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Grabdenkmäler

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Johann V. Graf zu Solms-Lich 1457 und Elisabeth geb. von Kronberg 1438, Lich

Lich · Gem. Lich · Landkreis Gießen | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Lich

Gebäude:

Lich, Marienstiftskirche

Heutiger Aufbewahrungsort:

Lich, Evangelische Marienstiftskirche.

Im Chorumgang.

Merkmale

Datierung:

1438, 15. Dezember; 1457

Typ:

Grabplatte

Material:

roter Sandstein

Erhaltung:

erhalten

Größe:

130 x 245 cm (B x H)

Größe der Buchstaben:

6-8 cm

Beschreibung

Beschreibung:

Johann zu Solms steht gerüstet auf zwei Löwen, wobei sein in der Rechten gehaltenes Schwert dem darunterliegenden Löwen ins offene Maul gesetzt wird. In seiner angewinkelt nach oben geführten Linken hält er einen Turnierhelm über der oberen Mitte der Platte. Seine rechts wiedergegebene Ehefrau steht in modischer Gewandung und spitzen Schnabelschuhen auf einem Löwen. Mit ihrer Rechten hebt sie das Gewand etwas an, ihre angewinkelte Linke hält einen langen Rosenkranz. Das Haar wird von einer Haube bedeckt.

Auf dem Rand läuft eine Inschrift um, die jeweils über den Köpfen neu beginnt und von dort aus nach links bezüglich des Mannes bzw. nach rechts bezüglich der Ehefrau umläuft, unten zweizeilig.

Über den Ecken vier Wappenschilde, die oberen plan aufliegend, die unteren konkav zu der vorspringenden Standplatte der Figuren geführt.

Bemerkungen zum Ikonographischen der einander ähnlichen Denkmäler des Grafen Johannes zu Solms (+ 1457), des Grafen Johann V. zu Solms und seiner Frau (+ 1457 bzw. 1438) und des Frank von Kronberg (+1461), alle in Lich:

Auffallend ist die Ähnlichkeit der Ritterfiguren untereinander, welche die Annahme eines Meisters nahelegt. Im Rahmen dieser lokalen Tradition ist aus ikonographischer Sicht das Schwert-Löwen-Motiv auffallend, welches vielleicht im Zusammenhang steht mit Psalm 91, Vers 13 "Über Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen und Drachen niedertreten". Zweifelsfrei ist dieses gegeben bei dem Mainzer Grabmal (im Dom) des Siegfried III. von Eppstein. Zu diesem und den Fragen: Löwe und Drache vgl. Kahsnitz S. 72 f.

Alle Ritter tragen ein umwickeltes Schwert. Ein umwickeltes, nach oben gehaltenes Schwert gilt als Symbol der Gerichtsbarkeit (siehe z. B. "Der Sachsenspiegel in Bildern", Nr. 133-134). Dazu in der Grabmalkunst Grabmal Herzog Heinrichs des Löwen und der Herzogin Mathilde im Braunschweiger Dom (vgl. Panofsky, Abb. 222). In Lich wird das Schwert wohl eher im Zusammenhang zur Funktion als Lehnsherr zu sehen sein, da die Vergabe der Lehen in der Regel mit Darreichung von Schwert (Zepter, Fahne) erfolgte.

Darstellung:

figürlich

Dargestellte Personen:

Graf Johann V. zu Solms-Lich, gestorben 1457, und seine Ehefrau Elisabeth von Kronberg, gestorben am 15. Dezember 1438.

Johann V. war der Sohn Graf Ottos zu Solms ( + nach 5.3.1410) und seiner Frau Agnes geb. von Falkenstein (+ 1.9.1409), die er vor dem 11.6.1375 geheiratet hatte.

Elisabeth von Kronberg entstammte der Ehe Franks von Kronberg (Beinamen: "der Ältere" und "der Reiche"), dessen Grabplatte in Lich ebenfalls erhalten ist, und seiner Frau Katharina von Isenburg.

Johann und Elisabeth heirateten vor dem 17.10.1429.

Geschlecht, Alter, Familienstand:

weibliche Person(en) · Ehepaar · männliche Person(en)

Stand:

Adlige

Enthaltene Wappen:

In den oberen Ecken des Denkmals links das Wappen der Grafen zu Solms (Löwe), rechts das der von Kronberg (quadriert, rechts oben und links unten Eisenhüte, sonst leer). Unterhalb des Mannes der teilweise zerstörte Wappenschild der Herren von Falkenstein (quadriert, links oben und rechts unten sechsspeichiges Rad, rechts oben und links unten geteilt) und unterhalb seiner Ehefrau der Schild der Grafen von Isenburg (zwei Balken).

Inschrift

Umschrift:

An(n)o · d(omi)ni / m · cccc · lvii · obiit · nobil(is) · d(omi)n(u)s · ioh(ann)es · comes · in · solms · c(uius) · a(n)i(m)a · r(e)q(ui)escat [in pace] //

An(n)o · d(omi)ni / m · cccc · xxx viii · deci(m)a · v · die · mens(is) · dece(m)br(is) · obyt · d(omi)na · elisabeth · co(n)thoral(is) · d(omi)ni · ioh(ann)is / comitis in solms c(ui)us / a(n)i(m)a req(ui)escat i(n) pace a(men)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1457 starb der edle Herr Johann(es), Graf zu Solms, dessen Seele in Frieden ruhe.

Im Jahre des Herrn 1438, am 15. Tag des Monats Dezember, starb Frau Elisabeth, Ehefrau des Johann(es), Grafen zu Solms, deren Seele in Frieden ruhe.

Schrift:

Gotische Minuskel

Nachweise

Literatur:

  • Schaum-Benedum, Christa: Die figürlichen Grabsteine des 14. und 15. Jahrhunderts in Hessen, 1969, S. 187
  • Walbe, Heinrich (Bearb.): Die Kunstdenkmäler im Freistaat Hessen – Provinz Oberhessen – Kreis Giessen, Band 3: Südlicher Teil ohne Arnsburg, Darmstadt 1933, S. 264, Abb. 203
  • Küther, Waldemar: Das Marienstift Lich im Mittelalter, Lich 1977, S. 175 mit Abb. 19 und Inschrift
  • Schwennicke, Europäische Stammtafeln NF XVII (1998), Tafeln 33 und 39
  • Gensicke, Hellmuth: Die von Kronberg, in: Nassauische Annalen 98 (1987), S. 297-318, hier S. 313
  • Kahsnitz, R.: Die Gründer von Laach und Sayn, Fürstenbildnisse des 13. Jahrhunderts, Nürnberg 1992, S. 72 f.
  • Koschorreck, W. (Hrsg.): Der Sachsenspiegel in Bildern aus der Heidelberger Bilderhandschrift, 1977, Nrn. 133 und 134
  • Panofsky, E.: Grabmalplastik, Köln 1964, Abb. 222

Personen:

Kronberg, Frank von · Kronberg, Katharina von, geb. von Isenburg · Isenburg, Katharina von, verheiratete von Kronberg · Solms, Otto Graf zu · Solms, Agnes zu, geb. von Falkenstein · Falkenstein, Agnes von, verheiratete zu Solms

Sachbegriffe:

Löwen · Schwerter, umwickelte · Schnabelschuhe · Hauben · Turnierhelme · Rosenkränze · Wappen · Ehepaare · Männer · Frauen · Adlige · Grafen

Wappen:

Solms · Kronberg · Falkenstein · Isenburg

Bearbeitung:

Christa Benedum, Gießen, und Andreas Schmidt, HLGL

Zitierweise
„Johann V. Graf zu Solms-Lich 1457 und Elisabeth geb. von Kronberg 1438, Lich“, in: Grabdenkmäler <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/846> (Stand: 14.12.2011)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde