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Hessian Biography

Portrait


(vor 1028–1081 oder 2.10.1082)

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GND-ID

10095135X

Lampert von Hersfeld [ID = 2666]

* vor 1028 Mainfranken, † 2.10.1081 oder 2.10.1082 Hasungen
Mönch, Abt, Hagiograph, Historiograph, Autor
Other Names | Activity | Family Members | References | Citation | Life
Other Names

Other Names:

  • Lampert von Aschaffenburg
  • Aschaffenburg, Lampert von
  • Hersfeld, Lampert von
  • Lambertus
Activity

Career:

  • 1058-1077/80 Mönch im Kloster Hersfeld
  • 1081 Abt des Klosters Hasungen

Role:

  • Hasungen, Abt 1081
  • Hasungen, Propst um 1080
Citation
„Lampert von Hersfeld“, in: Hessische Biografie <http://www.lagis-hessen.de/pnd/10095135X> (Stand: 11.5.2015)
Life

Der frühere Bamberger Domschüler Lampert war von 1058 bis 1077/80 Mönch in der Reichsabtei Hersfeld, worauf er 1081 noch als erster Abt im Kloster Hasungen (heute Burghasungen) wirkte. In Hersfeld entfaltete er während der 1070er Jahre eine vielschichtige und stilistisch-anspruchsvolle schriftstellerische Tätigkeit zur Kloster- und Reichsgeschichte, die schrittweise vom hagiographisch-lokalen Anliegen auf einen allgemein-historiographischen Blickwinkel überging:

Um 1070 und 1073 schuf er in zwei Arbeitsschritten zunächst die "Vita Lulli" über den Hersfelder Klostergründer, indem er dem Grundgerüst einer Heiligenbiographie später noch Wunder beifügte, ein aufschlussreiches Nachwort anschloss und die Schrift durch drei historische Einschübe in Ansätzen zu einem kleinen Geschichtswerk ausbaute.

1073 verfasste er ein heute verlorenes Gedicht in Hexametern, welches wie die Zweitfassung der "Vita Lulli" damalige Hersfelder Zehntstreitigkeiten in Thüringen aufgriff.

1074/76 entstanden die "Libelli de institutione Herveldensis". Sie behandelten nach einer für seine Haltung interessanten Einleitung in zwei Büchern die Geschichte des Klosters Hersfeld vor und nach dem für Lampert zentralen Epochenjahr 1056 (Tod Heinrichs III.). Die Anfänge übernahm er in Kurzform aus der "Vita Lulli" und ging später namentlich im zweiten Buch zu einer vom lokalen Thema wegführenden, globaleren Geschichtsbetrachtung über.

1077-1079/80 schrieb er schließlich als sein Hauptwerk die "Annales", deren Schilderungen der Reichsgeschichte unter Hersfelder Perspektive in Jahreseinträgen bis März 1077 reichten und zur Gegenwart hin immer mehr zur Chronik anwuchsen.

Lamperts Haltung kann in steter Zuspitzung bis zu den "Annales" insgesamt als Position eines adligen Reichsmönches und konservativen Idealisten verstanden werden. Er fand die Gegenwart unter König Heinrich IV. seit 1056 verwerflich und verklärte die Vergangenheit bis zu dessen Vater Heinrich III., an die in Zukunft namentlich unter dem Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden (Märzwahl 1077) wieder angeknüpft werden sollte. Gleichzeitig bewertete Lampert dabei selbst übergeordnete Ereignisse nach lokalen Hersfelder Belangen. Demnach erweist er sich über die hessische Landesgeschichte hinaus als wichtige Quelle für die ersten Regierungsjahre Heinrichs IV. und die Frühzeit des Klosters Hersfeld, wenngleich er kritisch anhand seiner Persönlichkeit eingeordnet werden muss.

Stefan Alles

 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde