>, * 1556, † 1594, Heirat Hans Fuchs von Dornheim
  • Echter von Mespelbrunn, Kordula <Schwester>, * 1559, † 1599, Heirat Stephan Zobel von Giebelstadt
References

Bibliography:

Image Source:

Wikipedia (via Wikimedia Commons: File:Julius Echter 1586)

Citation
„Echter von Mespelbrunn, Julius“, in: Hessische Biografie <http://www.lagis-hessen.de/pnd/118528696> (Stand: 13.6.2016)
Life

Der Spessarter Adelsspross Julius Echter von Mespelbrunn absolvierte nach vielversprechendem Heimunterricht als zweitgeborener Sohn eine gelehrte Ausbildung.

Dann folgte eine rasche geistliche Karriere.

Schließlich stieg er mit gerade 28 Jahren schon zum 61. Bischof von Würzburg auf, was er bis zum Tode für stolze 44 Jahre blieb (1573-1617).

Währenddessen wirkte er nebenbei auch 1576 in der osthessischen Reichsabtei Fulda als erster von drei Administratoren in der zwischenzeitlichen Absetzungsphase des dortigen Abtes Balthasar von Dernbach. Allerdings misslang ihm sein Übernahmeversuch schließlich trotz jahrzehntelangem Prozess bis 1602.

Insgesamt war sein wichtigstes Unternehmen die mit aller Härte forcierte Durchführung der Gegenreformation im Hochstift Würzburg, so dass er ein bedeutender Vertreter der tridentinischen Reform wurde. Seine Maßnahmen führten dazu, dass konversionsunwillige Protestanten in großem Umfang auswandern mussten. Unter Echter wurden zudem Hexenverfolgungen in starkem Maße wieder aufgenommen und nahmen zum Teil entsetzliche Formen an. Ebenfalls vertrieb er die Juden aus Würzburg und konfiszierte deren Grundbesitz. Bekannt wurde er aber auch als Gründer der Universität Würzburg 1582 und des Juliusspitals für Arme und Waisen 1579, außerdem durch seine Hofbibliothek auf der Festung Marienberg. In seinen Renaissancebauten wurden oft bewusst gotische Formelemente integriert. Dieser Stil heißt daher auch Echtergotik bzw. Echter- oder Juliusstil und ist eine Form der Nachgotik. Große Leistungen Echters waren der Bau hunderter Kirchen (mit den bekannten Echtertürmen) und Schulen, die Erneuerung des staatlichen Rechtswesens und eine Verwaltungsreform, die gekoppelt mit einem strengen Sparkurs und der Einbeziehung von Adels- und Kirchenvermögen das Bistum aus der Verschuldung führte, ohne die Steuern für seine Untertanen erhöhen zu müssen. Schlussendlich galt er so vor allem als großer Bauherr und Verwaltungsreformer.

Schon laut F. X. von Wegele war sein System zwar einseitig, doch habe er innerhalb dieser Einseitigkeit Großes erreicht. Denn er schuf das moderne Hochstift Würzburg, indem er die überlieferte Zerrüttung beendete und mit sicherer Hand eine neue, nachhaltige, feste Ordnung begründete, die freilich zu den Anschauungen eines großen Teils der deutschen Nation in herausforderndem Gegensatz stand. Dem Forscher zufolge war er zweifellos einer der fähigsten Herrscher seiner Zeit und der größte, der je auf dem Stuhl des Hl. Burchard saß. In der Tat sei er ein aufbauender Geist gewesen, auch wenn das Prinzip seines Wirkens beschränkt und unfähig zur Fortbildung war, so lange es nicht modifiziert wurde. Er hatte etwas von einem Staatengründer, darunter aber auch dessen Härte und Rücksichtslosigkeit. Zwar war er nicht der Erfinder des in seinem Schaffenskreis zum Leben erweckten Systems, doch führte er es mit seltener Umsicht und Tatkraft durch. Auch wenn er sehr scharfblickend und geistvoll war, stand er doch nicht auch innerhalb seines Prinzips über seiner Zeit. Er hob sich nicht über die herrschenden Vorurteile seiner Zeitgenossen, was die Fortdauer der Hexenprozesse unter ihm hinlänglich bezeugt. Ein Fürst solcher Art, solchem Einfluss und dieser parteiischen Zeit wurde aber natürlich noch mehr von der Nachwelt als der Mitwelt unterschiedlich beurteilt. So hoben ihn die Anhänger der damals von Rom aus vordringenden Gegenreformation in den Himmel, während seine Gegner in Echters Erfolgen ein Unglück für Deutschland sahen und es bedauerten, einen solchen Mann just auf dieser Seite zu sehen, und nicht unterließen, die Schattenseiten seines Wesens und Wirkens, an denen es ja nicht fehlte, hervorzuheben. Doch stimmen die sonst unvereinbaren Urteile immer wieder darin überein, dass er, alles in allem, ein seltener, innerhalb seiner Voraussetzungen ausgezeichneter Fürst war.

Stefan Alles (bearbeitet: Simon-A. Göllner)

 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde