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Elisabeth Herold und Töchter 1335, Wiesbaden-Klarenthal

Wiesbaden-Klarenthal · Gem. Wiesbaden · Stadt Wiesbaden | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Wiesbaden-Klarenthal

Angaben zum Standort:

Im Innern der Kapelle an der Ostwand.

Heutiger Aufbewahrungsort:

Wiesbaden, Ev. Kapelle (aus ehem. Kloster Klarenthal)

Merkmale

Datierung:

1335

Typ:

Grabplatte

Material:

roter Sandstein

Erhaltung:

erhalten

Größe:

120 x 210 cm (B x H)

Größe der Buchstaben:

5,5 cm

Beschreibung

Beschreibung:

Unter einer Kielbogenarkade, deren Kreuzblume in die obere Schriftleiste reicht, stehen die flachreliefierten Figuren der Verstorbenen: in der Mitte die größer abgebildete Mutter, die ihre Hände mit den jeweils äußeren Händen der neben ihr stehenden Mädchen verbunden hat. Alle drei haben Kissen hinter ihren Köpfen und tragen zeitgenössische Tracht: Kleider mit geknöpften engen Ärmeln, die Mutter darüber einen langen Mantel mit Agraffe und den üblichen Kopf- und Kinnschleier, die Mädchen Gebende und Schapel, ihre Zöpfe sind aufgesteckt. In den Arkadenzwickeln zwei reliefierte Wappen. Die auf dem Plattenrand zwischen Linien umlaufende Grabinschrift beginnt oben in der Mitte. Abplatzungen vornehmlich auf der rechten Seite und im Fußbereich mit Inschriftverlusten, sonst gut erhalten.

Dargestellte Personen:

Elisabeth Herold und ihre Töchter Lieba und Werntrudis.

Elisabeth war die Ehefrau des wohlhabenden Oppenheimer Ratsherrn und Bürgers Hanemann Herold, der 1340 starb und neben seiner Frau in der Klarenthaler Klosterkirche beigesetzt wurde. Im Klarenthaler Nekrolog ist Elisabeth Herold (domina Elizabeth de Oppenheim) zum 20. April eingetragen.4) Die Einträge für ihre Töchter Werntrudis und Lieba liefern einen Schlüssel zu einer möglichen Identifizierung der Familienzugehörigkeit der Elisabeth Herold. Werntrudis und Lieba sind jeweils als cognata fratris Gerhardi, verzeichnet, und zwar Werntrudis zum 25. Februar5) und Lieba zum 7. Mai.6) Der genannte frater Gerhard, zu dem noch eine weitere cognata Alheidis (Eintrag zum 20. Januar7)) gehörte, wurde von den Klarenthaler Klarissen im seinem Nekrologeintrag zum 5. Mai als pater noster fidelissimus bezeichnet, der dem Kloster 28 Jahre lang treu diente.8) Es dürfte sich um den Beichtvater gehandelt haben, dessen Amt für Klarenthal in den Gründungsjahren mit Werner von Saulheim belegt ist.9) Der Franziskanermönch Gerhard von Eimsheim, der später offenbar die Nachfolge Werners antrat, ist als geselle des bichters, also des Werner von Saulheim, schon 1317 belegt.10) Es ist durchaus anzunehmen, daß Gerhard von Eimsheim identisch ist mit dem im Nekrolog verzeichneten Bruder Gerhard. Wenn diese Identifizierung stimmt, könnte Elisabeth Herold eine Schwester des Gerhard von Eimsheim gewesen sein. Dies würde die im Nekrolog aufgeführte enge Blutverwandtschaft der Töchter zu Bruder Gerhard ebenso erklären wie das zweite Wappen auf dem Stein.


  1. Otto, Necrologium 62 Nr. 158.
  2. Ebd. 53 Nr. 89.
  3. Ebd. 65 Nr. 179.
  4. Ebd. 44 Nr. 26.
  5. Ebd. 66 Nr. 190.
  6. Langkabel, Das Kloster Klarenthal 29.
  7. Otto, Necrologium 66 Nr. 190 Anm.

Geschlecht, Alter, Familienstand:

weibliche Person(en) · Kind(er)

Stand:

Bürger

Enthaltene Wappen:

Herold2); [Eimsheim]3).

Nur mühsam ist auf dem zweiten Wappen oben eine Spaltung und in der Mitte eine Teilung des Schildbildes auszumachen. Die von Eimsheim führten ein Geviert von Rot und Silber im Schild.11) Offenbar war Elisabeth Herold eine geborene von Eimsheim war.


  1. Ein beiderseits gezinnter Schrägfaden.
  2. Wappen geteilt, oben gespalten.
  3. Vgl. Spieß, Beiträge Wappenkunde 99 (mit Abb.).
Inschrift

Umschrift:

<U>AN</U>NO · D(OMI)NI · M<sup>o</sup> / · CCC<sup>o</sup> · XXXV<sup>o</sup> · XIIII<sup>o</sup> K(A)L(ENDAS) · MAY O(BIIT) [ELISABETH] · HEROLDI · QVIBUS · X · D/[EP]OSITIS · VI · K(A)L(ENDAS) · M<U>AR</U>CII · O(BIIT) · W<U>ER</U>N/TRVDIS · IP(S)IS · QVE · X · REPOSITIS · V · IDVS · MAY · O(BIIT) · LIEBA · / FILIE · EIUS

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1335, am 14. Tag vor den Kalenden des Mai (18. April) starb Elisabeth Herold, zehn (Jahre) vorher, am sechsten Tag vor den Kalenden des März (24. Februar 1325) starb Werntrudis, und jenen wieder zehn (Jahre) hinzugefügt, an den fünften Iden des Mai (11. Mai 1335) starb Lieba, ihre Töchter.

Kommentar:

Ergänzt nach Helwich.

Die Inschrift zeigt zeittypische Majuskelformen in mäßig schlanker Proportion. Die Berechnung von Sterbedaten erfolgt üblicherweise nur in metrischen Inschriften; eine Fürbitte fehlt wohl aus Platzmangel, da der Text relativ lang ist.

Schrift:

Gotische Majuskel

Nachweise

Literatur:

  • Helwich, Syntagma 131
  • Nachlaß Habel (HHStAW 1163/836 o.S. (Text u. teilw. Abb.)
  • Otto, Clarenthaler Studien II 44 (nach Helwich)
  • Geschichte des Klosters Clarenthal 43 Abb. 15-17.

Sachbegriffe:

Wappen · Frauen · Bürger · Kinder

Wappen:

Herold · Eimsheim

Bearbeitung:

Die Inschriften der Stadt Wiesbaden. Gesammelt und bearbeitet von Yvonne Monsees, unter Mitarbeit von Rüdiger Fuchs (Die Deutschen Inschriften 51), 2000, S. 14 f., Nr. 13.

Zitierweise
„Elisabeth Herold und Töchter 1335, Wiesbaden-Klarenthal“, in: Grabdenkmäler <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/2110> (Stand: 21.3.2006)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde