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Hadamar, Landesheilanstalt

Hadamar, Gemeinde Hadamar, Landkreis Limburg-Weilburg | Historisches Ortslexikon
Mönchberg 8
Klassifikation | Nutzungsgeschichte | Indizes | Nachweise | Abbildungen | Zitierweise
Klassifikation

Kategorie:

Verfolgung

Subkategorie:

Euthanasie 

Nutzungsgeschichte

Objektbeschreibung:

Die vormalige Landesheilanstalt Hadamar war ab 1941 eine der sechs von der Berliner T4-Zentrale eingerichteten Gasmordanstalten im Deutschen Reich. Hier wurden physisch und psychisch Kranke sowie Juden systematisch getötet. Neben den Tötungen wurden in Hadamar Zwangssterilisationen durchgeführt.

Die Patienten wurden in Omnibussen in die Anstalt gebracht; die Busse fuhren in die Garagenbaracke, um so die Ankunft der neuen Patienten, die dort getötet werden sollten, geheim zu halten. Im Keller der Haupthauses befand sich die Vergasungsanlage. Diese war zwischen November 1940 und Januar 1941 von T4-Handwerkern eingebaut worden. Hierbei wurde eine 11qm große als Duschkabine getarnte Gaskammer errichtet, die über zwei Schienenstränge mit mit dem gemauerten Verbrennungsofen verbunden war. In den oberen Stockwerken des Haupthauses wurden die Krankenzimmer zu Büros und Untersuchungszimmern sowie zu Wohnräumen der durchschnittlich 76 Mitarbeiter umgebaut

Beschreibung:

Die Landesheilsanstalt Hadamar war in Hessen eine der wichtigsten Einrichtungen zur Durchsetzung der NS-Rassenpolititk. Hier wurden "unwerte" Menschen zwangssterilisiert bzw. ermordet. Die Anstalt war aufgrund ihrer guten Verkehrsanbindung, die die Verlegung von Patienten aus Hessen, Hessen-Nassau, dem Rheinland, Hannover, Westfalen und Weser-Ems nach Hadamar ermöglichte, ausgewählt worden. Zudem war sie aufgrund ihrer Bauart leicht zu überwachen. Die zu Hadamar gehörenden hessischen Zwischenanstalten waren in Herborn, Erbach, Weilmünster und Idstein. Aber auch andere Anstalten, u.a. die Heppenheimer Anstalt, "verlegten" ihre Patienten nach Hadamar. Zudem wurden 1943 auch Patienten aus Hamburg nach Hadamar "verschubt" wie es im NS-Jargon hieß.

Nach dem Erlass des "Gesetzes zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses" im Juli 1934 wurden in Hadamar erste Zwangssterilisationen durchgeführt. Doch auch an der Durchführung der Euthanasie, d.h. der gezielten Tötung von Menschen, die von den NS-Machthabern als "minderwertig" angesehen wurden, war die Anstalt beteiligt. Das hierbei eingesetzte Pflegepersonal wurde zum Teil vom Bezirksverband Nassau, zum Teil auch von "T 4" beschäftigt.

In der Landesheilanstalt wurden seit dem 4. Februar 1941 Juden allein aufgrund ihrer "Rasse" getötet. Damit begann das "Euthanasie"-Programm der Nationalsozialisten. Die gezielte Ermordung von Juden endete in Hadamar am 15. Februar 1941. Ihr fielen 328 Menschen jüdischen Glaubens zum Opfer.

In der ersten Mordphase, die vom 13. Januar bis zum 24. August 1941 dauerte, wurden insgesamt 10.133 Menschen durch Gas getötet. In der zweiten Mordphase, die im August 1942 begann und am 26. März 1945 endete, wurden 4.411 Menschen durch Medikamente getötet. Diesen Mordaktionen fielen nun auch nicht-jüdische Menschen zum Opfer.

In der Landesheilanstalt wurden seit dem 4. Februar 1941 Juden allein aufgrund ihrer "Rasse" getötet. Damit begann das "Euthanasie"-Programm der Nationalsozialisten. Die gezielte Ermordung von Juden endete in Hadamar am 15. Februar 1941. Ihr fielen 328 Menschen jüdischen Glaubens zum Opfer.

In der ersten Mordphase, die vom 13. Januar bis zum 24. August 1941 dauerte, wurden insgesamt 10.133 Menschen durch Gas getötet. In der zweiten Mordphase, die im August 1942 begann und am 26. März 1945 endete, wurden 4.411 Menschen durch Medikamente getötet. Diesen Mordaktionen fielen nun auch nicht-jüdische Menschen zum Opfer.

Bei der Tötung durch Gas wurden die Menschen in einen "Duschraum" geschickt, in den das Gas eingeleitet wurde. Auch psychisch kranke Menschen, oder solche, die von den Nationalsozialisten als solche angesehen werden, wurden in Hadamar gezielt getötet. Hierbei spielten auch andere Heilanstalten entscheidende Rolle, da diese, u.a. das Philippshospital in Goddelau ihre Patientinnen und Patienten nach Hadamar überwiesen.

In Hadamar wurden auch Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ermordet, die aufgrund von körperlicher Erschöpfung und Krankheit nicht mehr arbeitsfähig waren. Seit 1943 ereilte "Ostarbeiterinnen" und "Ostarbeiter", die an Tuberkulose litten, oder als geisteskrank galten, dieses Schicksal. Seit dem 28. Juli 1944 traten hier die hessischen Arbeitsämter in Erscheinung: sie wiesen Erkrankte in die Anstalt ein. Rund 400 an Tbc-erkrankte "Ostarbeiter" wurden in Hadamar getötet. Auch Angehörige der Wehrmacht sowie ausländische Angehörige der SS, die infolge des Kriegseinsatzes nicht mehr wehrtauglich waren, d.h. sie hatten schwere psychische Schäden davongetragen, wurden in Hadamar umgebracht. Ihre Leichen wurden im Krematorium verbrannt.

Nutzungsanfang (früheste Erwähnung):

Sommer 1934

Nutzungsende (späteste Erwähnung):

26.3.1945

Weitere Nutzungen des Objekts:

Nutzung vor NS-Zeit:

Hadamar war als Franziskaner-Kloster gegründet worden. Ende des 19. Jahrhunders wurde der Ort als Arbeitshaus bzw. als Korrigenden- und Landesarmenanstalt genutzt. Im Jahr 1906 wurde dort eine "Irrenanstalt" untergebracht und die Korrigendenanstalt aufgelöst. Die "Irrenanstalt" firmierte seit 1920 unter dem Namen "Landes- und Erziehungsanstalt"; später nur noch als "Landesheilanstalt".

Nutzung nach NS-Zeit:

Auch nach 1945 wurde die Landesheilanstalt weitergeführt. Zudem wurde eine Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie eingerichtet.

Indizes

Orte:

Hadamar

Sachbegriffe:

Euthanasie · Gesundheitswesen · Verfolgung

Nachweise

Kooperationspartner:

Gedenkstätte Hadamar, PD Dr. Georg Lilienthal

Literatur:

Weblinks:

Gedenkstätte Hadamar (15.04.2010)

Abbildungen

Abbildungen:

Zitierweise
„Hadamar, Landesheilanstalt“, in: Topographie des Nationalsozialismus in Hessen <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/nstopo/id/97> (Stand: 29.10.2015)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde