Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Neue Suche
 
Übersichtskarte Hessen
Messtischblatt
5514 Hadamar
Moderne Karten
Kartenangebot der Landesvermessung
Historische Karten
Herzogtum Nassau 1819 – 19. Hadamar

Weitere Informationen

Hadamar

Stadtteil · 130 m über NN
Gemeinde Hadamar, Landkreis Limburg-Weilburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Kloster; Stadt

Lagebezug:

Hadamar liegt 8 km nordwestlich von Limburg.

Lage und Verkehrslage:

Hadamar liegt im nördlichen Teil des Limburger Beckens und wird vom Elbbach durchflossen.

Die Stadt liegt an der L 3462 und an der B 54.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Limburg – Westerburg ("Oberwesterwaldbahn") seit 1870. Die Teilstrecke Limburg/Staffel - Hadamar wurde am 1.1.1870 eröffnet, die Teilstrecke Hadamar - Westerburg erst am 1.10.1886.

Siedlungsentwicklung:

832 wird Hadamar erstmalig urkundlich erwähnt. Der Siedlungskern am linken Elbbachufer breitete sich innerhalb einer kleinen, durch den Faulbach verbreiterten Teilweitung aus.

Ab dem 12. Jahrhundert ist Hadamar Sitz mehrerer Ritterfamilien. Um 1190 entsteht innerhalb des bereits ummauerten Gutsbezirks ein Musterhof des Zisterzienserordens.

Im 13. Jahrhundert existierte vermutlich eine Wehranlage der Grafen von Leiningen auf dem 1275 erstmals genannten Burgberg. Vor 1232 wurde auf dem heutigen Mönchsberg die Aegidenkirche errichtet.

1323 erwirbt Graf Emich I. von Nassau-Hadamar den Musterhof der Zisterzienser und baut ihn zu einer Wasserburg um. Jene wird von der älteren Linie der Grafen von Nassau-Hadamar bis zu ihrem Aussterben 1394 als Residenz genutzt. 1324 verleiht König Ludwig der Bayer Graf Emich I. für Hadamar das Frankfurter Stadtrecht und erlaubt gleichzeitig die Errichtung von Gräben und Mauern. Die Grundfläche des alten, regelmäßig angelegten Stadtkerns beträgt zur Zeit der Stadtwerdung 300x200m.

Um 1450 und nach 1560 wird die zunehmend verfallende Wasserburg umgebaut. Im Laufe des 17. Jahrhunderts wird die Burg unter Fürst Johann Ludwig in ein repräsentatives Renaissanceschloß umgebaut und erweitert: 1614-1617 wird ein neues Treppenhaus gebaut, 1622-29 der Südflügel angelegt, 1623 der 2. Schloßhof und 1627 der 3. Schloßhof fertiggestellt.

1540 brennen der Stadteil von Hadamar, der am linken Ufer des Elbbachs liegt, bis auf drei Häuser vollständig nieder. Die 1555 zerstörte Brücke wird bis 1572 wieder aufgebaut.

Im 17. Jahrhundert erwirbt der Stadtherr systematisch die die Burg umgebenden Häuser und vergrößert die Stadt planmäßig und in Gitterform nach Nordosten hin. Im Rahmen der Baumaßnahmen werden auch zwei Marktplätze (Neu- und Untermarkt) als bürgerliche Gegenstücke der Schloßhöfe angelegt. Gleichzeitig versucht man die Zuwanderung in die Stadt zu steigern, so gewährt 1674 Fürst Moritz Heinrich von Nassau-Hadamar allen Neubauenden eine 20-jährige Steuerbefreiung. Durch die Residenzfunktion erlebt die Stadt im Laufe des 17. Jahrhunderts einen regen Zuzug von Beamten, Künstlern, Handwerkern und Gewerbetreibenden, die vornehmlich aus Süddeutschland und Österreich stammen. In den Jahren 1633-1636 wird Hadamar immer wieder von der Pest heimgesucht und 1655 wüten hier das ungarische Fieber und die Ruhr.

Im 18. Jahrhundert wächst die Stadtbevölkerung durch den Zuzug von Soldaten und kath. Franzosen, die Ämter am Hof ausübten, weiter an. Um 1700 wird nördlich des Schloßes der "Neue Bau" errichtet, welcher später als Sitz des Amtsgerichtes genutzt wird. 1732 wird der Brunnen auf dem Neumarkt fertiggestellt. 1795/96 wird die Stadt durch die Franzosen geplündert.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts läuft ein Großteil des Verkehrs über die südlich gelegene ehemalige Schloßbrücke, die 1824 vom Hochwasser weggerissen und um 1850 wieder aufgebaut wird. 1813/14 wird die Stadt von einer Typhusepedemie heimgesucht. 1858 werden Teile des 2. und 3. Schloßhofs sowie des östlichen Schloßgartens beim Bau der Gymnasiumsstraße abgerissen. Die Reste des Gartens werden 1872 beim Bau des Bahnhofs und der Eisenbahnlinie zerstört.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Burganlage aus dem 13. Jahrhundert
  • Umwandlung des Zisterzienser Musterhofs in eine Wasserburg im 14. Jahrhundert
  • In der Ortsmitte hufeisenförmige Schloßanlage an der Stelle der früheren Wasserburg aus dem 16. Jahrhundert
  • Reste der aus 15. Jahrhundert stammenden Stadtmauer sowie ein Tor (heute Hammelburg) sind erhalten geblieben.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3432418, 5590736
UTM: 32 U 432370 5588940
WGS84: 50.44856695° N, 8.047434549° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

533007010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1828: 1901 Morgen
  • 1939: 521 ha
  • 1950: 1505 ha (mit Gemarkung der eingemeindeten Orte)

Einwohnerstatistik:

  • 1566: 55 Häuser
  • 1644: 75 Bürger und 44 Beisassen
  • 1793: 272 Häuser
  • 1810: 1481 Einw.
  • 1817: 1486 Einw.
  • 1819: 1374 Einw.
  • 1829: 1878 Einw.
  • 1839: 2201 Einw.
  • 1850: 2372 Einw.
  • 1860: 2207 Einw.
  • 1889: 2357 Einw.
  • 1900: 2241 Einw.
  • 1910: 2735 Einw.
  • 1925: 2844 Einw.
  • 1939: 4375 Einw.
  • 1946: 5426 Einw.
  • 1950 6003 Einw. (davon 1207 Flüchtlinge)
  • 1961: 5905 Einw.
  • 1970: 6419 Einw.

Diagramme:

Hadamar: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Früh- und Hochmittelalter: Niederlahngau
  • 1787: Fürstentum Hadamar, Amt Hadamar
  • 1806: Großherzogtum Berg, Amt Hadamar, Kirchspiel Hadamar
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Hadamar
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IV
  • 1867: Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Oberlahnkreis
  • 1886: Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis Limburg
  • 1945: Groß-Hessen, Kreis Limburg
  • 1946: Bundesland Hessen, Kreis Limburg
  • 1974: Landkreis Limburg-Weilburg

Altkreis:

Limburg

Gericht:

  • 1324/1337 Stadtgericht
  • 15. Jahrhundert: Schultheiß und 6 Schöffen
  • Ab 1686: Schultheiß, 7 Schöffen und Stadtschreiber mit Zuständigkeit für die freiwillige Gerichtsbarkeit sowie niedere Straf- und bürgerliche Gerichtsbarkeit
  • 1804-1810 nassauisches Oberappellationsgericht

Herrschaft:

Herrschaft:

Ab dem 7. Jahrhundert: Herrschaftsbereich der Grafen des Niederlahngaus

12. Jahrhundert bis 1332: Grafschaft Diez und Grafschaft Leiningen

1332-1394: Grafschaft Nassau-Hadamar

1394-1405: umstritten zwischen Nassau-Dillenburg und Katzenellnbogen

1405-1479: Kondominat zwischen Nassau-Dillenburg und Katzenellnbogen

1479-1492: Kondominat zwischen Nassau-Dillenburg und den Landgrafen von Hessen (hessische Verpfändung des Anteils von 1492 bis 1557)

1492-1522: Kondominat zwischen Nassau-Dillenburg und den Herren von Eppstein

1522-1535: Kondominat zwischen Nassau-Dillenburg und den Herren von Königstein

1535-1557: Kondominat zwischen Nassau-Dillenburg und den Grafen von Stolberg-Königstein

1557-1607: Nassau-Dillenburg

1607-1711: Nassau-Hadamar

1711-1743: Nassau-Siegen

1743-1806: Nassau-Diez

1806-1813: Herzogtum Berg

Gemeinde: Die Stadt wurde durch den Schultheißen und die Schöffen verwaltet. Hinzu kamen zwei Bürgermeister, die vor dem Kanzleidirektor und -räten jährlich Rechenschaft über die Stadtfinanzen abzulegen hatten.

Gemeindeentwicklung:

Am 01.04.1939 werden Faulbach und Niederhadamar nach Hadamar eingemeindet (Amtsblatt der Regierung zu Wiesbaden Stück 1 vom 07.01.1939).

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Hadamar, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Hadamar.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1190 hat das Kloster Eberbach einen Wirtschaftshof in Hadamar, den 1320 die ältere Linie des Hauses Nassau-Hadamar erwirbt.

Ortsadel:

1323-1394 ältere Linie der Grafen von Nassau-Hadamar

1607-1711 jüngere Linie der Grafen von Nassau-Hadamar

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1232: Kapelle und Pfarrhaus auf dem späteren Mönchsberg
  • 1446: Liebfrauenkirche an der Elb
  • 1629: Schloßkirche
  • 1642: Erwerbung eines neuen Pfarrhauses in der Kirchgasse
  • 1675: Herzenbergkapelle auf dem Hirschberg
  • 1699: Erbauung einer Holzkapelle
  • 1752: Gründung der evangelischen Pfarrei
  • 1755: Jesuitenkirche
  • 1791: Schloßkirche wird evangelische Pfarrkirche
  • 1818: ehem. Jesuitenkirche wird kath. Stadtpfarrkirche und die Liebfrauenkirche wird zur Totenkapelle
  • 1852-1908: Bau des bischöflichen Konviktbaus
  • 1897/98: Erweiterung der kath. Kirche durch Chorraum und Glockenturm
  • 1957: Fertigstellung des neuen evangelischen Pfarrhauses mit Gemeindezentrum und Schülerheim in der alten Chaussee
  • 1965: Verkauf des alten kath. Pfarrhauses an das Franziskanerstudienheim und Umzug in das neue Pfarrhaus
  • 1971: Abschluss der Sanierungsarbeiten in der Pfarrkirche St. Nepomuk

Patrozinien:

  • Aegidius (ab 1320) und Nepomuk

Pfarrzugehörigkeit:

Ab 1446 gehört die Liebfrauenkirche in Hadamar zur Pfarrei.

Patronat:

Ab 1232 besitzt das Kloster Eberbach das Patronatsrecht.

Ab 1403 gehört das Patronat den Grafen von Katzenellenbogen.

In der Folgezeit kam es bis 1438 zu Patronatsstreitigkeiten zwischen Katzenellenbogen und Nassau-Dillenburg, wo sich beide Parteien in einem Vergleich darauf einigten, dass Katzenellenbogen je zweimal und Nassau-Dillenburg einmal residieren sollte.

Klöster:

  • In der Kapelle residierte seit 1232 ein Mönch des Klosters Eberbach.
  • Ende des 15. Jahrhunderts: An der Kirche unser Lieben Frauen ein Halbstift mit 6 Priestern und 6 Altären
  • Hadamar, Franziskanerkloster
  • Hadamar, Jesuitenkollegium
  • 1702-1817: Kloster der Dominikanerinnen
  • 1856-1950/51: Arme Dienstmägde Christi zu Dernbach und Barmherzige Brüder zu Montabaur

Bekenntniswechsel:

Erste evangelische Predigten 1524 durch Gerhard Lorich.

Einführung der Reformation: 1535

Reformierter Bekenntniswechsel: 1575/76

Katholischer Bekenntniswechsel: 1629

Seit 1817 besteht eine unierte evangelische Pfarrei.

Kirchliche Mittelbehörden:

Zum Trierer Archidiakonat St. Lubentius in Dietkirchen, Dekanat Dietkirchen gehörig

Bis 1320 als Tochterpfarrei zum Kirchpspiel Niederzeuzheim gehörig

Juden:

1651: 8 Familien

1841: Verlegung des Bethauses im Judengäßchen in die neu erbaute Synagoge in der Nonnengasse

1842: 100 Juden

1871: 77 Juden

1925: 80 Juden

Kultur

Schulen:

Ende des 15. Jahrhunderts: Lateinschule

1627: Mädchenschule

1652: Errichtung des Jesuitengymnasiums (heutiges Gymnasium der Fürst-Johann-Ludwig-Schule)

1816-1872: Hebammenschule

1852: Kath. Konvikt

1894: private höhere Mädchenschule; je eine Volksschule in Hadamar und Niederhadamar

1949: Fachschule des Landes Hessen für Glasindustrie

Hospitäler:

1663-1790: Jesuitenhospital für alte Leute

1856: Hospital der Armen Dienstmägde Christi

1894: Landesheil- und -pflegeanstalt für Geisteskranke (ursprünglich Privatirrenanstalt des St.-Joseph-Heims)

1949: Umwandlung des Hospitals der Armen Dienstmägde Christi in das St.-Anna-Krankenhaus der Pallotinerinnen

Kultur:

1848: Nassauischer Zuschauer

1884-1939: Hadamarer Anzeiger

Seit 1948: Mitteilungsblatt der Stadt Hadamar

Historische Ereignisse:

Mit dem Übertritt zum Calvinismus 1576/77 werden viele Kirchenkunstwerke aus dem Mittelalter vernichtet.

Als Fürst Johann Ludwig von Nassau-Hadamar 1629 vom calvinistischen zum katholischen Glauben übertrat, erlaubte er seiner Frau, Ursula von Lippe-Detmold, ihren calvinistischen Glauben weiter auszuüben. Die Fürstin durfte daher in der Schloßkirche den Gottesdienst abhalten lassen.

Mit seinem Übertritt zum katholischen Glauben übernehmen die Jesuiten die Seelsorge in Hadamar und im Wesentlichen die kirchliche Leitung des Fürstentums.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1323-1394 Residenz der älteren Linie der Grafen von Nassau-Hadamar

1607-1711 Residenz der jüngeren Linie der Grafen von Nassau-Hadamar

1816-1866 Sitz des Amtmanns von Hadamar: Hadamar, Ahlbach, Dorchheim, Dorndorf, Ellar, Faulbach, Frickhofen, Fussingen, Hangenmeilingen, Hausen, Heuchelheim, Hintermeilingen, Lahr, Langendernbach, Mühlbach, Niederhadamar, Niedertiefenbach, Niederweyer, Niederzeuzheim, Oberweyer, Oberzeuzheim, Offheim, Steinbach, Thalheim, Waldernbach, Waldmannshausen, Wilsenroth, Elz und Malmeneich

1849-1854 war Hadamar Kreisamtssitz des nassauischen Verwaltungsbezirks III

Wirtschaft:

Seit der Stadtwerdung 1324 dominieren Kleingewerbe und Landwirtschaft das örtliche Wirtschaftsleben, wobei die Märkte der Stadt eine gewisse Bedeutung bis in den Westerwald erlangen.

Seit dem 17. Jahrhundert lassen sich zahlreiche Zunftvereinigungen nachweisen, wobei die Bierbrauerei und die Verkehrsgewerbe wichtige Wirtschaftszweige darstellen.

Im 18. und 19. Jahrhundert ist die Ausbeutung der Mangan-, Eisenerz-, Phosphorit- aber auch Marmor und Kalksteinvorkommen von großer Bedeutung. Um den Herzenberg herum werden Schwefelkies und Kupfererze abgebaut. Nach 1827 werden in der Gegend um Hadamar, Faulbach und Niederhadamar Braunsteinlagerstätten erschlossen.

Nach 1945 siedeln sich in der Stadt Textil-, Leder-, Chemische aber vor allem die Glasindustrie an.

Mühlen:

1203: Stadtmühle

1215: Schloßmühle

18. Jahrhundert: Hammerwerk

Markt:

15. Jahrhundert: Fruchtmärkte

1687: Wochenmarkt am Mittwoch

1767: 7 Jahrmärkte

Zoll:

1449 Oberhadamarer Kornmaß bezeugt

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Hadamar, Landkreis Limburg-Weilburg“, in: Historisches Ortslexikon <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/8250> (Stand: 17.10.2017)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde