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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 107. Hanau

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Langendiebach

Ortsteil · 115 m über NN
Gemeinde Erlensee, Main-Kinzig-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6 km nordöstlich von Hanau

Ersterwähnung:

1218

Siedlungsentwicklung:

Unter dem Alten Friedhof südöstlich des Dorfkerns (Friedensstraße) befand sich ein römerzeitliches Kleinkastell.

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Im Norden des Ortes sogenanntes Schlösschen möglicherweise auf den Resten einer ehemals mit Wall und Graben gesicherten Burg

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3498740, 5559253
UTM: 32 U 498666 5557469
WGS84: 50.16942853° N, 8.981316335° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

435007010

Einwohnerstatistik:

  • 1556: 30 Zinsende
  • 18. Jahrhundert: 123 Zinsende
  • 1895: 1873 Einwohner
  • 1939: 4047 Einwohner
  • 1961: 4377 Einwohner
  • 1970: 5296 Einwohner

Diagramme:

Langendiebach: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Seit 1313 Dorf des Mainzer Amtes Ronneburg in der Zent Selbold
  • 1463: als mainzisches Lehen an Isenburg
  • 1787: Fürstentum Isenburg-Birstein, Amt Wenings, Gericht Diebach
  • 1816: Kurfüstentum Hessen, Amt Wenings, Gericht Diebach
  • 1821: Kurfüstentum Hessen, Kreis Gelnhausen
  • 1830: Kurfüstentum Hessen, Kreis Hanau
  • 1848: Kurfüstentum Hessen, Bezirk Hanau
  • 1851: Kurfüstentum Hessen, Kreis Hanau
  • 1866: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis Hanau
  • 1974: Main-Kinzig-Kreis

Altkreis:

Hanau

Gericht:

  • 1313 wurde die Gerichtsbarkeit von Gottfried Herrn zu Brauneck an das Erzstift Mainz verkauft.
  • Zum Gericht Langendiebach gehörten die Ronneburg, Langendiebach, Ravolzhausen und Rückingen.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.1.1970 zusammen mit Rückingen zur neu gebildeten Gemeinde Erlensee

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1232 beurkundet Arnold, Propst von St. Maria ad Gradus zu Mainz, einen zwischen dem Pfarrer von Diebach, Walter von Eschborn, und den Brüdern des Deutschordens in Sachsenhausen geschlossenen Vergleich über der Kirche zu Diebach gehörige Äcker in Huleshoven: für fünf Mark werden diese von den Deutschherren frei gegeben, während der Pfarrer seinerseits auf alle Maßnahmen betreffs der Kirche von Diebach Verzicht leistet, sodass diese durch den Verkauf seitens seines Vorgängers, des weiland Archiepresbiters Conrad, keinen Schaden leiden soll.
  • Die Richter des Mainzer Stuhles (Mariengreden) beurkunden, dass der Rechtsstreit zwischen dem Stift St. Maria ad Gradus zu Mainz einerseits und Heinrich und Helfrich, Söhnen des verstorbenen Heinrich v. Rüdigheim andererseits über Neuland und Zehnten bei Diebach und Güter des Stiftes in Hagenau, in deren Besitz Heinrich und Helfrich ihrem Vater nach Erbrecht gefolgt sein wollen, durch Vermittlung von Konrad, Abt von St. Alban zu Mainz und Ritter Konrad v. Bergen in der Weise beigelegt wurde, dass Heinrich und Helfrich die genannten Güter dem Kloster auftrugen und zusammen mit Helfrichs Verlobter, Tochter des Konrad v. Bergen, und Heinrichs Gemahlin sie auf Lebzeiten gegen einen Jahreszins von sieben Schillingen zurückerhielten. In dieses Verhältnis kann auch noch eins der Kinder des Helfrich eintreten. Danach sollen die Güter jedoch dem Stift heimfallen. Geraten die Schuldner mit der Zinszahlung zwei Wochen in Verzug, so haben sie den doppelten Zins als Strafe zu zahlen.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1226: Pleban
  • 1232: Pastor
  • 1324: Pfarrkirche

Pfarrzugehörigkeit:

Mutterkirche des Gerichts Langediebach. 1324 Kloster Eberbach einverleibt

Schon 1311 gehörte Rückingen zum Kirchspiel.

Patronat:

1257: Herren von Preungesheim und von Cronberg

1320: Herren von Cronberg, von Wasserlos und von Karben

1324: erscheint die Pfarrei dem Kloster Eberbach im Rheingau inkorporiert, das Kloster seitdem Patron

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Nikolaus Weber seit 1537

Reformierter Bekenntniswechsel: 1596

Seit 1812 unierte Pfarrei.

Kirchliche Mittelbehörden:

Erzdiözese Mainz, Archidiakonat des Propstes von St. Mariengreden in Mainz, Dekanat Roßberg

Protestantische Pfarrei der Klasse Bücherthal

Juden:

Provinzial-Rabbinat Hanau

Statistik: 1682: 4 Juden (?); 1835: 96; 1861: 100; 1905: 66; 1932/33: 36 Juden

vermutlich lebten bereits im 14. Jahrhundert temporär Juden im Ort; urkundliche Hinweise stammen aber erst aus der Zeit nach 1700. 1728 wird die Taufe eines jüdischen Waisen erwähnt.

Mitte des 19. Jahrhunderts hat die Gemeinde ihre höchste Mitgliederzahl, rund 10% der Gesamtbevölkerung im Ort sind Juden.

Synagoge: schlichter Fachwerkbau an der Hauptstraße/Ringstraße (heute: Friedrich-Ebert-Straße; vormals auch Wilhelmstraße), um 1850 als Synagoge eingerichtet; dort auch Schulraum und Lehrerwohnung. Das Judenbad befand sich in der Hintergasse (August-Bebel-Straße 23). 1938 wird die Synagoge demoliert, aber nicht in Brandt gesteckt, da Nicht-Juden in Haus wohnen.

Berufe: Viehhändler und Metzger

Friedhof: kein eigener jüdischer Friedhof, Bestattungen fanden in Rückingen bzw. Langenselbold statt.

Wirtschaft

Mühlen:

In unmittelbarer Ortskernnähe befanden sich vermutlich die sogenannte Obermühle sowie Scheinds Schleifmühle.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Langendiebach, Main-Kinzig-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/12406> (Stand: 8.11.2017)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde