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Clara von Bechtolsheim 1351, Eberbach

Eberbach · Gem. Eltville am Rhein · Rheingau-Taunus-Kreis | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Eberbach

Angaben zum Standort:

Ursprünglich vor dem Dreifaltigkeitsaltar in der Kirche beigesetzt. Die Platte wurde später in den Kreuzgang verbracht, wo sie heute aufrecht an der Westwand steht.

Heutiger Aufbewahrungsort:

Kloster Eberbach, Kreuzgang

Merkmale

Datierung:

1351

Typ:

Grabplatte

Material:

roter Sandstein

Erhaltung:

erhalten

Größe:

106 x 214 cm (B x H)

Größe der Buchstaben:

6,5-7 cm

Beschreibung

Beschreibung:

Große Grabplatte mit der aus dem Stein herausgearbeiteten Relieffigur einer stehenden Frau in zeittypischer Kleidung mit Schleier, Rise und Nuschenmantel. Die Gestalt mit den betend aneinandergelegten Händen ist in einen eingetieften Spitzbogen mit Krabbenbesatz und Kreuzblume eingestellt. Auf zwei flachen, die Frauengestalt begleitenden Mauerwerkpilastern stehen Fialen; in den vier Ecken je ein identischer, erhaben gearbeiteter Wappenschild. Stein im oberen Drittel quergebrochen, mit geringfügigem Buchstabenverlust der auf dem Plattenrand zwischen Linien umlaufenden Inschrift.

Dargestellte Personen:

Clara von Bechtolsheim.

Clara von Bechtolsheim entstammte der Familie der Ritter von Bechtolsheim, die weitgestreuten Besitz in Rheinhessen hatten. Franck nennt sie eine Begine mit Wohnsitz in einem Haus am Speisemarkt zu Oppenheim.2) Beginen waren wohlhabende Frauen, die unverheiratet oder verwitwet in einer freien geistlichen Gemeinschaft lebten, die sich in lockerer Form gern an bestehende Zisterzienser(innen)klöster anschloß. Die rege Stiftertätigkeit und der Wunsch dieses Personenkreises nach einer Bestattung in Eberbach ist durch Urkunden3) belegt. Clara verfügte als alleinstehende, unverheiratete Frau über ein beträchtliches Vermögen, das nach dem Tod ihrer kinderlosen Brüder Peter und Dietzo um deren Erbe vermehrt worden war. So war Clara von Bechtolsheim zeit ihres Lebens willens und in der Lage, Eberbach umfangreiche Schenkungen zu machen. Die früheste Nachricht stammt aus dem Jahre 1330, als sie vor Schultheiß, Rat, Schöffen und Bürgern zu Oppenheim dem Kloster Eberbach Liegenschaften zu Guntersblum und Nierstein mit allen darauf haftenden Rechten und allem Zubehör vermachte.4) Zugleich übereignete sie die ihr zugefallenen Güter ihres verstorbenen Bruders Dietzo in Friesenheim, Undenheim und Nordolfsheim den Eberbacher Mönchen.5) Ein Jahr später befreite sie den Eberbacher Hof in Lorch von einer Abgabe, die Eberbach dem Ritter Konrad von Rüdesheim schuldig war und erwarb zugleich einen Anteil an dem Hof des Ritters Hanzelin von Geroldstein, in welchem die Brüder von Leyen wohnten.6) Am 4. März 1334 vermachte domicella7) Clara erneut dem Kloster testamentarisch verschiedene Legate8) und 1341 kaufte sie Güter zu Lorch, Ingelheim, Heimbach, Undenheim und Nierstein, die sie der Abtei schenkte.9) Dem Eintrag im Eberbacher Seelbuch zufolge sollte anläßlich ihres Todestages das Kloster neben anderen Vergünstigungen von der honesta puella jährlich 72 Malter Korn, 8 Pfund Heller und l Karate Wein erhalten.10)

1) Äußerst schlicht gehalten sind dagegen die mit der Grabplatte der Katharina aus Sobernheim frühest belegten, in dem Eberbacher Enkelkloster Disibodenberg an der Nahe aufgefundenen schmucklosen Umschriftplatten anderer Beginen, vgl. DI 34 (Lkr. Bad Kreuznach) Nr. 33. Für Eberbach ist bereits 1310 die Sepultur einer Begine urkundlich zu belegen, vgl. Struck, Beginen 187 mit Hinweis auf Bechtradis zum Bornstab nach UB Eberbach Nr. 659. Vgl. auch Einleitung Kap. 4.1.1. und 4.1.3.

2) Franck, Oppenheim 316 f.

3) 1327 erwählte beispielsweise die Limburger Begine Hyldemudis ihr Grab auf dem Eberbacher Friedhof und wies für die Totenfeier und die Bestattung ihres Körpers 6 Mark an, s. Struck, Quellen Klöster I 628 Nr. 1431 zu 1327 Juni 8.

4) UB Eberbach II 2 Nr. 865 zu 1330 Januar 1.

5) Ebd. Nr. 866 zu 1330 Januar 29.

6) Ebd. Nr. 882 zu 1331 Februar 2.

7) Üblicherweise mit Edelfrau zu übersetzen und in diesem Zusammenhang durch die Ritterbürtigkeit des Geschlechts auch zutreffend. Zu der hier nicht inschriftlich gebrauchten Bezeichnung bei Nicht-Ritterbürtigen vgl. DI 34 (Lkr. Bad Kreuznach) Nr. 52 mit Anm. 8; der Hinweis bezieht sich auf die von Du Gange, Glossarium III162 für das 14. Jh. nachgewiesene Bedeutung Begine.

8) NUB I 3 Nr. 2023.

9) Ebd. Nr. 2238; Roth, Geschichtsquellen I 152 Nr. 1087. 10) Roth, Geschichtsquellen III 44 zum 13. August.

Geschlecht, Alter, Familienstand:

weibliche Person(en)

Stand:

Adlige · geistliche Personen

Enthaltene Wappen:

viermal Bechtolsheim.

Sonstiges:

Figurale Platte einer Begine1)


Inschrift

Umschrift:

ANNO · / D(OMI)NI · M° · CCC° · LI° · I(N) · VIGILIA · B(EA)TI · BERNHARDI · O(BIIT) · / HONESTA · / PVELLA · CLARA · MAT(ER) · N(OST)RA · F[I]DELIS-SI(M)A · R(EQUIESCAT) · I(N) · PACE

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1351, am Tag vor dem Fest des hl. Bernhard (19. August) starb die ehrenhafte Jungfrau Clara, unsere allertreueste Mutter. Sie ruhe in Frieden.

Kommentar:

Das Personalpronomen NOSTRA ist ein Hinweis auf die Fertigung der Inschrift im Kloster. Text am Ende aus Platzgründen stark gekürzt.

Schrift:

Gotische Majuskel

Nachweise

Literatur:

  • Helwich, Syntagma 167
  • Anonymus ed. Roth, Geschichtsquellen III 84
  • Bär/Stoff, Eberbach III 42 Anm. 31
  • Roth, Geschichtsquellen III 262
  • Schaum-Benedum 154
  • Monsees, Totengedächtnis- und Bauinschriften Abb. 3.

Sachbegriffe:

Wappen · Frauen · Adlige · Beginen

Wappen:

Bechtolsheim

Bearbeitung:

Die Inschriften des Rheingau-Taunus-Kreises. Gesammelt und bearbeitet von Yvonne Monsees (Die Deutschen Inschriften 43), 1997, S. 75 f., Nr. 77.

Zitierweise
„Clara von Bechtolsheim 1351, Eberbach“, in: Grabdenkmäler <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1813> (Stand: 14.3.2006)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde