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Hessian Biography

Portrait

Hl. Sturmius
(um 709–779)

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Sturmius, Hl. [ID = 2207]

* um 709, † 779
Einsiedler, Abt
Other Names | Activity | Family Members | References | Citation | Life
Activity

Career:

  • 736-743/744 Einsiedler in Hersfeld
  • 744/754-763 und 765-779 Abt des Klosters Fulda
References

Bibliography:

  • Michael Mott, Fuldaer Köpfe, 2007, 68-71

Image Source:

Codex Eberhardi 2, folio 6r, Staatsarchiv Marburg.

Citation
„Sturmius, Hl.“, in: Hessische Biografie <http://www.lagis-hessen.de/pnd/103105158> (Stand: 29.9.2014)
Life

Der um 709 geborene bayerische Adelsspross Sturmius wurde schon als Knabe 719 zum Schüler des Hl. Bonifatius. Dieser vertraute ihn wenig später der erzieherischen Obhut des Hl. Wigbert im nordhessischen Stift, seit 732 Kloster Fritzlar an.

Nach seiner Priesterweihe 734 wurde er zwar noch kurz Küchenmeister im Kloster Fritzlar, doch schlug er dann einige Jahre ein Leben als Wandereremit ein.

Schließlich gründete er 736 eine Einsiedelei in Hersfeld, womit er zum eigentlichen Gründer der dortigen Siedlung wurde – nicht erst sein Konkurrent Lullus mit dessen Klostergründung von frühestens 769, die freilich dann eine längere Wirkung hatte.

Denn zugegebenermaßen verließ Sturmius Hersfeld schon 743/44 mit unklarem Fortbestand der Siedlung und gründete im Auftrag von Bonifatius nach einem ersten Fehlversuch 744 das osthessische Kloster Fulda. Dessen Aufbau begleitete er zunächst als Stellvertreter des eigentlichen Klosterherrn vor Ort und wurde nach dessen Tod auch zum 1. von bis heute 96 dortigen Äbten, seit 1752 Bischöfen (744/54-779).

Allerdings wurde er zwischendurch 763-765 von König Pippin (751-768) aufgrund politischer Vorwürfe ins Kloster Jumièges in der Normandie verbannt, während der konkurrierende Mainzer Bischof Lullus (754-786) die Oberhoheit über Fulda erhielt, die vor Ort von den (Unter-)Äbten Marcus (ab 763) und Prezzold (bis 765) ausgeübt wurde – Letzterer schon dezidiert nach Konventswahl und als Vertreter von Sturmius.

Sturmius versöhnte sich 765 auch wieder mit dem König, musste allerdings das Kloster Fulda in dessen Besitz geben, so dass es Reichsabtei wurde. Diese Bindung zum Königtum verstärkte sich noch unter dessen Nachfolgekönig Karl dem Großen (768/800-814), der Fulda zahlreiche Schenkungen gewährte und 774 als erste auch schriftlich fixierte Rechtsgrundlage noch Abtswahlrecht und Immunität verlieh.

Insgesamt schuf so der 779 im Zuge der Sachsenmission verstorbene Sturmius die Basis für die wichtigste mittelalterliche Reichsabtei Fulda, kann aber auch als eigentlicher Gründer von deren 769 durch Lullus zum Kloster gemachter Nachbarin Hersfeld gelten.

Stefan Alles

 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde